Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Vom Zankapfel zum Großprojekt
Marburg Vom Zankapfel zum Großprojekt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 07.08.2019
Die Sanierung der Weidenhäuser Brücke ist fast abgeschlossen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Brückensanierung geht in diesen Tagen in die absolute Endrunde. Das Brückenbauwerk wird schon seit Februar 2018 saniert. Dass es dazu kam, war aber lange überhaupt nicht klar. Erst Ende­ ­Januar 2018 hatte die Stadt nach jahrelangen Verzögerungen mitgeteilt, dass der Startschuss für die dringend notwendige Brückensanierung in Kürze ­erfolgen solle.

Steigende Belastungen durch den Verkehr und mit Tauwasser eindringendes Salz: Die Weidenhäuser Brücke musste dringend instandgesetzt und statisch ertüchtigt werden. Die Bauarbeiten starteten am 26. Februar 2018 – und zwar unter Vollsperrung. Die Sperrung sollte sowohl für den motorisierten Verkehr, als auch für den Rad- und Fußverkehr gelten und zunächst nur bis Oktober/Anfang November 2018 erfolgen.Danach könne sie einspurig bis zum Ende des Bauprojekts befahren werden, hieß es zunächst in der Mitteilung. Doch im Sommer 2018 kam dann die Mitteilung der Stadt, dass die Vollsperrung bis zur endgültigen Fertigstellung der Brückensanierung beibehalten werde, um die Sanierungszeit deutlich zu verkürzen. 

Das historische Bauwerk war aufgrund steigender Belastungen und Beschädigungen durch eindringendes Salzwasser dringend sanierungsbedürftig. Die Weidenhäuser Brücke wurde 1892 als schlanke Bogenbrücke­ erbaut. Aufgrund ihrer zentralen Lage in der Mitte von Marburg wurde sie in den 123 Jahren­ ihres­ Bestehens immer ­intensiver genutzt.

Über die Brücke verlief bis zur Komplettsperrung eine wichtige Verkehrsverbindung über die Lahn in die Innenstadt, beziehungsweise aus der Stadt hinaus. Zuletzt fuhren in Spitzenzeiten mehr als 16.000 Fahrzeuge und rund 250 Busse täglich auf drei Fahrspuren über die Brücke. Seit etwa 20 Jahren hatten sich an der Unterseite der Sandsteingewölbe Durchfeuchtungen und seit 2010 waren auch Schäden zu verzeichnen, die nicht nur auf das Alter, sondern auch auf eine Überbelastung durch den Verkehr zurückzuführen sind.

Kosten von rund fünf Millionen Euro

Rund fünf Millionen Euro investierte die Stadt Marburg in die Instandsetzung der Weidenhäuser Brücke und den Anbau eines Fußgängerstegs an der Nordseite. Die Stadtwerke Marburg nutzten die Gelegenheit, um dort Leitungen zu verlegen und investierten damit ebenfalls in die ­Infrastruktur Marburgs.

Bereits im Dezember 2015 hatte es für die Sanierung der Weidenhäuser Brücke grünes Licht vonseiten des Landes Hessen gegeben. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) war damals mit einem Förderbescheid des Landes in Höhe von 2,97 Millionen Euro aus Wiesbaden nach Marburg gekommen, den der damalige Baudezernent Dr. Franz Kahle (Grüne) und der damals neue Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) gemeinsam in Empfang nahmen.

Ende 2015 war noch die „große Lösung“ für den Gesamtumbau des Rudolphsplatzes im Gespräch: Ziel wäre es gewesen, die gesamte untere Ebene auf Höhe der Unterführung dichtzumachen, sodass alle Wege für die Fußgänger nur noch auf Höhe der über die Brücke führenden Fahrbahnen verlaufen wären. Diese Planung wurde jedoch nicht in die Tat umgesetzt.

Zudem war zwischen dem ursprünglich avisierten Start Anfang 2017 und dem tatsächlichen Sanierungsbeginn ein Jahr verstrichen. Der Grund: Neben den Kindergartengebühren wurde die Weidenhäuser Brücke zu einem der Hauptstreitpunkte der rot-grünen Rathauskoalition. Der Sinn einer schnellen Sanierung wurde zwischenzeitlich vor allem von der SPD bezweifelt. Erst nach dem Auseinanderbrechen von Rot-Grün und dem Start der politischen Kooperation von SPD, CDU und BfM kam dann Bewegung in das Thema Brückensanierung.

Aus verkehrstechnischen Gründen bleiben die drei Fahrspuren für Autos erhalten, und es kommt keine Fahrradspur hinzu. Und es blieb auch bei den Planungen für einen modernen Fußgängersteg an der Nordseite der Brücke.

Die historische Sandsteinbrücke wurde zudem statisch ertüchtigt und verstärkt. Die historischen Brückengesimse aus Naturstein blieben erhalten und wurden optisch in das Gesamtbild eingefügt. Ebenso wurden die schmiedeeisernen Geländer restauriert und mit verstärktem Handlauf wieder eingebaut.

von Manfred Hitzeroth