Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Mehr Platz für mehr Kinder
Marburg Mehr Platz für mehr Kinder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 21.10.2019
Die „Krabbelkäfer“ (von links) Leonardo, Milda (vorne), Ella (hinten), Belinda, Finn und Philipp haben für die OP schon mal symbolisch mit dem Umbau begonnen.   Quelle: Florian Lerchbacher
Wehrda

Das Familienzentrum Gedankenspiel muss umziehen. In den nächsten Osterferien geht‘s quer durch Wehrda ins Diakonissen-Mutterhaus Hebron, um dann – voraussichtlich mindestens zwei Jahre später – in ein saniertes und erweitertes Gebäude zurückzukehren.

„Hier und da ist die Einrichtung eben nicht mehr zeitgemäß“, sagt Architekt Oliver Kutsch, der Leiter des Fachdienstes Hochbau der Stadt, ein Beispiel sei, dass die Küche zu klein ist. Noch dazu habe die Bedarfsplanung gezeigt, dass mehr Betreuungsplätze benötigt werden. Entsprechend will die Stadt nun handeln.

Gedankenspiel bietet künftig 85 Kindern Platz

Am Ende des voraussichtlich rund 2,35 Millionen Euro teuren Umbaus, für den Fördermittel beantragt sind, verfügt das Gedankenspiel über deutlich mehr Räume (Flächen mit einer Größe von insgesamt rund 200 Quadratmetern kommen dazu) und eine zweite Krippengruppe mit zehn Plätzen, sodass dann 85 Kinder die Wehrdaer Kindertagesstätte besuchen können.

Als erstes steht eine Schadstoffsanierung an, im weiteren Verlauf des Jahres 2020 kommt es dann zu den eigentlichen Umbauarbeiten, die laut Kutsch mindestens anderthalb Jahre andauern: „Es ist nicht auszuschließen, dass es länger wird. Wer weiß, ob uns im Zuge der Arbeiten die ein oder andere Überraschung erwartet.“

Als „komplexes Gebäude“ bezeichnet seine Mitarbeiterin Claudia Vogt, die sich seit dem Jahr 2014 mit dem Projekt auseinandersetzt, das verwinkelte, am Hang gebaute Haus. Ein Ziel des Umbaus ist Barrierefreiheit. Erstes Problem dabei ist, dass eine längere Treppe zum Eingang führt. Die Lösung: Ins Untergeschoss, in dem viele Jahre lang eine ehemalige Leiterin der Einrichtung lebte, kommt ein Eingang, der ohne Treppen erklimmen zu müssen erreichbar ist.

Dort unten wird es zwei neue Räume samt Teeküche und Toilette geben für Aktivitäten des Familienzentrums. Dorthin wechselt dann auch die Bücherei mit ihren rund 1 500 Publikationen. Da diese sogar öffentlich nutzbar ist, gibt es den Gedanken, sie unabhängig von der Kindertagesstätte erreichbar zu machen, betont Dr. Mara Meske, die Leiterin des Familienzentrums Gedankenspiel.

Aufzug verbindet 
die drei Stockwerke

Aus dem Untergeschoss führt künftig neben der Treppe ein Aufzug in die anderen beiden Stockwerke. Das Erdgeschoss ist in Zukunft dann Krippen-geprägt, da dort beide Gruppen für die Jüngsten unterkommen. Beide Räume werden rund 35 Quadratmeter groß sein sowie über separate Schlafbereiche und ein gemeinsames Badezimmer verfügen. Im Obergeschoss finden sich dann die weiteren Kindergruppen wieder.

Dort stehen ebenfalls große Veränderungen an, da der Platzgewinn am größten sein wird. Grund dafür ist, dass ein Gebäudeteil aufgestockt wird und dann Raum für eine neue Küche bietet – eine Frischkochküche, wie Angela Stefan, Leiterin des Fachdienstes Kinderbetreuung, einwirft. Bisher werde das Essen geliefert und dann „beigekocht“, im rundum veränderten Haus dann aus frischen Lebensmitteln gekocht.

In diesen Bereich kommt außerdem ein Essens- beziehungsweise Multifunktionsraum, ein Zimmer für das Personal und Lagerflächen. Die bisherige Küche gehört dann der Geschichte an, wodurch der als Spielfläche genutzte Flur größer werden kann. Außerdem sind kleinere strukturelle Veränderungen geplant, zum Beispiel im Untergeschoss der teilweise Einbau größerer Fenster oder im Obergeschoss die Vergrößerung des Leitungszimmers, damit dort auch Besprechungen möglich sind.

Der Umzug des Familienzentrums soll während der Osterferien innerhalb von acht Arbeitstagen vonstatten gehen. Umzug und Umbau im laufenden Betrieb seien eine große Herausforderung, sagt Kutsch. Vor allem, da auch das Erzieher-Team um Meske gefragt ist: Sie müssen im Zuge des Umzugs in den neuen Räumen in der Diakonie alles einrichten und Atmosphäre schaffen.

Neue Kita bekommt evangelischen Träger

Bei den Eltern seien sie trotz der auch für sie zusätzlichen Belastung größtenteils auf Verständnis gestoßen, berichtet Meske und betont, dass es eine Notbetreuung geben werde für Eltern, die sich nicht frei nehmen oder eine andere Betreuungsmöglichkeit finden können: Die Abfrage, wer Bedarf habe, soll Ende des Jahres erfolgen.

Derzeit renoviert die Stadt die Räume im Diakonissen-Mutterhaus und gestaltet sie komplett um. Zunächst gelte es, die Vorgaben in Sachen Brandschutz und von der Unfallkasse umzusetzen, erläutert Kutsch, doch es gebe noch einige weitere Veränderungen.

Die Stadt hat die Räume langfristig angemietet und investiert insgesamt 800.000 Euro. Was zunächst nach viel klingt, relativiert sich dann aber, da die Diakonie zwar eine Zwischenlösung für das Gedankenspiel ist, später aber weiter genutzt wird.

Die Stadt will dort eine zusätzliche Kindertagesstätte einrichten, in der weitere 75 Kinder Platz finden. Der Träger soll – passend zur Diakonie – evangelisch sein. Doch bis es so weit ist werden noch mindestens zweieinhalb Jahre ins Land gehen. Wahrscheinlich eher mehr.     

von Florian Lerchbacher