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Marburg Obermeister: Fleisch und Backwaren werden wohl teurer
Marburg Obermeister: Fleisch und Backwaren werden wohl teurer
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07:59 24.03.2022
Martin Meier, Obermeister der Fleischerinnung Marburg, geht davon aus, dass durch den Krieg in der Ukraine auch die Wurst teurer wird.
Martin Meier, Obermeister der Fleischerinnung Marburg, geht davon aus, dass durch den Krieg in der Ukraine auch die Wurst teurer wird. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Dirk Holzapfel hatte Sonnenblumenöl für seine Bäckerei bestellt. Das war vor einer Woche. Auf diese Lieferung wartet er noch immer. „Ich hatte beim Großhändler bestellt, der konnte aber nicht liefern“, erklärt der Obermeister der Marburger Bäckerinnung aus Niederweimar. Als Ersatz bekam er Rapsöl, aber auch das erst später.

Leere Regale bei Öl und Mehl und steigende Preise bei Diesel und Gas – die mittelbaren Auswirkungen des Krieges in der Ukraine werden immer deutlicher vor Augen geführt, auch im Bäcker- und Fleischerhandwerk setzt zunehmend die Sorge ein, dass sie zwangsläufig die Preise den gestiegenen Ausgaben anpassen müssen – und nicht nur das.

Das Weizen wird teurer

Die ersten Auswirkungen machten sich bei Holzapfel zwei Wochen nach Kriegsausbruch bemerkbar. „Die Weizenpreise schnellten in die Höhe“, erinnert er sich – der Trend hält seither an. „Derzeit liegt der Preis für Backweizen bei 388 Euro je Tonne. Das ist schon extrem“, meint Holzapfel. Zum Vergleich: Im März vergangenen Jahres lag der Preis je Tonne noch bei 210 Euro, und im Februar dieses Jahres waren es 260 Euro. Doch nicht nur Backweizen benötigt der Obermeister für seine Teigwaren, auch Sonnenblumenöl, Kürbiskerne und nicht zuletzt Mehl, wobei vor allem das letztere ebenso immer kostspieliger wurde. „Der Mehlpreis lag im Januar bei 410 Euro je Tonne, stieg dann im März um 40 Euro und lag zum 15. März schließlich bei 640 Euro“, erzählt Holzapfel, der das gemahlene Getreide von der Mühle Nispel in Gladenbach bezieht.

Özdemir: „Bitte keine Hamsterkäufe!“

Bundesernährungsminister Cem Özdemir (Grüne) hat an die Bürger appelliert, wegen des Ukraine-Kriegs und steigender Preise nicht in Panik zu verfallen und womöglich unnötig Vorräte anzulegen. „Bitte keine Hamsterkäufe, dafür besteht kein Anlass. Wir haben die Versorgung sichergestellt“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstagabend in der Sendung „RTL Direkt“. Er habe gerade mit Vertretern des Handels gesprochen. „Und auch die haben sehr klar gesagt, wir haben die Lage im Griff, die Versorgung ist sichergestellt.“

Zuvor hatte auch schon der Vizepräsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Björn Fromm, sich im ZDF ähnlich geäußert. Trotz des russischen Ausfuhrstopps für Getreide werde es mittelfristig kein Problem mit der Getreideversorgung in Deutschland geben.

Beim Ringen um eine Entlastung angesichts der hohen Preise setzt Özdemir den Akzent anders als Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), der einen Tankrabatt für alle Autofahrer möchte. Özdemir wünscht sich bei Lebensmitteln eine Hilfe für Bedürftige: „Wichtig ist, dass wir es nicht mit dem Füllhorn machen, sondern dass bei denjenigen, die besonders bedürftig sind, die Hilfe ankommt.“

Neben steigenden Rohstoffpreisen sind es vor allem die Kosten von Heizöl und Gas, die Dirk Holzapfel Sorgen bereiten. „Der Preis von Heizöl hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt“, sagt er.

Daneben stelle die in der Ukraine vielfach zerstörte Infrastruktur ein Problem in Bezug auf die Lieferketten dar, nachdem bestimmte Produkte nicht mehr ankommen. „Genauso wie im Supermarkt die Regale leer sind, geht es zum Teil auch uns“, erzählt er.

„Preisanstieg von fünf bis zehn Prozent“

Holzapfel rechnet aufgrund dieser Vielzahl an Faktoren bei den Backwaren mit einem Preisanstieg von fünf bis zehn Prozent. „Insgesamt muss man sagen, dass der Preis auch an den Backwaren nicht vorbeigeht“, sagt er. So hätte er nicht nur zum Teil seine Preise bereits anpassen müssen, sondern auch die Menge des Sortiments. „Es soll nichts verschwendet oder weggeworfen werden“, sagt er. Daher produziere er derzeit nur noch das, was er unter dem Strich auch verkaufe. „Wir hoffen natürlich auf eine baldige Lösung in der Ukraine, aber man weiß es nicht“, sagt der Obermeister und bittet die Kunden um Verständnis, sobald einmal etwas nicht mehr vorrätig sei.

Mit einer zukünftigen Anhebung der Preise rechnet auch Martin Meier, Obermeister der Fleischerinnung Marburg – auch, wenn er bislang noch darauf verzichten konnte. „Das werden wir in absehbarer Zeit machen müssen“, sagt er.

Dem Fleischerhandwerk machen vor allem ebenfalls die hohen Energiekosten zu schaffen. „Wir brauchen die Energie zum einen, um die Ware zu garen und zum anderen, um die Ware zu kühlen“, erklärt er. Und nachdem sich die Preise der Lebensmittel nach oben entwickelt hätten, würden auch die Fleischpreise steigen. „Das ist wie ein Kreislauf. Nachdem Getreide – also das Futtermittel für die Tiere – teurer wird, steigen auch die Tierpreise“, erklärt er.

Von Felix Hamann

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