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Marburg Was das Klimapaket für Ölheizungen bedeutet
Marburg Was das Klimapaket für Ölheizungen bedeutet
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15:55 20.01.2020
Tschüss Heizöl: Das Aus von Ölheizungen ist beschlossen – diese dürfen ab 2026 nicht mehr eingebaut werden.  Quelle: Patrick Pleul
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Marburg

Etwa 5,5 Millionen Ölheizungen versorgen rund 20 Millionen Menschen in Deutschland mit Wärme. Die meisten dieser Anlagen sind nun von den Neuregelungen durch das Klimapaket des Bundes betroffen.

Was Betreiber wissen müssen

Muss ich meine Ölheizung austauschen?

Nein, ein Verbot von Ölheizungen gibt es durch die Neuregelung nicht. Aber es ist vorgesehen, dass der Austausch einer Ölheizung in der Zukunft an Bedingungen geknüpft ist. Von 2026 an sollen Hausbesitzer in der Regel nur noch Anlagen mit Ölbetrieb installieren können, wenn sie eine Hybridlösung nutzen, also die Kombination einer Ölheizung mit einer Anlage für erneuerbare Energien. Geregelt werden soll dies im neuen Gebäudeenergiegesetz, über das dieses Jahr entschieden wird. Experten zufolge gilt es als unstrittig, dass das Gesetz kommt.

Was ist eine Hybridheizung?

Sie nutzt mehrere Energiequellen, in der Regel Öl oder Gas zusammen mit erneuerbaren Energien wie Solar- oder thermische Energie aus der Luft oder dem Boden. Bei Hybridlösungen werden die erneuerbaren Energien für die Heizung und zur Bereitung von Warmwasser zuerst genutzt. Erst in Zeiten mit sehr hohem Wärmebedarf im Winter wird Öl oder Gas zugeschaltet. Deren Verbrauch sinkt damit deutlich.

Gibt es Ausnahmen von den Regelungen?

Ja, in Härtefällen. Wie genau das in der Praxis geregelt sein wird, ist Experten zufolge aber noch nicht ganz klar. „Es steht in dem Gesetz, bei unbilliger Härte gilt das alles nicht‘ – also in Fällen, wo man eine extreme Unwirtschaftlichkeit nachweisen kann“, sagt Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dies werde wohl auf Haushalte zutreffen, deren Gebäude sich nicht wirtschaftlich auf andere Heizstoffe umrüsten lassen. Loch verweist hier zum Beispiel auf Fachwerkhäuser und unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Für die meisten Hausbesitzer hingegen – zwei Drittel bis drei Viertel der Fälle – erwartet er keine großen Probleme.

Ich will meine Ölheizung austauschen. Was kann ich wählen?

Die einfachste Lösung ist zwar eine Umstellung auf Gas oder Fernwärme. Letztere gibt es aber nicht an allen Orten, auch Gas ist vielerorts nicht verfügbar. „Unserer Schätzung zufolge können 3,1 bis 3,2 Millionen Ölheizungen nicht ans Gas angeschlossen werden“, sagt Andreas Lücke vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Oder der Anschluss kann teuer werden: „Wenn das Gasnetz zum Beispiel 15 bis 20 Meter weit vom Haus weg liegt, kostet der Gasanschluss zwischen 5.000 und 8.000 Euro.“ Solartechnik bietet sich nicht auf Dächern an, die nach Norden gerichtet sind, eine Wärmepumpe ist eine gute Möglichkeit – aber auch nicht in jedem Bestandsbau einsetzbar. „Denn sie erfordert bestimmte technische Rahmenbedingungen sowohl im Haus – der Wärmestandard sollte nicht zu schlecht sein, die Heizkörper sollten angepasst sein –, als auch außerhalb des Hauses“, erklärt Verbraucherschützer Reinhard Loch.

Die heimische Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK)-Innung steht dem Thema zwiegespalten gegenüber. „Grundsätzlich begrüßen wir die Maßnahmen des neuen Klimaschutzprogrammes, sie sind längst überfällig“, sagt Obermeister Nils Löser. Denn es gebe einen „enormen Sanierungsstau in unseren hessischen Heizungskellern“.

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Nicht einverstanden sei man indes mit dem Verbot von Ölheizungen. „Verbote führen beim Verbraucher in der Regel zu einer erheblichen Verunsicherung oder besser gesagt zu einer Schockstarre. Das spüren unsere Innungsbetriebe schon jetzt. Deswegen muss der Gesetzgeber hier schnellstmöglich Klarheit schaffen.“

Was empfiehlt er Kunden, die ihre Heizung modernisieren wollen? „Gott sei Dank haben wir diese Technologievielfalt. Das ermöglicht für alle individuellen Anforderungen und Möglichkeiten die richtige Lösung“, sagt Löser. Allerdings sei die richtige Wahl ohne eine professionelle Beratung für den Laien extrem schwierig. „Da helfen auch keine schlauen Ratschläge aus dem Internet. Eine professionelle Beratung sollte daher durch einen Fachbetrieb der Marburger SHK-Innung erfolgen“, so der Obermeister. Nur dann könne der Kunde auch die jeweiligen Vor- und Nachteile wirklich gegeneinander abwägen und abschätzen, was am Ende, trotz einer Förderung, auch finanziell machbar sei.

So wird der Heizungstausch belohnt

Für Hauseigentümer gibt es neue Fördermöglichkeiten für den Einbau einer energieeffizienten und klimafreundlichen Heizung. Darauf weist das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau hin. Besonders hoch ist der Satz, wenn dabei eine alte Ölheizung ausgetauscht wird.

Hausbesitzer können vor Vertragsschluss beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) Investitionszuschüsse für energieeffiziente und klimafreundliche Heizungen beantragen. Dies gilt sowohl für Bestands- als auch Neubauten. Anders als bislang gelten nun einheitliche prozentuale Fördersätze. Bei Heizungen, die vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden, werden nach Bafa-Angaben 35 Prozent der förderfähigen Kosten ersetzt, bei Gas-Hybridheizungen mit einem Erneuerbaren-Anteil von mindestens 25 Prozent sind es 30 Prozent. Und 20 Prozent Zuschuss gibt es für Gas-Brennwert-Heizungen, die auf die spätere Einbindung erneuerbarer Energien vorbereitet sind.

Wer mit der Maßnahme eine alte Ölheizung ersetzt, bekommt mehr Geld: Beim Einbau bestimmter förderfähigen Anlagen erhöht sich der Fördersatz um zehn Prozentpunkte. Wird beispielsweise eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe oder eine Biomasseanlage ersetzt, liegt der Fördersatz bei 45 Prozent. Bevor Hauseigentümer den Austausch beauftragen, sollten sie sichergehen, dass die neue Anlage die technischen Mindestanforderungen erfüllt, rät Martina Zbick von der Verbraucherzentrale NRW. Dabei können ihr zufolge Installateure helfen. Das Bafa stellt außerdem auf seiner Homepage Listen der förderfähigen Anlagen zur Verfügung. Auch die Förderprogramme der KfW-Bank verändern sich. So entfallen die Zuschüsse für den Heizungsaustausch als Einzelmaßnahme, für den künftig in der Regel das ­Bafa zuständig ist.

Auch fördert die KfW Kredite und Zuschüsse im Bereich energieeffizient Bauen und Sanieren dagegen in gleicher Höhe. Für KfW-Effizienzhäuser gibt es künftig je nach Standard und förderfähigen Kosten Zuschüsse von 30.000 bis 48.000 Euro, bei Einzelmaßnahmen sind es maximal 10.000 Euro.

Teilweise können Förderungen auch mit Landesprogrammen oder Förderprogrammen der Kommunen oder Energieversorger kombiniert werden. Informationen finden sich etwa im Fördermittelcheck der Beratungsgesellschaft CO2online mit einer Postleitzahlensuche.
Eine andere Möglichkeit ist, die energetische Sanierung bei der Steuer geltend zu machen. Darunter fällt auch der Heizungsaustausch. Verteilt auf drei Jahre können Hauseigentümer 20 Prozent der Kosten dafür von der Steuer absetzen: in den ersten beiden Jahren jeweils 7 Prozent, im dritten Jahr 6 Prozent. Maximal dürfen 40 000 Euro abgezogen werden, förderfähig sind Aufwendungen für Sanierungsmaßnahmen von bis zu 200.000 Euro. Die Regelung gilt vorerst bis 2029, wie Zukunft Altbau erklärt. (dpa)

von Simone Andrea Mayer und Andreas Schmidt