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Marburg Weg erhält Namen nach ehemaligem Marburger Medizinstudenten aus Afrika
Marburg Weg erhält Namen nach ehemaligem Marburger Medizinstudenten aus Afrika
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20:58 28.03.2021
Dr. Samuel Kobba (von links), Dr. Josef Kobba und Momoh Kobba sind die drei Söhne des Arztes Mansaley Kobba, nach dem jetzt der Verbindungsweg von der Alten Kasseler Straße zur Waggonhalle benannt wurde.
Dr. Samuel Kobba (von links), Dr. Josef Kobba und Momoh Kobba sind die drei Söhne des Arztes Mansaley Kobba, nach dem jetzt der Verbindungsweg von der Alten Kasseler Straße zur Waggonhalle benannt wurde. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Mansaley Kobba (1932 -2015) war Ende der 50er Jahre einer der ersten afrikanischen Studenten in Marburg. Nach seinem 1963 erfolgreich abgeschlossenen Medizinstudium und weiteren Zusatzausbildungen in Tropenmedizin in Hamburg und zum Thema öffentliches Gesundheitswesen in Berlin kehrte er wieder in seine Heimatstadt Mobai im westafrikanischen Staat Sierra Leone zurück.

Dort gründete er eine Klinik, in der Grundlagen für die medizinische Versorgung gelegt wurden. Dazu zählten eine prophylaktische Medizin, die Gründung von mobilen medizinischen Einheiten für die Untersuchung und Impfung von Kindern sowie die Beratung von Müttern in Fragen von Ernährung und Hygiene.

Verbindung hielt ein Leben lang

Kobbas Verbindungen nach Marburg hielten ein Leben lang, bis zu seinem Tod im Jahr 2015. „Mit seinem Charme und seiner Kontaktfreudigkeit konnte er schnell ein Netzwerk aus Verbindungen innerhalb und außerhalb der Universität knüpfen, welches viele Jahrzehnte halten sollte“, erläuterte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Enthüllung des neuen Weg-Schildes.

Gestern wurde aufgrund eines Beschlusses des Marburger Stadtparlaments der bisher unbenannte Verbindungsweg zwischen der Alten Kasseler Straße und dem Waggonhallen-Areal nach Dr. Mansaley Kobba benannt. Der engagierte Arzt, Klinikleiter und Pionier der ländlichen Gesundheitsvorsorge in dem westafrikanischen Staat stand zeitlebens in Kontakt mit dem Marburger Verein Terra Tech.

Unterstützung von Förderern im Umfeld des Vereins

So erhielt er beim Aufbau der Klinik auch finanzielle Unterstützung durch Förderer im Umfeld des Vereins aus Marburg. Um aber nicht nur auf Spenden angewiesen zu sein, gründete er zur finanziellen Absicherung der Kliniksarbeit aber auch landwirtschaftliche Projekte wie Palmöl-Plantagen.

Dr. Gangolf Seitz, Vorstandsvorsitzender von Terra Tech, lernte Mansaley Kobba im Jahr 1973 kennen. Als damaliger Marburger Student kam Seitz im Rahmen einer Vereinbarung zu einem Praktikum nach Sierra Leone in der 1968 von Kobba gegründeten Klinik. So entstand auch eine lebenslange Freundschaft. So fand der afrikanische Arzt auch nach dem Beginn des Bürgerkriegs in Sierra Leone 1991 zwischenzeitlich immer wieder eine Zuflucht auch in Marburg, bevor er am Ende des Bürgerkriegs doch wieder in den westafrikanischen Staat zurückkehrte.

Drei Söhne leben in Deutschland

Seitz erzählte im Gespräch mit der OP, wieso Mansaley Kobba überhaupt zum Studium nach Marburg kam. Der Westafrikaner habe aufgrund der schwierigen Verhältnisse in seinem Heimatland zunächst das Abitur in England gemacht und sich dann für ein Medizinstudium in Deutschland entschieden. Die Marburger Universität habe damals im Gegensatz zu allen anderen Hochschulen, bei denen er sich beworben hatte, eine Antwort auf Englisch zurückgeschickt.

Die drei Söhne des jetzt postum mit der Wegbenennung geehrten Arztes waren wegen der Ehrung zusammen mit Familienangehörigen extra nach Marburg gekommen. Alle drei Söhne leben jetzt in Deutschland. Sie waren kurz vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Sierra Leone Anfang der 90er Jahre nach Deutschland gekommen.

„Große Ehre“ für Söhne

„Das ist eine große Ehre für uns. Ich bin zutiefst gerührt“, sagte der älteste Sohn, Dr. Joseph Kobba. Sein Vater sei sehr früh nach Marburg gekommen und habe viel in Marburg bewegt. Aber es sei nicht selbstverständlich, dass ehemalige Studenten mit so einer hohen Auszeichnung bedacht würden.

Joseph Kobba setzte die Familientradition direkt fort: Dem Vorbild seines Vaters folgend hatte er übrigens auch Medizin in Marburg studiert. Und heute ist er als Gefäßchirurg tätig. Auch die beiden Brüder studierten Medizin. Dr. Samuel Kobba ist Radiologe und Momoh Kobba ist Kneipier in Bochum.

Fünf Straßenumbenennungen

Das Marburger Stadtparlament hatte in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl gleich fünf Straßenbenennungen beschlossen.

Alleine mit drei Benennungen würdigt die Stadt somit künftig außereuropäische Persönlichkeiten, die einen Bezug zu Marburg aufwiesen. „Wir wollen damit auch ein Zeichen gegen den latenten Rassismus setzen“, machte OB Spies deutlich. Jedem Menschen in Marburg solle es klar werden, dass Herkunft und Hautfarbe für die Beurteilung von Menschen keine Rolle spielen sollten. Ausdrücklich solle in Mansaley Kobba auch „ein außergewöhnlicher Mensch“ geehrt werden, „der uns allen gezeigt hat, wie Humanität gelebt werden kann“, betonte Spies.

Und dies sind die weiteren Straßenbenennungen, die die Stadtverordnetenversammlung beschlossen hat:

- der Tawara-Aschoff-Knoten (Kreisverkehr Baldingerstraße) wird nach dem japanischen Pathologen Sunao Tawara (1873-1952) benannt. Er entdeckte als Schüler von Ludwig Aschoff, dem Leiter des Pathologischen Instituts an der Uni Marburg, den sogenannte Aschoff-Tawara-Knoten, der eine zentrale Funktion im Reizleitungssystem des menschlichen Körpers hat.

- der Tada-Urata-Platz (Gelände der Philipps-Universität auf den Lahnbergen, Platz zwischen der Zentralen Medizinischen Bibliothek und der Mensa) soll nach der japanischen Augenärztin Dr. Tada Urata (1873-1936) benannt werden. Sie war die erste Medizinerin, die in Marburg einen Doktortitel erhielt.

- Der Werner-Karry-Weg, ein Teilstück des Konrad-Baier-Wegs, wird nach dem 2009 verstorbenen Werner Karry benannt. Dieser war lange Jahre Vorsitzender der Hansenhausgemeinde.

- Hildegard-Hamm-Brücher-Platz und -Steg (Südbahnhof), vorher Karl-Theodor-Bleek-Platz und -Steg, nach dem Marburger Oberbürgermeister 1946-1951 mit NS-Belastung, nun umbenannt nach der deutschen Politikerin Hildegard Hamm-Brücher (die OP berichtete).

Von Manfred Hitzeroth