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Marburg „Watt en Chaos“ in der Haspelstraße
Marburg „Watt en Chaos“ in der Haspelstraße
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18:55 07.06.2020
Das Team der Galerie Haspelstraße eins zeigt „Watt en Chaos“. Das Foto zeigt Elisabeth Sabo (von links), Dieter Schneider, Carla Fassold-Luttropp, Harry Hecker, Brigitte Schneider und Gisela Hisschen-Wiesner mit Masken und Corona-Abstand.
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Marburg

Seit November 2017 gibt es die Galeriegemeinschaft „Haspelstraße eins“. 26 Ausstellungen haben die acht Künstlerinnen und Künstler bislang organisiert. Die neue heißt „Watt en Chaos“ und ist seit dem 5. Juni bis zum 3. Juli geöffnet. Auf eine klassische Vernissage verzichtet das Team: Die kleine Galerie würde – das zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit – schlicht zu voll in Corona-Zeiten. Es gab Ausstellungseröffnungen in der „Haspelstraße eins“, bei denen die kleinen Räume völlig überfüllt waren, viele Besucher auf die Straße ausweichen mussten. Das wollen die acht Künstlerinnen und Künstler, die die Galerie gemeinsam betreiben, unbedingt vermeiden.

Anita Badenhausen, Carla Fassold-Luttropp, Gisela Hoischen-Wiesner, Waltraud Mechnser-Spangenberg, Elisabeth Sabo und Dieter Schneider gehören zu den Gründungsmitgliedern. Dazu gestoßen sind Harry Hecker und Dieter Schmidt für Karlheinz Schumacher und Dr. Anne Hoerder. Das Konzept der Künstlerinnen und Künstler geht auf: Sie teilen sich die Kosten für die Miete des ehemaligen Musikgeschäfts und die Arbeit bei den Öffnungszeiten der etwa 80 Quadratmeter großen Galerie mit ihren drei kleinen Räumen, einer Küche und dem Wintergarten. 26 Ausstellungen haben sie bisher gestemmt, eigene Arbeiten gezeigt, aber immer wieder auch Gäste eingeladen. Es ist ein Erfolgsrezept.

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Carla Fassold-Luttropp: Man hat unendlich Zeit

Nun also die erste Ausstellung, die unter Corona-Bedingungen organisiert wurde. Malerei, Zeichnungen und Skulpturen der acht Künstlerinnen und Künstler sind zu sehen. „Der Titel ,Watt en Chaos’ stand aber schon vor Corona fest“, erklärt Dieter Schneider. Er spielt wohl eher auf die Stilvielfalt an, die diese Ausstellung prägt, denn jede und jeder hat eine eigene Handschrift. Kleinformatige, eher stille Zeichnungen korrespondieren mit farbintensiven Aquarellgemälden, große Skulpturen mit Fotos. Es ist keine Corona-Schau. Nur ein Exponat nimmt direkt Bezug auf die Pandemie, die nicht nur den Kulturbetrieb seit Wochen lahmlegt. Dieter Schmidt hat ein sehr spezielles „Gemüse“-Beet in der Mitte des Hauptraums platziert. Es ist mit Klopapier bepflanzt, zu Beginn der Corona-Krise ein begehrtes Hamstergut.

Bildende Künstler haben es etwas leichter in Corona-Zeiten. Anders als Musiker oder Schauspieler arbeiten sie meistens sowieso allein im Atelier. Und auch Ausstellungen sind einfacher zu organisieren als etwa Konzerte – sowohl was die Vorbereitungen, den Aufbau als auch später die Zugangsbeschränkungen betrifft. Zwei Personen dürfen die kleine Galerie in der Haspelstraße gleichzeitig betreten. Das ist durch die Aufsicht gut zu regeln. „Das ist klein Problem“, sagt Carla Fassold-Luttropp. Wie ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter arbeitet sie kontinuierlich weiter. „Man hat unendlich Zeit“, sagt sie. „Viele Aktivitäten fallen ja weg. Theater, Konzerte, Reisen, man geht seltener ins Restaurant.“

Dass der Andrang in der Galerie überborden könnte, ist nach Ansicht von Dieter Schneider derzeit auch nicht zu befürchten: „Die Leute sind doch sehr zurückhaltend. Man merkt es im Kunstmuseum und im Kunstverein. Eigentlich überall – das öffentliche Leben ist zurückgefahren.“

Die Ausstellung „Watt en Chaos“ ist bis zum 3. Juli in der Galerie Haspelstraße eins zu sehen; geöffnet Dienstag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 13 bis 15 Uhr.

von Uwe Badouin

07.06.2020
06.06.2020
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