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Marburg Wasserstoff aus Biogas-Anlagen
Marburg Wasserstoff aus Biogas-Anlagen
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08:00 18.10.2021
Grüne Energie, zum Beispiel aus Windkraft, soll als Treibstoff Fahrzeuge antreiben. Ob und wie das in der Region bewerkstelligt werden kann, soll das Projekt „Wasserstoffregion“ darlegen.
Grüne Energie, zum Beispiel aus Windkraft, soll als Treibstoff Fahrzeuge antreiben. Ob und wie das in der Region bewerkstelligt werden kann, soll das Projekt „Wasserstoffregion“ darlegen. Quelle: dpa
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Marburg

Nach einem Jahr wurden nun die Ergebnisse präsentiert. Im Landkreis sind die Umstände mit bereits vielen vorhandenen Biogasanlagen günstig – denn damit lässt sich auch Wasserstoff herstellen.

Als eine von neun Regionen bundesweit und die einzige in Hessen hat Marburg-Biedenkopf an einem Modellprojekt des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zum Thema Wasserstoff teilgenommen. Den Abschlussbericht des Projekts „HyStarter“ haben die Beteiligten nun vor 70 Gästen vorgestellt.

„Die kommunale Ebene ist die, auf der Klimaneutralität letztendlich angepackt werden muss“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Veranstaltung im Cineplex. Dafür habe man nun weitere Ideen zusammengetragen. „Es müssen Wege zur Klimaneutralität vorhanden sein und sie müssen für alle gangbar sein“, so Spies.

60 Akteure

Insgesamt 60 Akteure aus Wissenschaft und Verwaltung sowie Unternehmen haben bei „HyStarter“ mitgemacht – darunter etwa Viessmann, der RMV, das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), die Philipps-Universität und die Technische Hochschule Mittelhessen (THM). Das Bundesverkehrsministerium habe das Projekt unterstützt, indem es den Akteuren unterschiedliche Firmen zur Seite gestellt hat. Wie Heike Wagner vom Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz des Landkreises ausführte, haben diese Firmen etwa bei der Konzeption und dem Projektmanagement mitgearbeitet.

Dr. Bernhard Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg, sagte, allein mit reinem Strom könne Klimaneutralität nicht erreicht werden – aufgrund von benötigter Strommenge und begrenzter Speichermöglichkeiten. Ein weiterer Baustein könne da Wasserstoff sein. „Gerade im Flugverkehr kann Wasserstoff eine große Rolle für die Klimaneutralität spielen“, ergänzte der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol. Tilman Wilhelm von der NOW GmbH, die das Projekt begleitet hat, sagte: „Man muss mit Wasserstoff Geld verdienen können, er muss mit anderen Kraftstoffen mithalten können.“ Man müsse das Angebot fördern und dann dem Markt überlassen, was er daraus mache.

Acht Anlagen

Mit allein acht Biogasanlagen sei der Landkreis in der Biogasherstellung gut aufgestellt, erläuterte Martin Hellwig von der Spilett new technologies GmbH. Mit diesen Anlagen könne auch Wasserstoff produziert werden. Sie seien dazu geeignet, pro Jahr 3 200 Tonnen des flüchtigen Gases herzustellen. Dieses könnte zu einem deutlich geringeren Preis als an anderen Tankstellen üblich angeboten werden (5,33 Euro je Kilogramm statt 7,98 Euro).

Auch mit anderen Anlagen zur Herstellung erneuerbarer Energien – Windkraft, Photovoltaik und Biomasse – lässt sich Wasserstoff produzieren. Das bietet den Betreibern der Anlagen laut Abschlussbericht eine Perspektive, wenn die staatliche Förderung durch das EEG-Gesetz aus dem Jahr 2000 nach 20 Jahren ausläuft. Im Landkreis haben diese Anlagen das Potenzial für zusätzliche 1 755 Tonnen Wasserstoff pro Jahr.

Hellwig fasste zusammen: „Es kann also eine Wirtschaftlichkeit dargestellt werden, es gibt den politischen Willen und es ist technisch machbar.“ Die Idee sei, den Wasserstoffpreis und Mengen über Verträge festzulegen. „Preissicherheit und Mengensicherheit sorgen für Investitionssicherheit.“ Dieses Modell könne in der Region ausprobiert werden.

Stefan Franke vom Fachdienst Klimaschutz und erneuerbare Energien des Landkreises sagte, zum Start einer „Wasserstoffbewegung“ habe man sich bereits mit den Landkreisen Gießen und Lahn-Dill zusammengetan.