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Marburg Wassergymnastik endet nach 40 Jahren
Marburg Wassergymnastik endet nach 40 Jahren
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10:15 17.03.2018
Am Donnerstagnachmittag versammelten sich einige der Betroffenen zu einem Foto-Termin, um ihren Unmut kund zu tun. Quelle: Nadine Weigel
Wehrda

„Warum wollen sie uns nicht mehr haben?“ fragt Anne-Bärbel Plaas, und im ersten Moment lenkt die Traurigkeit in ihrer Stimme kurzzeitig von ihrer Wut ab.

Die Seniorin aus Wehrda ist aufgebracht, während sie das Schreiben vorliest, das sie vor einigen Tagen vom Kreisverband Marburg-Gießen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) erhalten hat. Darin steht, dass der Kursbetrieb für Wassergymnastik im Schwimmbad „Weißer Stein“ zum 31. März eingestellt werden muss.

Dieses Schreiben haben neben ihr auch die anderen Teilnehmer der DRK-Wassergymnastik-Kurse in Wehrda erhalten. Rund 150 Frauen und Männer seien mit ihr von dieser Entscheidung betroffen, sagt Plaas, und: „Wir sind alle entsetzt.“

Diese Entscheidung sei überraschend gewesen. In dem Schreiben werden Gründe für diesen Entschluss aufgeführt, für Plaas sind diese aber nicht nachvollziehbar.

Auf OP-Nachfrage begründen­ Christian Betz, Vorstand des Kreisverbandes, und Antonia Arnhardt, Sachgebietsleitung der Sozialen Dienste, das Ende der Wassergymnastik-Kurse in Wehrda schriftlich. Zum einen nennen sie rückläufige Teilnehmerzahlen, welche nicht nur die Wassergymnastik-Kurse in Wehrda betreffen würden.

„Wir stehen hier im Vergleich mit ­anderen Anbietern, deren Kurse meist über die Krankenkassen abrechenbar sind. Bei unseren Kursangeboten ist das nicht möglich. Viele Interessierte haben sich daher für andere Anbieter entschieden“, heißt es in dem Schreiben. Zu dieser Begründung sagt Plaas: „Wir hätten doch Kurse zusammenlegen können, damit wären wir auch zufrieden gewesen.“ Als weiteren Grund für die Entscheidung nennen Betz und Arnhardt die Räumlichkeiten des Schwimmbads, die „aufgrund des Alters von einigen nicht mehr als attraktiv empfunden wurden“.

"Die Wassertemperatur ist genau richtig"

Plaas hebt dagegen die Vorzüge des Schwimmbads „Weißer Stein“ hervor, die auch andere neben ihr so unterstreichen würden: „Die Wassertemperatur im Schwimmbad ist genau richtig für die Wassergymnastik – zwischen 31 und 32 Grad. Wir haben auch schon mal andere Schwimmbäder ausprobiert, aber die waren entweder zu kalt oder haben zu wenig Platz geboten.“

Ein zusätzlicher Grund für die Entscheidung des DRK-Kreisverbandes sei die sinkende Zahl an Übungsleitungen für die Kurse. Die Personalsituation sei aktuell in diesem Bereich so angespannt, dass Krankheiten und anders bedingte Ausfälle nicht kompensiert werden könnten,­ sodass es schon mehrfach zu Ausfällen der Kurse gekommen sei.

„Die einzige Möglichkeit, um diesen Bereich generell weiterhin anbieten zu können, sehen wir in der Reduktion der Standorte und der Kursanzahl, was auch zur Entlastung der Übungsleitungen beiträgt“, heißt es. Als Alternative werden den Betroffenen Kurse in Heskem oder Kirchhain genannt. Nach Angaben des DRK-Kreisverbandes stünden dort aktuell jeweils noch 20 Plätze zur Verfügung. Für Plaas ist das keine Option. „Das ist viel zu weit weg, gerade für die Älteren“, sagt sie.

Auch der Verein Kinderzentrum „Weißer Stein“ bedauert die Entscheidung des DRK, sagt Vorstandssprecherin Christine Scholz auf OP-Anfrage. Sie hätten jedoch keinen Einfluss darauf und seien von der Kündigung ebenso überrascht gewesen wie die Kurs-Teilnehmer. „Wir hätten den DRK gerne als Nutzer weiterhin behalten“, sagt Scholz. Alle anderen Kurse – das Schwimmbad wird unter anderem von Schulen, Institutionen und Vereinen gemietet – finden weiterhin statt.

Die Wassergymnastik-Kurse des DRK-Kreisverbandes Marburg-Gießen gab es 40 Jahre­ lang im Schwimmbad „Weißer Stein“. Betz und Arnhardt schreiben, dass sie daher verstehen, dass die Teilnehmer mit der Einstellung der Kurse nicht einverstanden sind. „Wir haben lange nach einer alternativen Lösung gesucht, mussten aber schlussendlich diesen bedauerlichen Entschluss treffen.“

von Simone Schwalm