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Marburg Die Suche nach der Quelle
Marburg Die Suche nach der Quelle
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19:31 19.05.2021
Die Pläne für eine regionale Wasserversorgung stellten vor: Die Bürgermeister Andreas Schulz (Ebsdorfergrund, von links), Olaf Hausmann (Kirchhain), Michael Plettenberg (Amöneburg), Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (Marburg) und Dr. Bernhard Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg.
Die Pläne für eine regionale Wasserversorgung stellten vor: Die Bürgermeister Andreas Schulz (Ebsdorfergrund, von links), Olaf Hausmann (Kirchhain), Michael Plettenberg (Amöneburg), Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (Marburg) und Dr. Bernhard Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Schröck

Wasser aus dem und für das Amöneburger Becken – das ist das langfristige Ziel eines interkommunalen Pilotprojekts, für das sich die Städte Marburg, Kirchhain und Amöneburg mit der Gemeinde Ebsdorfergrund zusammengeschlossen haben, um die regionale Wassergewinnung voranzutreiben.

Die vier Nachbarn wollen neue und eigene Trinkwasserquellen erschließen, planen dazu Erkundungsbohrungen bei Schröck und Heskem. In beiden Bereichen, Teil einer großen Feuchtsenke, die auf dem Gebiet aller vier Kommunen verläuft, werden größere Grundwasservorkommen vermutet. Sollten die Voruntersuchungen ein positives Ergebnis hervorbringen, wäre das die Grundlage für eine spätere interkommunale Zusammenarbeit bei der Erschließung des Wasservorkommens.

Das Ziel: Langfristig eine nachhaltige und dezentrale Versorgung der Kommunen mit Trinkwasser sicherstellen und unabhängiger von der überregionalen Wasserversorgung werden. Das Projekt steht noch am Anfang, sei auch keine Sache von wenigen Jahren, eher Vorausplanung für die nächsten Jahrzehnte.

„Wir treffen heute eine Entscheidung für übermorgen und die lange Zukunft“, sagte Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann bei der Vorstellung des Projekts.

Für das haben alle vier Rathauschefs gestern eine Absichtserklärung unterzeichnet, die das Vorhaben festhält. Diese beinhaltet allerdings keine rechtliche Verbindlichkeit, darüber müssen die Parlamente entscheiden. Die Marburger Stadtverordnetenversammlung hat sich bereits für die Zusammenarbeit ausgesprochen, die drei Nachbarn sollen darüber im Juli beraten.

Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies lobte das Vorhaben als nachhaltigen ersten Schritt für die Zukunft der Trinkwasserversorgung der Stadt. Vor dem Hintergrund des Klimawandels solle dabei zugleich sichergestellt werden, „dass wir nur so viel Wasser entnehmen, wie sich natürlich wieder nachbildet – wir wollen keine Quelle überfordern“.

Bohrungen starten in den nächsten Wochen

Als erster maßgeblicher Schritt für die Quellen-Suche sind Erkundungsbohrungen bei Schröck geplant, um zu prüfen, ob es dort überhaupt ausreichend und qualitativ wertvolles Wasser gibt und wie viel davon im Sinne der Grundwasserneubildung abgezapft werden könnte.

Die ersten Bohrungen sollen nördlich von Schröck im Bereich „Heiliger Born“ in der Nähe des Sportplatzes auf einem Acker, der zu diesem Zweck bereits erworben wurde, durchgeführt werden. In den nächsten Wochen könne es losgehen, „wir werden bis zu 200 Meter tief bohren und dann einen Pumpversuch starten“, erläuterte Dr. Bernhard Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg, die die Bohrungen umsetzen werden. Für diese liegt bereits eine Genehmigung des Regierungspräsidiums Gießen vor, das dem Vorhaben als Pilotprojekt für die nächsten fünf Jahre zugestimmt hat.

Hydrogeologische Gutachten sind bereits erfolgt und geben Hinweise auf ein größeres Grundwasservorkommen. Die Stadtwerke nehmen zudem an, dass es sich bei der Quelle um ein eigenes Wasservorkommen handelt, das sich also nicht mit einem anderen, bereits genutzten Reservoir überschneidet. Um sich nicht gegenseitig das Wasser abzugraben, wäre das eine Voraussetzung für den Erfolg. Der erste Pumpversuch soll sechs Wochen dauern und danach ausgewertet werden.

Noch steht nicht fest, ob der Plan überhaupt den gewünschten Erfolg haben wird und das potenzielle Vorkommen ausreicht, um stabil Wasser für die nächsten Jahrzehnte zu liefern. „Noch ist aber alles offen; es kann auch sein, dass wir Pech haben und kein Wasser finden“, so Müller. Die Kosten für diesen ersten Testlauf liegen bei geschätzt mindestens 200 000 Euro.

In unmittelbarer Nähe zum Schröcker Gebiet liegt das Naturschutzgebiet „Teichwiesen“ bei Heskem. Auch dort sollen eventuell Erkundungsbohrungen folgen, für diese liegt derzeit noch keine Genehmigung vor. Ebsdorfergrund hatte bereits im letzten Jahr das Ziel ausgegeben, bis 2028 die Wasserversorgung der Gemeinde zu 100 Prozent aus eigener Kraft stemmen zu wollen. Nun schloss sich die Kommune zu diesem Zweck mit den Nachbarn zusammen. Das Genehmigungsverfahren für die nächste Bohrung werde derzeit noch vorbereitet. Man wolle „nicht gegeneinander arbeiten“, sondern „ein gemeinsames Vorhaben“ umsetzen, sagte Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz.

Ob sich aus dem Testlauf eine weitere Zusammenarbeit ergibt, wird sich wohl erst in einigen Jahren zeigen. Auch die Kostenlage und in welcher Form sich die möglichen Partner an dem Projekt und der Finanzierung beteiligen werden, ist noch nicht in Stein gemeißelt. Amöneburg etwa sei derzeit beim Wasser „gut versorgt, wir haben keinen akuten Handlungsbedarf“, sagte Bürgermeister Michael Plettenberg. Dennoch solle das gemeinsame Projekt Planungssicherheit und eine Vorausschau für die Zukunft bieten.

Von Ina Tannert

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