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Marburg „Es gibt keine Alternative zum Wasserband“
Marburg „Es gibt keine Alternative zum Wasserband“
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08:43 21.03.2022
Absperrungen am Wasserband in der Marburger Ketzerbach deuten darauf hin, dass dort derzeit Reparaturarbeiten stattfinden.
Absperrungen am Wasserband in der Marburger Ketzerbach deuten darauf hin, dass dort derzeit Reparaturarbeiten stattfinden. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Wenn ein Objekt – sei es entstanden aus Prestigegründen oder um eine Straße einfach nur zu verschönern oder um Touristen anzulocken – ständig defekt ist und gar immense Kosten verschlingt, dann wird es in der Regel infrage gestellt. Bis zur Forderung, es doch einfach zu entfernen und durch ein neues – vor allem kostengünstigeres – Objekt zu ersetzen. Die Rede ist vom Wasserband in der Marburger Ketzerbach. Durch einen Defekt am Wasserband sind nahezu 20 Millionen Liter Wasser verschwunden, ins Erdreich versickert. Der technische Defekt des Wasserbands sei erst am Ende der Saison bemerkt worden, als beim Abstellen des Wassers vor dem Winter der Zähler kontrolliert wurde, sagt die Stadt Marburg.

Ausmaße nicht erwartet

Diese Problematik sei auch der Ketzerbachgesellschaft bekannt gewesen, sagen der Vorsitzende Martin Lotz und sein Stellvertreter Manfred Spangenberg: „Wir haben an einigen Stellen immer wieder grünen Schimmel entdeckt. Daraufhin haben wir die Stadt darüber informiert. Die hat reagiert, den Schimmel beseitigt.“ So weit, so gut. Nach etwa 14 Tagen habe es erneut diesen Schimmel gegeben. Wieder sei er beseitigt worden. „Das ging dreimal so. Dann haben endlich die Untersuchungen begonnen“, sagt Spangenberg, der bereits seit etwa zwei Jahren bemerkt hat, dass das Wasserband undicht sein müsse. „Hinzu kam, dass auch Lichtbänder längere Zeit defekt waren. Wie gesagt, die Problematik war bekannt, die daraus resultierenden Ausmaße allerdings nicht.“ Zurzeit wird es repariert:

Lange Suche nach Lecks 

Die Suche nach den Lecks habe sich laut Stadt „sehr umfangreich und aufwendig“ gestaltet. Zunächst seien die beschädigten Dichtungen zwischen den Betonfertigteilen erneuert worden. „Bei der Überprüfung danach wurde deutlich, dass es noch weitere Lecks geben muss. Diese wurden unter anderem mit Druckprüfungen aller Zuleitungen und Teilen der Rücklaufleitungen, Sichtprüfung am Wasserband selbst, Kamera-Befahrungen und dem Einsatz von Prüfgas ermittelt. Es wurden gar weitere Schäden an Leitungen im Übergang vom Brunnen zur Straße, Schäden an den Ablaufrinnen und an den Anschlüssen der Rinnenkörper an die PVC-Grundleitung sowie teilweise Hohlräume im Pflasterunterbau entdeckt“, teilte die Stadt jüngst mit (die OP berichtete).

Voraussichtlich im April sollen alle Reparaturarbeiten abgeschlossen sein. Doch auch danach verliert die Installation weiter Jahr für Jahr zwischen April und November nur durch Verdunstung im Schnitt etwa 500 Kubikmeter Wasser, also 500 000 Liter.

„Es gibt keine Alternative zum Wasserband“, sagt Spangenberg. „Wenn man bedenkt, wer alles in dieses Projekt involviert war, etwa Planungsbüros, Denkmalschutzbehörde, Stadtgestaltung, Bürgerversammlungen und die Blista, dann kann die Stadt Marburg es jetzt nicht einfach entfernen.“

Auch nicht, wenn es durch eine Begrünung ersetzt werden würde? „Begrünung klingt gut. Wir haben aber dann Probleme mit Hunden, die sich dort aufhalten und ihren Geschäften nachgehen. Das Wasserband muss also komplett repariert werden und erhalten bleiben.“

Von Michael E. Schmidt