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Marburg Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket?
Marburg Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket?
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07:59 19.07.2022
Auch in Marburg ist das 9-Euro-Ticket erfolgreich.
Auch in Marburg ist das 9-Euro-Ticket erfolgreich. Quelle: Angelika Warmuth/dpa
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Marburg

Das 9-Euro-Ticket hat seine Halbzeit gerade hinter sich, seit Juni und noch bis Ende August können Fahrgäste mit der Sonderfahrkarte kostengünstig den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen. Im Juni haben mehr als 31 Millionen Fahrgäste das 9-Euro-Ticket genutzt. Laut einer Umfrage des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gaben mehr als 80 Prozent der Kundinnen und Kunden an, „voll“, „sehr“ oder „überwiegend“ zufrieden mit ihrer letzten Fahrt mit dem 9-Euro-Ticket gewesen zu sein.

Nächster, nicht zu unterschätzender Vorteil: Vor allem in Ballungszentren hat sich der Verkehr auf der Straße deutlich entspannt.

Die Kehrseite der Medaille:

Defekte Toiletten, überfüllte Züge, überlastete Mitarbeiter. Die Bahn-Gewerkschaften sind besorgt wegen des Zustandes der Deutschen Bahn. Sie hätten „Zustände, wie in diesem Sommer noch nie erlebt“, so der stellvertretende Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert.

Die große Beliebtheit des 9-Euro-Tickets führt natürlich zu steigenden Ausnutzungszahlen. Gewerkschaftsvertreter beklagen aber die Folgen fürs Personal. „Viele Kolleginnen und Kollegen sind bereits an der Belastungsgrenze“, sagt Burkert. Die Krankenstände stiegen. „Wir merken: Das 9-Euro-Ticket macht krank.“

Umfrage: Was sagen Sie zum 9-Euro-Ticket

Peter Jacobi, 60, Ebsdorfergrund: "Ich habe gute Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket gemacht. Ich fahre oft Zug und diese sind nicht übermäßig voll gewesen. Das „69-Euro-Ticket“ als Alternative ist allerdings zu teuer, der Preis sollte unter dem Monatsticket liegen."

Anne Kremer, 75, Marburg: "Ich fühle mich schon ungerecht behandelt, nachdem ich schon lange ein Jahresticket habe und deshalb 31 Euro statt neun Euro im Monat zahle. Ich wünsche mir, dass auch die Besitzer von Jahreskarten berücksichtigt werden."

*Anmerkung der Redaktion: Auf nachträgliche Anfrage bei den Stadtwerken wurde bestätigt, dass derzeit ein Verfahren zur Rückerstattung läuft.

Jens Heise, 29, Marburg: "Abgesehen vom Ticket würde ich mir für die Zukunft wünschen, dass der ÖPNV besser ausgebaut wird. Ich selbst habe es in Marburg zwar relativ leicht, aber meine Verlobte ist körperlich beeinträchtigt und hat keine gute Anbindung an den ÖPNV."

Mateusz Masielajz, 23, Marburg: "Ich selbst habe zwar ein Studiticket, kenne allerdings viele Menschen, die das 9-Euro-Ticket regelmäßig benutzen. Ich finde das Ticket super und hoffe, dass es auch zukünftig wieder ein solches Angebot gibt."

Von Felix Hamann

Derweil läuft die Debatte um die Nachfolge des 9-Euro-Ticket. Angesichts des nahenden Endes der Maßnahme wird nun bereits über mögliche Nachfolgemodelle diskutiert.

Für ein bundesweit gültiges ÖPNV-Ticket für 365 Euro hatte sich am Wochenende etwa CSU-Chef Markus Söder ausgesprochen. Die Verbraucherzentralen hatten unlängst ein 29-Euro-Monatsticket vorgeschlagen, also in ähnlicher Größenordnung wie Söder. Die Verkehrsunternehmen hatten dagegen zuletzt ein entsprechendes Ticket für 69 Euro im Monat angeregt.

Mehr zum Thema ÖPNV

Die Marburger Ortsgruppe von Fridays for Future Marburg hat für das Bürgerbegehren zur Prüfung eines kostenlosen ÖPNV über 4500 Unterschriften gesammelt und an die Stadt übergeben.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace betonte indes, ein sogenanntes Klimaticket, also ein dauerhaft vergünstigter ÖPNV, biete finanzielle und ökologische Vorteile. Es entlaste die von der Energiekrise getroffenen Haushalte spürbar und bringe den Klimaschutz im Verkehr voran, sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Marissa Reise. Der Vorstandsvorsitzende des RMV, Professor Knut Ringgat, sagte: „Die spürbar höhere Nachfrage besteht vor allem auf der Schiene im Freizeitverkehr auf schnellen RegionalExpress-Verbindungen sowie in touristisch besonders attraktiven Regionen. Das 9-Euro-Ticket hat aber auch gezeigt, dass es mehr Schienen und zusätzliche Fahrzeuge braucht, damit mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen können.

Es liegt nun an der Politik, attraktive Nachfolgeangebote – wie das von uns zusammen mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen vorgeschlagene 69-Euro-Ticket – einzuführen, das Streckennetz auszubauen und die Finanzierung eines leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehrs dauerhaft zu sichern.“

Von Till Conrad

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