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Marburg Was in Marburg unter Denkmalschutz steht und warum
Marburg Was in Marburg unter Denkmalschutz steht und warum
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16:00 02.08.2022
Die 1973 bis 1975 erbaute Hauptpost in der Zimmermannstraße gehört zum Baustil des Brutalismus. Charakteristisch dafür ist die Verwendung von Sichtbeton. Seite 2007 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
Die 1973 bis 1975 erbaute Hauptpost in der Zimmermannstraße gehört zum Baustil des Brutalismus. Charakteristisch dafür ist die Verwendung von Sichtbeton. Seite 2007 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Was haben das Marburger Schloss, die Elisabethkirche und das Fernheizwerk auf den Lahnbergen gemeinsam? Alle drei Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Genauso wie die Fachwerkhäuser in der Oberstadt, aber auch die Uni-Institute auf den Lahnbergen, das Verwaltungsgebäude der EAM und die Hauptpost. Insgesamt sind in Marburg 2 153 Objekte denkmalgeschützt.

Darauf, was von vielen Menschen als „schön“ oder „sehenswert“ empfunden wird, kommt es beim Denkmalschutz nicht unbedingt an. So sind die Uni-Institute auf den Lahnbergen geschützt, weil sie stilprägend waren. „Das Anfang der 1960er Jahre entwickelte Marburger System gilt als das erste Fertigteilbaukonzept im bundesdeutschen Hochschulbau“, erklärt Thorsten Haas, stellvertretender Pressesprecher des Regierungspräsidiums Gießen. Bis in die 1970er Jahre hinein habe es Hochschulbauten zum Beispiel in Darmstadt, Hamburg, Tübingen oder Dortmund beeinflusst. Das Fernheizwerk und die Hauptpost vertreten den Baustil Brutalismus, wie Patricia Grähling von der Pressestelle der Stadt erläutert.

Was ist Denkmalschutz?

Kulturdenkmälersind laut hessischem Denkmalschutzgesetz „Sachen, Sachteile und Gesamtheiten, an deren Erhaltung aus künstlerischen, wissenschaftlichen, technischen, geschichtlichen oder städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht“. Sie werden im Denkmalbuch eingetragen. Nicht nur einzelne Gebäude, sondern auch Gesamtanlagen können unter Denkmalschutz stehen. Das kann zum Beispiel ein alter Ortskern sein oder ein Stadtquartier der Gründerzeit.

Von diesem Ensembleschutz sind alle Häuser des entsprechenden Gebiets betroffen. Allerdings können hier nur Veränderungen untersagt werden, die das historische Erscheinungsbild dauerhaft beeinträchtigen.

Für Hausbesitzer bedeutet Denkmalschutz: Sie dürfen nur in Absprache mit den Denkmalbehörden Veränderungen vornehmen. Je nachdem, welchen Denkmalschutz-Status das Gebäude hat, gilt dies nur außen oder auch für Innenräume.

Die für den Klimaschutz wichtige Wärmedämmung stößt bei vielen denkmalgeschützten Gebäuden an Grenzen. „Dass man bei historischen Gebäuden nicht die geforderten Dämmwerte erreichen kann, weil man sonst an anderer Stelle die Substanz nachhaltig schädigt, ist eine Erfahrung aus den letzten Jahren“, sagt Grähling. „Dies bedeutet nicht, dass man die Anforderungen des Klimaschutzes ignoriert, sondern im Gegenteil sie im Sinne der Nachhaltigkeit mit der Sicherung des Bestandes gewährleistet.“ Mit anderen Worten: Wer alte Gebäude erhält, spart die Energie, die der Bau eines neuen Gebäudes verbrauchen würde.

Interview: Es gibt auch steuerliche Vorteile

Herr Oesterle, was bedeutet es für mich, wenn mein Haus unter Denkmalschutz steht?

Wenn es sich bei dem Gebäude um ein Einzelkulturdenkmal handelt – der Denkmalschutz also innen und außen greift, im Unterschied zum Ensembleschutz, der nur die Außenhaut anbelangt –, müssen Sie eigentlich jegliche Änderung genehmigen lassen. Das geschieht durch Abstimmung mit der Unteren beziehungsweise Oberen Denkmalschutzbehörde mittels eines Bauantrags oder einer denkmalrechtlichen Zustimmung der Behörde und funktioniert zumindest hier in Marburg recht gut.

Worauf sollte man achten, wenn man überlegt, ein denkmalgeschütztes Gebäude zu kaufen?

Zunächst einmal, dass die Abstimmung mit den entsprechenden Fachbehörden zu treffen ist. Andererseits hat man dadurch auch die Möglichkeit, steuerliche Vorteile wahrzunehmen – also schnellere und höhere Abschreibungen.

Kann man bei Renovierungen in einem denkmalgeschützten Haus auch selbst Hand anlegen?

Die Arbeiten müssen fachgerecht ausgeführt werden. Da spricht nichts dagegen, selbst Hand anzulegen, wenn jemand handwerklich begabt ist. Allerdings würde ich die technischen Gewerke in jedem Fall von einer Fachfirma ausführen lassen, schon aus Sicherheitsgründen.

Gibt es typische Fehler bei der Sanierung?

Bei Fachwerkhäusern muss beim Einbau der Wärmedämmung sehr sorgfältig gearbeitet werden, um eine luftdichte Schicht zu erhalten. Diese muss eben und glatt sein, wenn die Dämmplatten aufgebracht werden, damit dazwischen keine unkontrollierten Luftschichten entstehen. Denn das führt häufig zu Feuchteschäden und zu Schwitzwasser- und Fäulnisbildung.

Ein nicht genehmigter Abriss denkmalgeschützter Gebäude ist sogar strafbar: So wurde in München ein Mann zu einer Geldstrafe von 132 500 Euro verurteilt, weil er das denkmalgeschützte Uhrmacherhäusl abgerissen und die Mieter genötigt hatte. Auf der anderen Seite gibt es für die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude Steuervorteile sowie Zuschüsse vom Land Hessen und der Stadt Marburg. Die Stadt fördert beispielsweise die fachgerechte Instandsetzung von Fassaden, historischen Haustüren und Fenstern.

Weitere Informationen für Denkmal-Eigentümer gibt es hier.

Von Stefan Dietrich

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