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Marburg Was geschah auf Toilette am Südbahnhof?
Marburg Was geschah auf Toilette am Südbahnhof?
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12:58 28.02.2020
Wegen mehrerer Delikte muss sich ein 66-Jähriger 
vor dem Schöffengericht verantworten.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Vor dem Schöffengericht Marburg hatte sich ein 66-jähriger Mann aus Marburg verantworten, dem verschiedene Anklagen zur Last gelegt werden. Der Hauptvorwurf: Er soll im April 2016 eine 58-Jährige auf einer Toilette am Südbahnhof zum Oralsex gezwungen und im Juni 2016 diese Frau der Hurerei bezichtigt haben. Weiter soll es im August des gleichen Jahres im Waldtal zu Beleidigungen und der Androhung des Halsabschneidens gekommen sein.

Der Angeklagte soll zudem Beschäftigte der Agentur für Arbeit als arrogant bezeichnet haben mit der Androhung, dass „heute­ noch Köpfe rollen“. In einer­ ­weiteren Anklageschrift, die Staatsanwalt Jonathan Poppe vortrug, wurde dem Mann zur Last gelegt, dass dieser sich im April 2016 für etwa neun Tage in einer Marburger Pension eingemietet habe, ohne die Rechnung von 280 Euro zu zahlen.

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Die Tatvorwürfe setzen sich im Jahre 2017 fort. So sei es im Waldtal dazu gekommen, dass der Angeklagte ein Messer gezogen habe und dem Sohn der Zeugin androhte: „Ich steche dich ab“.

Disput mit Fausschlag beendet

Diesen Disput habe er mit einem Faustschlag auf den Mund des jungen Mannes mit der Folge einer blutenden Wunde beendet. Am 26. Mai 2017 soll der 66-Jährige einen Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung in Königstein bedroht haben mit der Aussage: „Ich räume auf, falls die Rentenkürzung nicht rückgängig gemacht wird.“ Letztendlich habe der Mann im Juni 2017 der Aldi-Filiale und dem Zentrallager gedroht,­ 
­wegen einer Reklamationsforderung von 40 Euro eine Bombe in die Aldi-Filiale zu werfen.

Richter Dominik Best befragte den Angeklagten nach den Tathergängen. „Der Angeklagte­ macht keine Aussagen“, ließ dessen Anwalt verlauten. Daraufhin befragte Richter Best die Zeugin und Nebenklägerin. „Er war mein Nachbar. Wir haben im selben Haus gewohnt und er war hilfsbereit. Durch den Verlust seiner Wohnung haben wir uns aus den Augen verloren“, sagte diese aus.

Was geschah auf der Toilette am Südbahnhof“, wollte Richter Best wissen. Die Frau berichtete, dass der Mann durch die offene Toilettentür zu ihr gekommen sei. Warum sie die Tür nicht abgeschlossen habe, fragte der Richter. Die Antwort lautete: „Keine Ahnung“. Auf die gleiche Frage des Staatsanwaltes im späteren Verlauf der Verhandlung sagte die Zeugin: „Ich habe Platzangst.“ Die doch eher schnodderigen und leicht unwilligen Aussagen der 58-Jährigen gefielen dem Richter nicht. Er sagte: „Ich denke mir etwas bei meinen Fragen. Verhalten Sie sich mir gegenüber so und mäßigen Sie Ihren Ton.“

Ob der Beklagte bekleidet oder unbekleidet gewesen und sein Geschlechtsteil zu sehen war, wollten sowohl Richter als auch Staatsanwalt wissen. „Er hatte­ sich ausgezogen und meinen­ Kopf nach unten zu seinem ­Geschlechtsteil gedrückt“, gab die Zeugin an.

Staatsanwalt Poppe hielt ihr ­jedoch das polizeiliche Protokoll vor. Dort habe sie gesagt, dass ihre Lippen den Penis berührt hätten. Die Angeklagte konnte sich nicht daran erinnern, dies so zu Protokoll gegeben zu haben. Vielmehr erklärte sie, dass alles ganz schnell gegangen und der Angeklagte umgehend verschwunden sei.

Nach Einsicht der Lichtbilder und eines Handydokuments und damit einer SMS des Angeklagten an die Zeugin mit Wortlaut: „Monika, warum belügst Du mich? Hurst Du mit den Pennern aus der Stadt herum oder hast Du einen jungen Kerl? Dann bringe ich Dich um“, schloss Richter Best die Verhandlung am ersten Verhandlungstag.     

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