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Marburg Im Landkreis bleibt es ruhig
Marburg Im Landkreis bleibt es ruhig
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12:35 09.09.2020
Morgen sollen in Hessen die Sirenen getestet werden. Es ist der erste bundesweite Probealarmtag seit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren. Im Landkreis bleiben die Sirenen allerdings stumm.
Morgen sollen in Hessen die Sirenen getestet werden. Es ist der erste bundesweite Probealarmtag seit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren. Im Landkreis bleiben die Sirenen allerdings stumm. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Landkreis

Am Donnerstag wird es in Deutschland mancherorts für kurze Zeit recht laut, denn dann startet mit dem Warntag eine bundesweite Test-Aktion für den Zivil- und Katastrophenschutz. Das bedeutet, dass so weit wie möglich pünktlich um 11 Uhr – so zumindest der Plan – alle lokalen Alarm-Funktionen vor Ort aktiviert werden. Mancherorts sollen auch alle Sirenen heulen – nicht so im Landkreis Marburg-Biedenkopf, der zwar ebenfalls an dem großen Probealarm teilnimmt, nicht jedoch die Sirenen über die Zentrale Leitstelle aktiviert. Denn die sind noch nicht auf die digitale Alarmierung umgestellt.

Wie der Landkreis auf Nachfrage mitteilt, würde die analoge Aktivierung aller Sirenen länger als die 20 Minuten dauern, wie am Warntag vorgesehen ist: Demnach „müssten alle Sirenen durch die Zentrale Leitstelle über den Analogfunk händisch ausgelöst werden. Hierzu muss für jede Sirene eine mehrstellige Ziffernkombination eingetippt werden. Über Funk wird dann ein Ton ausgesendet, der die Sirene auslöst“, berichtet der Kreis. Und weiter: „Dies würde unter optimalen Bedingungen mehr als eine Stunde dauern – das heißt, das vorgegebene Zeitfenster könnte gar nicht eingehalten werden“. Wenn also die Entwarnung gegen 11.20 Uhr bereits erfolgt, würden im heimischen Kreis noch immer Sirenen ausgelöst werden. Das würde „zu Verwirrung und Verunsicherung in der Bevölkerung und auch bei Einsatzkräften führen“.

Stille Warnung per App

Also bleibt es ruhig in den Kommunen, allerhöchstens dürften einige Handys piepsen: Denn der Warntag sieht noch weitere Warnmöglichkeiten vor, von denen im Kreis die Warn-Apps „KatWarn“ beziehungsweise „Hessenwarn“ zum Einsatz kommen sollen. Bundesweit werden auch Lautsprecherdurchsagen, Informationen über Radio und Fernsehen sowie soziale Medien – etwa der hessischen Polizei – genutzt. Selbst digitale Werbetafeln sollen mancherorts zum Einsatz kommen. Alles soll zur gleichen Zeit erprobt werden.

Ablauf: Der Warntag beginnt in Hessen um 10.45 Uhr mit einer landesweiten Auslösung bei Hessenwarn (und die daran angeschlossenen Warn-Apps KatWarn und NINA). Es folgt um 11 Uhr die bundesweite Warnung über verschiedene Kanäle, sowohl über Apps als auch über die sich beteiligenden Rundfunkanstalten. In anderen Kommunen, wo es zentral auslösbare Sirenen für die Warnung gibt, erfolgt ein Probealarm mit dem Sirenensignal „Warnung der Bevölkerung“. Alternativ das bekannte Signal „Feueralarm“. Die ganze Prozedur des multimedialen Probealarms dauert 20 Minuten und endet mit einer offiziellen Entwarnung um 11.20 Uhr.

Der simulierte bundesweite Großalarm ist der erste gemeinsame Warntag aller Bundesländer seit der Wiedervereinigung. Laut Innenminister Peter Beuth soll der Aktionstag die Bevölkerung für die verschiedenen Warnmittel und Alarmsignale sowie Warnungen vor gefährlichen Ereignissen sensibilisieren. Vom Großbrand bis zum Austritt von Schadstoffen oder Naturkatastrophen. Außerdem dazu beitragen, die Akzeptanz und das Wissen um die Warnung in Notlagen zu erhöhen. Die Bewohner aus Hessen sollen durch die Probewarnung deren Funktion und die Abläufe kennenlernen, um im Ernstfall die Warnmeldungen richtig wahrnehmen und einordnen zu können. Mit der Warnung erhielten die Bürger zudem eine Empfehlung, was sie zu ihrem Schutz tun können oder wo weitere Informationen verfügbar sind.

Warntag ab jetzt jedes Jahr

Auf Grundlage eines Beschlusses der Innenministerkonferenz (IMK) wird der Warntag ab 2020 jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September stattfinden. Eine Warnung der Bevölkerung könne sowohl bei einer Bedrohung der Bundesrepublik von außen (Zivilschutzfall), bei Großschadenslagen (Katastrophenfall), im täglichen Einsatzgeschehen der Feuerwehr (tägliche Gefahrenabwehr) und auch bei polizeilichen Ereignissen (etwa bei einer Terrorlage) erforderlich sein.

Wie der Kreis weiter mitteilt, könne auf den Sirenen-Test verzichtet werden, da diese in allen Gemeinden sowieso im Einsatzfall ausgelöst und einmal im Monat getestet werden. Zudem verfügten diese sowieso nicht über den Warnton „Zivilschutz-Alarm“, sondern nur über den Ton „Feueralarm“ – zwei unterschiedliche Tonfolgen. Der Grund: Die Sirenen gingen Anfang der 1990er-Jahre nach Ende des Kalten Krieges und damit einer Veränderung der Bedrohungs- und Sicherheitslage in die Verantwortung der Kommunen über. „Im Zuge dieses Übergangs wurde nahezu überall der „Zivilschutz-Alarm“ abgeschaltet.“

Wann der Landkreis in Zukunft ebenfalls auch auf die Alarmierung aller Sirenen zurückgreifen kann, steht noch nicht fest. Eine zeitgleiche Auslösung aller Sirenen – auch mit dem Warnton „Zivilschutz-Alarm“ – sei erst dann möglich, „wenn das Land Hessen die Alarmierung über Sirene ebenfalls auf den Digitalfunk umgestellt hat“.

von Ina Tannert

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