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Marburg Kampf gegen angedrohten Stellen-Abbau
Marburg Kampf gegen angedrohten Stellen-Abbau
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19:11 28.09.2020
Auch im vergangenen Jahr traten die UKGM-Beschäftigten in den Warnstreik. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Am Dienstag und Mittwoch streiken die Beschäftigten an beiden UKGM-Standorten Marburg und Gießen. Dabei geht es nicht nur um eine höhere Eingruppierung – also um mehr Geld. Es geht auch darum, dass der neue UKGM-Eigentümer Asklepios „sich an die Tarifverträge hält“, wie es vonseiten der Gewerkschaft Verdi heißt.

Ein Inserat bei Ebay Kleinanzeigen ließ neulich aufhorchen: Die laut eigenen Angaben gut 1 100 Beschäftigten der Reha- und Akutkliniken Schildautal bei Seesen suchen „einen neuen Krankenhausträger und eine neue Geschäftsführung zum nächstmöglichen Termin“, heißt es dort. Denn „nach Jahren des Asklepios-Missmanagements und der Zerschlagung durch Outsourcing sehen wir nur noch diesen Ausweg“, so der Anzeigentext.

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Was zunächst lustig sein könnte, spiegelt doch eine große Verzweiflung wider. Asklepios habe, so der Vorwurf, „in kurzer Zeit gute und eingespielte Strukturen und Prozesse zerschlagen“ – dadurch stehe sogar „die Zukunft der Klinik auf dem Spiel“.

Asklepios sieht „Personalüberhang“

Ganz so ist es in Marburg und Gießen noch nicht. Doch die Befürchtung ist groß, dass sich unter dem neuen Asklepios-Management die Personalsorgen und der Pflegenotstand ausweiten. Denn: Laut Verdi habe Asklepios am UKGM in den „nicht-patientennahen Bereichen“ einen Personalüberhang festgestellt. Und auch, wenn bis kommendes Jahr durch die Einigung zur Trennungsrechnung mit dem Land Hessen Kündigungen ausgeschlossen sind, habe diese Formulierung doch die Alarmglocken schrillen lassen.

Für Krankenpfleger und Verdi-Mitglied Mark Müller steht fest: „Die Beschäftigten haben jetzt die Chance, auf die Straße zu gehen – und das sollten sie auch tun. Denn damit können sie zeigen, dass man mit den Uni-Kliniken nicht machen kann, was man will und dass die Beschäftigten zur Auseinandersetzung bereit sind.“ Müller weiß , dass es sich gerade Menschen, die in der Pflege arbeiten, nicht leicht machen, zu streiken, „weil man eine Verantwortung gegenüber den Patienten hat. Dennoch ist der Warnstreik nun wichtig.“

Hoffen auf Unterstützung aus der Gesellschaft

Müller hofft, dass während der Streiks „auch Unterstützung aus der Gesellschaft kommt“ – von politischen Organisationen ebenso, wie von Politikern selbst. „Möglichst viele Leute sollen zeigen: Nicht mit uns – so wollen wir eine Gesundheitsversorgung in Marburg nicht.“ Man sei mit dem UKGM eben keine „kleine Klitsche, mit der man machen kann, was man will – wir sind eine Uni-Klinik und stellen die medizinische Versorgung in Mittelhessen ebenso sicher wie Forschung und Lehre.“

Dafür wolle man „ordentliche Arbeitsbedingungen und ein ordentliches Gehalt – dafür kämpfen wir“, fasst er zusammen. „Das muss aus der Bevölkerung kommen, aus dem Betrieb kommen – und aus der Politik.“ Daher hofft Müller, „dass auch Landtagsabgeordnete zu dem Streiktermin kommen – das erwarte ich einfach, denn wir brauchen ein Zeichen der Solidarität aus der Politik – und ich wäre enttäuscht, wenn das nicht passiert“. Schließlich „unterstützen sie damit auch ihre Wählerinnen und Wähler“.

Dass es in der jetzt laufenden Tarifauseinandersetzung kein großes Angebot von Asklepios geben werde, davon sei man vonseiten Verdi ausgegangen. „Dass aber Personalabbau angedroht wurde, ändert die Qualität jedoch – daher haben die Beschäftigten jetzt auch verstanden, dass es nicht nur um mehr Geld geht. Es geht vielmehr um Arbeitsplätze.“

„Das Land muss Verantwortung übernehmen“

Asklepios sei dafür bekannt, bestehende Strukturen zu zerschlagen und in Servicegesellschaften outzusourcen. Dies führe dazu, dass Betriebsräte zersplittert würden und nicht mehr so handlungsfähig seien, nicht mehr ohne Weiteres mit einer Stimme sprechen könnten.

Für Mark Müller steht aber auch fest: „Der Warnstreik ist ein deutliches Signal auch an das Land Hessen: Es muss jetzt handeln und auf jeden Fall Verantwortung übernehmen.“ Zwar habe der Konzern bei der Übernahme gesagt, nichts ändern zu wollen – „das, was nun passiert, zeigt aber, dass dies nicht wirklich eine glaubwürdige Aussage ist“.

Von Andreas Schmidt

28.09.2020
28.09.2020