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Marburg UKGM-Beschäftigte streiken für mehr Geld
Marburg UKGM-Beschäftigte streiken für mehr Geld
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20:53 22.09.2020
Im März vergangenen Jahres zogen rund 800 UKGM-Beschäftigte durch Marburg – auch kommende Woche treten die Beschäftigten zwei Tage lang in den Ausstand, werden aber wegen der Corona-Pandemie nicht durch die Stadt ziehen. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Bereits seit 2018 verhandelt die Gewerkschaft Verdi mit dem Rhön-Konzern über eine neue Eingruppierung der Beschäftigten am UKGM – mit dem Ziel, eine Angleichung an die Bezahlung im öffentlichen Dienst zu erzielen. Denn dort verdienten die Beschäftigten zum Teil mehrere hundert Euro mehr im Monat. Doch diese Verhandlungen sind nun nach der Übernahme von Rhön durch den Asklepios-Konzern ins Stocken geraten. Daher ruft die Gewerkschaft an beiden Standorten des UKGM für den 29. und 30. September zum Warnstreik auf.

„Unsere Geduld und unser Verständnis sind am Ende“, sagt Verhandlungsführer und Verdi-Fachsekretär Gesundheit Fabian Dzewas-Rehm. Die Belegschaft würde seit Jahren auf eine bessere Bezahlung warten. Doch Bewegung gebe es keine. Der Arbeitgeber habe keine eigenen Angebote vorgelegt „und unsere Vorschläge für sich noch nicht einmal im Detail bewertet“, konkretisiert Dzewas-Rehm im Gespräch mit der OP.

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Die Streitpunkte, um die es derzeit gehe, seien die therapeutischen Berufsgruppen – also etwa Physio- und Ergotherapie oder Logopädie, sowie um die medizinisch-technischen Berufsgruppen. „Für viele Beschäftigte bringt die Spitzenmedizin keine Vorteile. Im Gegenteil: Das UKGM bezahlt beispielsweise die in der Pandemie so wichtigen Laborassistentinnen so schlecht wie keine andere Universitätsklinik“, so Dzewas-Rehm.

Asklepios sieht „Personalüberhänge“

Die Verhandlungen seien dadurch geprägt, dass durch den Übergang „derzeit bei Rhön nichts mehr entschieden wird“, schildert der Gewerkschaftssekretär. Jedoch handele es sich beim Verhandlungsverlauf „aus unserer Sicht für beide um kein sonderlich untypisches Verhalten, denn es gehe um ,patientenferne’ Bereiche – obwohl die Therapeuten natürlich sehr wohl direkt am Patienten arbeiten.“ Auch Rhön habe schon immer versucht, „diesen Bereich abzuwerten“, sagt Dzewas-Rehm – was jedoch vor dem Hintergrund von Überlastungsanzeigen, Personalmangel und vakanten Stellen „absurd“ sei.

Vielmehr habe Asklepios „Personalüberhänge“ ausgemacht – überall dort, wo keine Refinanzierung stattfinde. „Da fragen wir uns ernsthaft, ob sich die Krankenhausmanager im Alltag des UKGM überhaupt auskennen“, so Dzewas-Rehm weiter. Allerdings gebe es bis 2021 ohnehin einen Kündigungsschutz. „Und auch danach werden wir alles daran setzen, Personalabbau zu verhindern.“ Für Dzewas-Rehm steht fest: „Für Verhandlungen braucht man einen Verhandlungspartner, der willens ist, zu verhandeln. Dieser fehlt auf Arbeitgeberseite momentan. Deshalb rufen wir zum Streik auf.“ Bereits im Frühjahr 2019 waren die UKGM-Beschäftigten mehrfach auf die Straße gegangen – zwischenzeitlich seien mit einem Vorschalttarifvertrag Verbesserungen für einige wenige Berufsgruppen wie Lehrkräfte und Stationsleitungen im Pflegedienst erzielt worden.

UKGM: Warnstreiks „völlig unbegründet“

Die Geschäftsführung des UKGM hält den Aufruf zu Warnstreiks indes für „völlig unbegründet“. „Wir sind bei unseren Gesprächen zur Weiterentwicklung unseres Haustarifvertrages auf gutem Weg“, erläutert der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Gunther K. Weiß, auf Anfrage der OP. Im Januar habe es eine erste Teileinigung gegeben – „wir konnten mit deutlichen Gehaltssteigerungen für unsere Beschäftigten die Attraktivität unserer beiden Häuser erhöhen“, so Weiß. Daher sehe man keinen Grund, die Häuser nun zu bestreiken. Weiß verbindet dies mit einem Appell an alle nicht-ärztlichen Beschäftigten, sich nicht an diesen Arbeitsniederlegungen zu beteiligen und die Patientenversorgung sicherzustellen.

Derzeit liefen Gespräche über die Weiterentwicklung des UKGM-Haustarifvertrages vor dem Hintergrund des regionalen und überregionalen Umfeldes, der regionalen Wettbewerber sowie der Entwicklungen des Krankenhausrechts. Vereinbart worden seien bereits eine Erhöhung der Zulagen für fachweitergebildete Pflegekräfte, höhere Einsatzzulagen für Intensivstationen, OP und Anästhesie, mehr Geld für Stationsleitungen, eine höhere für Praxisanleite, eine neue Eingruppierungen der Lehrkräfte und die Einführung einer differenzierte Eingruppierungssystematik für MTRA in Abhängigkeit von der Schwierigkeit der Tätigkeit.

Und: Seit dem 1. Januar bekommen die nicht-ärztlichen Angestellten 60 Euro mehr, Azubis erhalten 30 Euro mehr Vergütung. Somit habe es „in kurzer Folge drei Gehaltserhöhungen“ gegeben – resultierend aus der letzten Tarifrunde. Für alle Pflegekräfte, die unmittelbar in der Patientenversorgung auf bettenführenden Stationen tätig sind, zahle das UKGM zudem eine zusätzliche Pflegezulage von 60 Euro pro Monat. „Damit haben wir aus unserer Sicht nicht nur zukunftssichere, sondern auch attraktive und wettbewerbsfähige Arbeitsplätze gesichert“, so Weiß.

Von Andreas Schmidt

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