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Marburg Wann tut sich was am „Grüner Wehr“?
Marburg Wann tut sich was am „Grüner Wehr“?
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12:00 12.05.2022
Das Grüner Wehr in Marburg - eine mögliche Sanierung steht nach wie vor aus.
Das Grüner Wehr in Marburg - eine mögliche Sanierung steht nach wie vor aus. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

Sanierungsfall oder Stabilitätsgarant? Wie stark das „Grüner Wehr“ tatsächlich beschädigt ist, bleibt weiter unklar. Wie die Stadt Marburg auf OP-Anfrage mitteilt, wird die geplante Untersuchung des Wehrkörperinneren in diesem Jahr definitiv nicht mehr stattfinden. Begründet wird das mit dem Stadtjubiläum „Marburg800“, währenddessen nach Möglichkeit keine größeren Bauarbeiten laufen sollen.

Die grundsätzlich angedachten, wohl rund einen Monat dauernden Schwimm-Bohr-Untersuchungen seien sogar „noch nicht terminiert“, entsprechend sei auch der Zeitpunkt der Resultatveröffentlichung, geschweige denn möglicher Sanierungs- oder Neubauarbeiten offen. Klar ist: Die erneute Wehr-Untersuchung soll, vor allem wegen des Wasserstands, im Sommer erfolgen. Heißt, dass sich vor Sommer 2023 zwischen Weidenhausen und Südviertel nichts tun wird.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass es lange hieß, dass das Wehr praktisch akut gefährdet sei. Denn laut Stadtverwaltung, die sich 2017/2018 auf ein rund zehn Jahre altes Gutachten stützte, sei das Wehr „stark sanierungsbedürftig“ und „Maßnahmen zur Wiederherstellung“ demnach „unumgänglich“. Denn gehe das Wehr kaputt, werde die Lahn nicht mehr gestaut, was zu Grundwasserabsenkungen und damit zu Schäden an den Häusern „Am Grün“ führen würde.

An dieser Gefahreneinschätzung, die seit Beginn der Debatte vor etwa fünf Jahren von einer Bürgerinitiative bezweifelt wird, wachsen mit jedem weiteren Aufschub der Reparatur, gar dem von der Bauverwaltung favorisierten Wehr-Neubau die Zweifel.

Im Jahr 2020 bescheinigten Gutachter dem „Grüner Wehr“ – ohne die innere Substanz zu kennen – die grundsätzliche Standsicherheit, jedoch gebe es äußerlich sichtbare, über die vergangenen Jahrzehnte stärker gewordene Schäden. Auf OP-Anfrage zum aktuellen Zustand heißt es von der Stadt: „Gegenwärtig sind uns keine weiteren sichtbaren Schäden am Bauwerk bekannt.“

Der einst geplante Bau einer Kanurutsche und einer Aussichtsplattform ist nach anhaltenden Anwohnerprotesten, einem darauf fußenden Veto von Ex-Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) jedoch vom Tisch.

Auch der Denkmalbeirat der Stadt und der Ortsbeirat Weidenhausen hatten sich wiederholt mit der Thematik auseinander gesetzt.

Von Björn Wisker