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Marburg Die Jugend will mitwählen
Marburg Die Jugend will mitwählen
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16:13 07.02.2021
David Negele (rechts) und Tom Czarnota zeigen der Landesregierung die Rote Karte. Zusammen mit jungen Mitgliedern Marburger Parteien fordern sie die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre.
David Negele (rechts) und Tom Czarnota zeigen der Landesregierung die Rote Karte. Zusammen mit jungen Mitgliedern Marburger Parteien fordern sie die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Quelle: Nadine Weigel
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Es ist ihnen immens wichtig. Das zeigt schon die Tatsache, dass sie trotz des eisigen Schneeregens Samstagmittag vor dem Erwin-Piscator-Haus tapfer ihre Argumente vortragen und das Ganze ins Netz streamen.

„Das Wahlrecht ist ein Grundrecht. Auch 16- und 17-Jährige haben nicht zuletzt bei Fridays for Future (FFF) gezeigt, dass sie die Qualifikation haben, die es braucht, um wählen zu können“, betont David Negele. Der 20-Jährige, der in Marburg Politikwissenschaften studiert, engagiert sich mit seinem Kommilitonen Tom Czarnota in der überparteilichen Kampagne „Jugend wählt“, die aus Jugendlichen im Alter von 14 bis 25 Jahren aus ganz Deutschland besteht. Sie sind der Meinung, dass die Ungleichheit des Wahlsystems in Deutschland nicht mehr tragbar ist.

In Deutschland gibt es bereits elf Bundesländer, in denen 16-Jährige zumindest kommunal wählen dürfen. Hessen gehört nicht dazu. „Das ist verfassungswidrig“, zitiert David Negele den Rechtsexperten Prof. Hermann Heußner, der im Wahlausschluss der über 100 000 Jugendliche in dieser Altersgruppe einen Verstoß gegen den Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl und damit gegen die hessische Verfassung sieht.

Ähnlich sieht es Frederike Zech, Vorsitzende der Jusos Marburg. „Der demografische Wandel sorgt dafür, dass es eine überproportionale Entscheidungsverschiebung gibt – vor allem bei Menschen über 60 und da kann man nur gegenwirken, indem man junge Menschen in die Wahl miteinbezieht“, sagt Zech.

Dies würde auch die Wahlbeteiligung nachhaltig steigern, da Studien zeigten, dass, wer einmal wähle, meistens wieder zur Wahl gehe, betont Negele.

Einer, der gern wählen würde, aber eben noch nicht darf, ist der 17-jährige Tom Kewald. „Ich finde es sehr schlecht, dass wir nicht über unsere Zukunft entscheiden können und auch nicht darüber, wer diese Entscheidungen trifft“, kritisiert das Mitglied der Jungen Liberalen.

Verantwortlich machen die jungen Politikinteressierten CDU und Grüne. Während die anderen Parteien im Hessischen Landtag einer Absenkung des Wahlalters positiv gegenüber stünden, sei es die schwarz-grüne Regierung, die das blockiere.

„Ihnen gehört die Rote Karte gezeigt“, waren sich die Jugendlichen sicher.

Von Nadine Weigel

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