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Marburg Wälder für Kühlung der Stadt wichtig
Marburg Wälder für Kühlung der Stadt wichtig
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19:57 14.07.2010
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Ivo Gerhards, stellvertretender Leiter der Obere Landesplanungsbehörde am Regierungspräsidium, ist zuständig für den Regionalplan für Mittelhessen. Quelle: Christoph Wohlleben
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Gießen. Der neue Regionalplan, der bereits seit mehreren Jahren in Arbeit ist und wegen zahlreicher Änderungswünsche von Bürgern und Interessenverbänden ganze dreimal in Vorlage gehen musste, wurde am 22. Juni in seiner jetzigen Form vom Regionalparlament verabschiedet und soll Ende Juli der Landesregierung zur Genehmigung vorgelegt werden.Mehrere hundert Meldungen zu insgesamt 5.600 Einzelpunkten wurden geprüft und teilweise in den Planungsprozess einbezogen.

Neben straßenbaulichen Planungen erfasst der Regionalplan vor allem die vorgesehene Nutzung von Flächen im Landkreis – darunter auch die Flächennutzung durch Windenergie, Rohstoffabbau und Wohnraum. Neu im Vergleich zum noch gültigen Plan von 2001 ist die Aufteilung in Vorrang- und Vorbehalts-Gebiete: In Ersteren dürfen nur mit Ausnahmeregelungen vom Plan abweichende Nutzungen stattfinden, in Letzteren hingegen ist bei Planungen für Kommunen und Bauherren lediglich zu beachten, ob durch die anderweitige Nutzung die Belange der Vorbehalts-Nutzung geschmälert werden und ob sich dies begründen lässt. „Der Regionalplan soll keine Verhinderungsplanung sein, sondern mögliche Entwicklungen und Optionen für die Kommunen aufzeigen“, begründet Ivo Gerhards, stellvertretender Leiter der Oberen Landesplanungsbehörde beim Regierungspräsidium das Konzept.

In den nächsten Wochen sollen alle Antragsteller, die eine Stellungnahme zum letzten Entwurf von 2009 abgegeben haben, darüber informiert werden, inwieweit ihre Wünsche im Plan berücksichtigt wurden. Im Internet kann man die Karte des aktuellen Entwurfs aber bereits einsehen. Die Nutzung von Windenergie als eines der umstrittendsten Themen wurde im Regionalplan behutsam behandelt. „Wir setzen eher auf den Ausbau der bestehenden Anlagen, als auf neue Windparks. Dies macht auch Sinn, weil dort die entsprechenden Leitungen und andere Infrastruktur schon vorhanden sind“, erklärt Gerhards. Bei der Planung neuer Gewerbeflächen und Siedlungsgebiete bleibt Marburg selbst weitgehend außen vor, was laut Gerhards vor allem der Topografie geschuldet ist: Der Talkessel begrenzt das Wachstum nach außen. Man müsse sich deshalb um die effektive Nutzung der bereits vorhandenen Flächen kümmern.

Die Waldgebiete um Marburg erfüllen eine Klimaschutzfunktion: Dort soll möglichst nicht gebaut werden, um die Kühlung durch Marburgs grüne Lunge nicht zu behindern. Dafür sind in den dörflichen Stadtteilen wie Schröck größere Flächen für das Dorfwachstum eingeplant. „Wir arbeiten aber vor allem bei Gewerbeflächen keineswegs nach dem Gießkannenprinzip, sondern wollen bestimmte Zentren gezielt stärken“, sagt Bick. Dazu zählen sowohl Kirchhain, als auch Stadtallendorf, die beide umfangreiche neue Flächen zur Planung zur Verfügung haben. Ziel ist es, den Pendelverkehr nach Südhessen durch mehr Gewerbe im Landkreis zu reduzieren. Gerade die Wünsche kleinerer Gemeinden nach punktuellem Flächenzuwachs berücksichtigten die Planer ebenfalls.

von Christoph Wohlleben

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