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Marburg Gute Ideen oder Träumerei?
Marburg Gute Ideen oder Träumerei?
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14:08 11.11.2019
In Arbeitsgruppen sammelten die Teilnehmer des Bürgerworkshops Ideen zum Klima-Aktionsplan. Quelle: Birgit Heimrich
Marburg

Gut besucht war der Bürgerworkshop „Marburg auf dem Weg zum Klima-Aktionsplan 2030“ am Freitagabend, 8. November, im Technologie-Zentrum (OP berichtete). 260 Bürger waren der Aufforderung der Stadt gefolgt, in Arbeitsgruppen Ideen zu entwickeln.

Dabei sollten sie sich nach der Vorstellung des Ist-Zustandes der Stadt vorstellen, wie Marburg in zehn Jahren in Sachen Klima aussehen könnte. ­Eine autofreie Universitätsstraße und keine Autos mehr auf der B 3, wurde reingerufen. Ein bewachsener Tunnel über der Bundesstraße war eine weitere Idee. Ebenso eine Lasershow statt eines Feuerwerkes oder Lastenräder statt 40-Tonner.

All diese Einwürfe verpackte ein Impro-Theater in eine sehr humorvolle und kurzweilige Vorstellung, Christoph Illigens ­visualisierte den Abend in einer großen Illustration. Zu den großen Schlag­worten Energie, Wirtschaft, Arbeit, Stadtentwicklung, Mobilität, Landwirtschaft und Ernährung, Bildung, Klimagerechtigkeit, Konsum, Gemeinschaft hatten sich anschließend Arbeitsgruppen gebildet, die ihre Ideen sammelten und in Stichworten zu Papier brachten.

Beifall gespendet für die vielen Ideen

In der Landwirtschaftsgruppe wünschte man sich beispielsweise mehr regionale Produkte in den Discountern als Fleisch aus Übersee. Ein Landwirt sprach sich sogar gegen die intensive Landwirtschaft aus und ­appellierte an mehr Verständnis aus der Gesellschaft dafür. In der Mobilitätsgruppe schlug Beate vor, die Verkehrsströme zu analy­sieren und dementsprechend den Nahverkehr flexibler zu ­gestalten.

Als die Arbeitgruppen nach knapp zwei Stunden wieder in der großen Runde zusammenkamen, hatte sich auch die Stimmung nach den intensiven Debatten in den kleinen Gruppen gewandelt. Es wurde gelacht, geklatscht, sich gegenseitig ermutigt, Beifall gespendet für die vielen Ideen, die zusammengetragen auf den großen Tafeln die komplette Wand der beleuchteten Bühne füllten.

Die Aktivistengruppe „kollektiv von morgen“ erstellt nun im Auftrag der Stadt die Dokumentation, alle Ergebnisse der Ideen­sammlung werden in Kürze für alle Interessierten öffentlich einsehbar sein. Sie sollen in den Klima-Aktionsplan 2030 einfließen. Außerdem werden die Verwaltung und der noch zu gründende Klimabeirat ­eine Bewertung vornehmen. „Ist die Idee oder der Vorschlag reell oder Utopie“, beschrieb Bürgermeister Wieland Stötzel das weitere Vorgehen.

Dabei spiele auch die Kosten-Nutzen-Rechnung eine Rolle. „Manche Ideen können auch kontraproduktiv für den Klima-Aktionsplan sein oder schier Träumerei sein“, blieb der CDU-Mann Realist. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) zog indes ein positives Fazit: „Mit einer so großen Fülle von Ideen und so einer großen Beteiligung haben wir wirklich nicht gerechnet“, sagte er am Ende des Bürger­workshops, der sicher keine einmalige Aktion der Stadtver­waltung bleiben wird.

von Katja Peters