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Marburg Der Zahnarzt-Besuch ist gerade in der Corona-Zeit wichtig
Marburg Der Zahnarzt-Besuch ist gerade in der Corona-Zeit wichtig
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10:58 21.03.2021
Ein Zahnarzt und eine Zahnarzthelferin mit Mund-Nasen-Schutz und Schutzvisieren versorgen eine Patientin in einer Praxis (Themenfoto).
Ein Zahnarzt und eine Zahnarzthelferin mit Mund-Nasen-Schutz und Schutzvisieren versorgen eine Patientin in einer Praxis (Themenfoto). Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Marburg

Auch wenn man keine Zahnschmerzen hat – zweimal im Jahr sollte man zum Zahnarzt gehen, um die Mundgesundheit kontrollieren zu lassen. Doch aus Angst vor dem Coronavirus versäumt mancher Patient Vorsorgeuntersuchungen.

Dabei schwächten gerade unbehandelte Entzündungen in der Mundhöhle die Immunabwehr, warnen die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen und die Landeszahnärztekammer. Auch heimische Zahnärzte raten dazu, Kontrolltermine unbedingt wahrzunehmen – denn der Zahnarzt-Besuch sei auch in Corona-Zeiten sicher.

Gesunkenes Patientenaufkommen von März bis Mai 2020

Landesweit haben die Zahnärztinnen und Zahnärzte wegen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr weniger zahnmedizinische Leistungen erbracht, teilt Regina Lindhoff von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen auf Anfrage mit. Vor allem vom März bis Mai 2020 habe es ein deutlich geringeres Patientenaufkommen gegeben.

„Nachdem die Patientenzahlen in den Praxen im Sommer und Herbst 2020 wieder anstiegen, waren sie zum Jahresende 2020 mit dem Auftreten der zweiten Infektionswelle wieder leicht rückläufig“, berichtet Lindhoff. Genau beziffern lasse sich dies noch nicht, zudem gebe es je nach Standort große Unterschiede zwischen den Praxen.

„Ein Zahnarzt hat schon immer Mundschutz getragen“

Im Juli ergab die Umfrage „Covid-19 Snapshot Monitoring“, dass bundesweit 22 Prozent der Befragten wegen Corona einen Zahnarzttermin verlegt hatten. Das Phänomen scheint im Landkreis aber nicht stark verbreitet zu sein – jedenfalls haben von der OP befragte Zahnärzte in ihren Praxen keinen Rückgang registriert.

Im Gegenteil habe er in seiner Praxis in Marburg ein starkes Wachstum der Patientenzahlen festgestellt, berichtet Daniel Milani, Kreisstellenvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung. „Ich kann nicht sagen, dass die Patienten nicht kommen.“ Auch von Kollegen habe er dies nicht gehört. Dr. Wolfang Klenner, Vizepräsident der Landeszahnärztekammer, berichtet ähnliches aus seiner Praxis in Stadtallendorf: „Ich kann nicht feststellen, dass viele abgesagt haben“, sagt er. „Es scheint so zu sein, dass die Patienten merken, die Kontrolle ist wichtig.“

Dr. Frank: Auch in Zahnarztpraxis sicher

Zu Beginn der Pandemie sei es wegen der Neuartigkeit und Dynamik des Ausbruchsgeschehens die Empfehlung gewesen, nicht nötige Behandlungen wie turnusmäßige Vorsorgeuntersuchungen aufzuschieben, berichtet Lindhoff. Inzwischen sehen Experten das anders: „Auch in Corona-Zeiten sind Patientinnen und Patienten in der Zahnarztpraxis sicher“, erklärt der Präsident der Landeszahnärztekammer, Dr. Michael Frank, laut Mitteilung.

„Das im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie noch einmal angepasste Hygienekonzept in den Zahnarztpraxen gewährleistet maximalen Schutz nicht nur vor Ansteckungen mit dem Coronavirus.“ Patienten müssten keine Sorge haben, betont auch Klenner.

In der Pandemie wird oft gelüftet

„Ein Zahnarzt hat schon immer Mundschutz getragen“, sagt er. Auch Milani verweist darauf, dass Zahnärzte schon immer darauf achten mussten, Infektionen zu vermeiden – auch, um sich selbst zu schützen, wenn Patienten zum Beispiel Hepatitis oder Tuberkulose haben. Mund-Nasen-Schutz und Handschuhe seien selbstverständlich, alle Instrumente würden sterilisiert – und jetzt in der Corona-Pandemie lüfte man natürlich auch viel.

„Gerade bei uns Zahnärzten kann man sagen, dass die Hygienemaßnahmen greifen“, sagt Klenner. Er und Milani führen als Beleg dafür an, dass sich fast keine Beschäftigten von Zahnarztpraxen bei der Arbeit mit Corona infiziert haben.

85 Verdachtsfälle in Zahnarztpraxen

Laut Zahlen der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege gab es im vergangenen Jahr bei den bundesweit rund 240.000 Vollbeschäftigten in Zahnarztpraxen nur 85 Verdachtsfälle einer möglichen Berufserkrankung mit Covid-19 – gegenüber 9.005 Verdachtsfällen bei rund 770.000 Vollbeschäftigten in Kliniken. Das berichtet „Zahnärztliche Mitteilungen online“.

Wer nicht zur Vorsorge geht, riskiert auf jeden Fall, dass Karies oder Parodontitis nicht rechtzeitig entdeckt werden. Das kann schlimmstenfalls zu Zahnverlust und Abszessen führen, warnt Klenner. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung weist zudem darauf hin, dass unbehandelte Entzündungen im Mund auch die Immunabwehr schwächen.

Studie: Unbehandelte Parodontitis erhöht Corona-Risiko

Und zwar auch die Abwehr gegen Coronaviren: „Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus Katar hat nun aufgedeckt, dass Patienten mit einer unbehandelten Parodontitis ein deutlich höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf haben“, sagt der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Stephan Allroggen, laut Mitteilung.

Von Stefan Dietrich