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Marburg Vorsichtiger Optimismus im Handwerk
Marburg Vorsichtiger Optimismus im Handwerk
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17:50 05.05.2021
Ein Maurer-Azubi arbeitet in einem Ausbildungszentrum. Laut aktueller Konjunkturumfrage hat das Bauhandwerk schon wieder fast Vorkrisenniveau erreicht.
Ein Maurer-Azubi arbeitet in einem Ausbildungszentrum. Laut aktueller Konjunkturumfrage hat das Bauhandwerk schon wieder fast Vorkrisenniveau erreicht. Quelle: Oliver Berg
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Kassel

Laut der aktuellen Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer Kassel (HWK) ist wieder mehr Zufriedenheit über alle Branchen hinweg im heimischen Handwerk zu spüren – und auch die Aussichten werden etwas besser beurteilt, als bei der vorherigen Umfrage im Winterquartal. „Der große Schock ist inzwischen überwunden, aber die Unsicherheit bleibt bei vielen Betrieben bestehen“, bilanziert Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel, die aktuelle Betriebsbefragung.

Nachdem der Geschäftsklimaindex im März 2020 auf einen historischen Tiefstwert von 55,8 Punkten gefallen war, ist er im aktuellen Berichtsquartal demnach wieder auf einen Wert von 100,3 Punkten gestiegen. „Aber wir beobachten nach wie vor eine massive konjunkturelle Zweiteilung innerhalb der Handwerksgewerke“, so Gringel. Während beispielsweise Friseure und Kosmetiker von Schließungen, Wiedereröffnungen, neuerlichen Schließungen, Hygiene- und Gesundheitsschutzmaßnahmen stark betroffen seien, erreichten Bau- und Ausbaugewerbe wieder ihr Vorkrisenniveau.

Verhaltene Erwartungen

Im 1. Quartal des Jahres sind einerseits insgesamt 73,1 Prozent der Befragungsteilnehmer mit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zufrieden, eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorquartal (VQ, 70,8 Prozent). Von ihnen bewerten 37,1 Prozent (VQ: 36,7 Prozent) ihre aktuelle Geschäftslage mit gut, weitere 36 Prozent (VQ: 34,1 Prozent) mit befriedigend. Andererseits geben 26,9 Prozent der aktuellen Lage eine schlechte Note (VQ: 29,2 Prozent). Die Geschäftserwartungen der Betriebe sind nach wie vor verhalten, aber etwas zuversichtlicher als vor drei Monaten: 14,3 Prozent (VQ: 8 Prozent) erwarten bis Ende Juni eine Verbesserung der Lage, 23 Prozent (VQ: 38 Prozent) eine Verschlechterung. Die übrigen 62,6 Prozent gehen von einer stabilen Situation aus.

Die Branchenunterschiede haben sich laut HWK in den vergangenen drei Monaten weiter verstärkt: Am härtesten sind demnach weiterhin die personenbezogenen Dienstleistungsgewerke, etwa Friseure, Fotografen oder Kosmetiker, von der Corona-Krise betroffen, nicht wenige haben Existenzängste – das Geschäftsklima (GK) steht bei 57,7 Punkten. Aber auch die Sorgen der Kfz-Gewerbe bleiben groß, mehr als jeder zweite Betriebsinhaber meldet schlechte Geschäfte (GK: 70,6 Punkte). Und Besserung ist nicht in Aussicht.

Auftragsreserven

Dagegen erreichte das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe (GK 125,2 respektive 122,7 Punkte) schon fast wieder das Vorkrisenniveau. Sowohl die Auftragslage als auch die Umsatztätigkeit seien auf erfreulich gutem Niveau. Durchschnittlich liegen die Auftragsreserven bei mehr als zehn Wochen. Die Gesundheitshandwerke (GK: 95,3 Punkte) haben sich nach dem Tiefstand vor einem Jahr weiter erholt. Beispielsweise Käufe von Brillen oder Zahnersatz werden aktuell nachgeholt. Auch die Bäcker und Fleischer können gegenüber dem Vorquartal wieder etwas zulegen (GK: 95,4 Punkte), obwohl das gesamte Catering- und Cafégeschäft nach wie vor stillliegt.

Der Blick auf die harten Konjunkturindikatoren zeigt die geteilte Lage ebenfalls: 37,6 Prozent der Befragten berichten immer noch über Umsatzrückgänge, jeder fünfte Betrieb meldet Zuwächse bei den Erlösen. Die Auftragseingänge, der wichtigste Frühindikator der konjunkturellen Entwicklung, legten gegenüber dem Vorquartal wieder zu, allerdings werden die üblichen Frühjahrswerte nicht erreicht. Die durchschnittliche Betriebsauslastung liegt aktuell bei 75,3 Prozent, knapp 30 Prozent der Betriebe melden Vollauslastung, ebenso viele eine Auslastung unter 60 Prozent.

Sorge aufgrund der Preisentwicklung

„Große Sorgen bereitet unseren Betrieben die aktuelle Preisentwicklung”, erläutert Gringel. Die Einkaufspreise „haben auf breiter Front zugelegt”. Insgesamt 60,1 Prozent der Befragten berichten von steigenden Preisen, im Bauhauptgewerbe sind es sogar 90 Prozent. Hintergrund sind die stark gestiegenen Preise für Holz und Stahl.

„Die wenigsten Betriebe können die gestiegenen Preise an ihre Kunden weitergeben, die Ertragssituation wird sich also für nicht wenige Betriebe verschlechtern”, verdeutlicht der Kammerpräsident. Auch andere Gewerke berichteten über höhere Preise durch die Hygieneauflagen, die sie ebenfalls nicht komplett an die Kunden weitergeben könnten.

Personalbestand vermindert

Trotz Kurzarbeit und Überbrückungshilfen hat sich der Personalbestand branchenübergreifend bei 17 Prozent der befragten Betriebe vermindert. Die Beschäftigtenzahl erhöhen konnten hingegen acht Prozent. Auch die Gewerke mit gut gehenden Geschäften verzeichnen einen negativen Beschäftigtensaldo, doch sei es dort wohl eher der Fachkräftemangel, der zum Tragen komme, schätzt die Kammer.

Von unseren Redakteuren

05.05.2021
05.05.2021