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Marburg Vorermittlungen in Altenpflegeheim
Marburg Vorermittlungen in Altenpflegeheim
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20:58 27.01.2021
Hinweisschild zum Altenpflegeheim „Haus Waldblick“ in Moischt. In der Einrichtung in dem Marburger Stadtteil war es Ende vergangenen Jahres zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen aufgenommen.
Hinweisschild zum Altenpflegeheim „Haus Waldblick“ in Moischt. In der Einrichtung in dem Marburger Stadtteil war es Ende vergangenen Jahres zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen aufgenommen. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

In Hessen sind nach Informationen des Hessischen Rundfunks bereits mehr als 2 500 Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen an oder mit Covid-19 gestorben.

Dabei stehe auch der Verdacht im Raum, dass mancherorts Hygienevorschriften nicht eingehalten wurden. So untersucht die Staatsanwaltschaft Marburg den Corona-Ausbruch in einem Heim im Kreis Marburg-Biedenkopf. Dabei handelt es sich nach OP-Informationen um das Haus Waldblick in Marburg-Moischt. Die Staatsanwaltschaft Hanau ermittelt unterdessen wegen ähnlicher Vorfälle in einem Heim im Main-Kinzig-Kreis.

Ermittlungen bisher nur in einer Einrichtung

Timo Ide, Sprecher der Staatsanwaltschaft Marburg, sprach gestern von Vorermittlungen: „Es handelt sich um sogenannte Todesermittlungsverfahren, die es immer dann gibt, wenn ein Arzt bei einer Leiche eine nicht natürliche Todesursache bestätigt.“ Staatsanwalt Ide sagte weiter, die Medienberichte über die dramatischen Zustände in dem Heim zum Jahresende hätten Staatsanwaltschaft und Polizei auf den Plan gerufen: „Wir prüfen jetzt, ob es im Zusammenhang mit den Todesfällen zu strafrechtlichen Handlungen gekommen ist.“

Dabei handele es sich zunächst nicht um ein Ermittlungsverfahren gegen eine oder mehrere Personen, sondern es gehe allein darum, festzustellen, ob es in der Einrichtung etwa zu Verstößen gegen Hygienevorschriften, zu nicht ordnungsgemäßer Behandlung oder zu einer Vernachlässigung in der Pflege gekommen sei. Dass Menschen in Heimen an oder mit Corona sterben, sei leider ein natürliches Vorkommnis, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Ide bestätigte, dass seitens der Staatsanwaltschaft Marburg derzeit nur in diesem einen Fall ermittelt werde, obwohl es auch in anderen Altenpflegeheimen im Landkreis zu Infektionsgeschehen gekommen sei.

Polizeisprecher Martin Ahlich sagte gestern, das Fachkommissariat für Kapitaldelikte sei für solche Todesermittlungsverfahren zuständig. „Diese Ermittlungen können sehr umfänglich sein und von Durchsuchungen bis zu Vernehmungen und Befragungen – etwa von Verwandten oder den jeweiligen Hausärzten – reichen.“ Einen aktuellen polizeilichen Ermittlungsstand gebe es derzeit noch nicht.

Kreisverwaltung ist informiert

Stephan Schienbein, Pressesprecher des Landkreises Marburg-Biedenkopf, bestätigte gestern, dass die Kreisverwaltung über die Vorermittlungen informiert worden sei: „Wir haben Kenntnis von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und werden die Arbeit der Ermittlungsbehörden bei Bedarf natürlich voll umfänglich unterstützen.“

Anwalt sieht „keine strafrechtliche Relevanz“

Rechtsanwalt Sascha Marks, der den Leiter der Einrichtung Steffen Bohl vertritt, sagte gestern auf OP-Nachfrage: „Ich habe zwar noch keine Akteneinsicht, aber auf Grundlage dessen, was mir bekannt ist, lehne ich mich so weit aus dem Fenster, zu sagen, dass die Ermittlungen eingestellt werden.“ Es gebe in dem Fall nichts, was strafrechtliche Relevanz habe: „Mein Mandant hat sich rein präventiv an mich gewandt.“

Hanau: Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Das bei der Staatsanwaltschaft Hanau anhängige Verfahren befindet sich im Gegensatz zu dem in Marburg bereits in einem fortgeschrittenen Stadium: Wie der Hanauer Oberstaatsanwalt Dominik Mies auf OP-Anfrage erklärte, wird nach entsprechenden Vorermittlungen jetzt wegen des Tatvorwurfs der fahrlässigen Tötung gegen einen oder mehrere Mitarbeiter eines Altenpflegeheims im Main-Kinzig-Kreis ermittelt.

Bei der Einrichtung handelt es sich nach OP-Informationen um das Seniorenheim Theresa in Großkrotzenburg. Auch dort war es bereits im Dezember vergangenen Jahres zu einem Corona-Ausbruch gekommen.

Nach Angaben der „Offenbach-Post“ waren zum Jahresende in dem privat geführten Heim mehr als 50 Bewohner positiv getestet worden, sieben Bewohner seien nach Angaben des Main-Kinzig-Kreises im Dezember gestorben. „Es sei damit zu rechnen, dass die Zahl noch steige“, zitierte die Zeitung seinerzeit sinngemäß einen Sprecher der Pressestelle des beim Kreis angedockten Gesundheitsamtes.

Von Carsten Beckmann

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