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Marburg Bündnis befürchtet Verschärfung am UKGM
Marburg Bündnis befürchtet Verschärfung am UKGM
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17:58 03.04.2020
Das UKGM in Marburg könnte bald zu Asklepios gehören. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

In der vergangenen Woche veröffentlichte der Rhön-Konzern seine Bilanz, weist erneut einen satten Gewinn aus. Zum Konzern gehört auch das UKGM – zumindest noch. Denn: Die Klinikkette Asklepios wird den Rhön-Konzern übernehmen – das hat zur Reaktivierung des Aktionsbündnisses „Gemeinsam für unser Klinikum“ geführt. Denn die Mitstreiter befürchten „eine weitere Verschärfung der Situation“.

Daher fordert das Bündnis, das Uniklinikum „endlich wieder in öffentliches Eigentum zu überführen. Wer nach wie vor den Mangel an Pflegekräften leugnet und während der Corona-Krise immer noch für Krankenhausschließungen eintritt, dem kann nicht die Gesundheitsversorgung einer ganzen Region überlassen werden“, heißt es vonseiten des Bündnisses. Die Haltung des Konzerns sei genau diejenige, „die unser Gesundheitswesen seit Jahren zerstört“, heißt es in der Mitteilung.

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Bereits beim Verkauf an die Rhön AG hätte sich Asklepios um die beiden Unikliniken beworben – die Landesregierung habe sich 2006 jedoch gegen den Konzern entschieden. „Nun drohen die beiden Unikliniken doch in die Hände des zweitgrößten deutschen Krankenhauskonzerns zu fallen“, befürchtet das Bündnis. Der Konzern sei bekannt für Outsourcing, Ausstieg aus Tarifverträgen und die Schließung ganzer Fachrichtungen und Kliniken. „Deshalb muss das Land Hessen jetzt aktiv für die Unikliniken eintreten, indem es wieder die Trägerschaft übernimmt“, fordert das Bündnis. Derzeit könne man „stärker denn je erleben, was eine Ökonomisierung des Gesundheitswesens bedeutet. Eine ausreichende Infrastruktur für Krisen ist nicht vorhanden“, da sich dies „betriebswirtschaftlich nicht rechnet. Höhere Gewinne lassen sich letztlich nur durch weitere Leistungsverdichtung und Sparen beim Personal verwirklichen“. Personal gebe es jedoch zu wenig – und immer mehr Pflegekräfte würden den Beruf verlassen. Das Land müsse daher „in den Verhandlungen verbindlich durchsetzen, dass Kündigungen und Änderungskündigungen ausgeschlossen sind und Outsourcing verboten wird“, so eine der Forderungen.

Zentrale Themen: Forschung, Lehre und Ausbildung

Zudem müssten bereits ausgegliederte Bereiche wieder zurückgeführt werden. Denn: „Zentrale Aufgaben der Unikliniken sind Forschung, Lehre und Ausbildung. Deshalb müssen Qualitätsmerkmale für Ausbildung und Lehre festgelegt werden und Ausbildungsplätze und -berufe erhalten bleiben. Außerdem muss die Übernahmegarantie für Auszubildende weiterbestehen.“

Darüber hinaus müsse das Land in einem Vertrag mit den privaten Investoren festlegen, dass der Tarifvertrag mit Verdi beziehungsweise dem Marburger Bund „verhandelt werden muss und der Tarifvertrag mindestens den Tarifverträgen der öffentlichen Kliniken entspricht oder die Universitätskliniken wieder in die Tarifgefüge des Landes Hessen eingegliedert werden“, heißt es weiter. Die beiden Standorte des UKGM spielten eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung der Region. „Deshalb müssen alle Fachdisziplinen erhalten bleiben. Um auch qualitative Merkmale zu etablieren, fordern wir Parität bei den Verhandlungen zwischen Aktionären und Regierung. Die Menschen, die in den Unikliniken arbeiten und die Experten sind, müssen mit an den Verhandlungstisch“, fordert das Aktionsbündnis.

Und wie ließen sich die Forderungen umsetzen? „Am besten und einfachsten erreichen wir das, indem die Universitätskliniken wieder dahin kommen, wo sie hingehören: in öffentliche Trägerschaft“, so das Bündnis.

Von Andreas Schmidt

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