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Marburg Von einer Notwendigkeit mit neuem Gesichtsgefühl
Marburg Von einer Notwendigkeit mit neuem Gesichtsgefühl
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08:00 27.04.2020
Maskenpflicht in Marburg: Elke Therre-Staal und Hans Georg Tacke. Quelle: FOTO: MANFRED HITZEROTH
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Marburg

Wie sehr sich das Alltagsbild dadurch verändern könnte, das hat man schon Ende dieser Woche in der Marburger Oberstadt erahnen können, wo wegen der vor kurzem erfolgten Öffnung der Geschäfte schon mehr Betrieb herrschte. Denn die Quote der Passanten mit Mund- und Nasenschutz ist in den vergangenen Tagen spürbar angestiegen.

Die Bandbreite der Masken, die die Marburger schon jetzt benutzen, ist äußerst vielfältig und reicht von einem eher medizinisch anmutenden Mund- und Nasenschutz bis hin zu selbst genähten „Alltagsmasken“. Auch der Einzelhandel ist aktiv: So werden in mehreren Geschäften Mund- und Nasenmasken als „Giveaways“ mitgegeben.

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Doch wie gehen die Marburger mit der neuen „Teil-Maskenpflicht“ im Alltag um? Seit ungefähr zwei Wochen trägt Elke Therre-Staal jetzt schon bei vielen öffentlichen Gängen eine Maske, die Mund und Nase bedeckt. Sie wurde von ihrer Tochter genäht und ist ein spezielles Modell Marke Eigenbau mit einer stilisierten britischen Flagge. „Man kann die Maske auch als ein modisches Accessoire nehmen“, meint die Marburgerin. Vom Tragekomfort sei die Alltagsmaske auch bequem. Aber das ist aus Sicht von Elke Therre-Staal eher zweitrangig. „Ich möchte damit auch demonstrieren, dass mir die Sicherheit der anderen wichtig ist“, sagt sie.

Eine Maske mit neutralerem Motiv, einem karierten Muster, hat sich ihr Mann Hans-Georg Tacke nähen lassen. Als Brillenträger freut er sich vor allem, dass es jetzt wieder wärmer wird und er hofft, dass die Brillengläser beim Maskentragen jetzt nicht mehr so sehr beschlagen. Auch er sieht das ab Montag zur Pflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln gehörende Tragen von Gesichtsmasken als ein Statement an, die Corona-Pandemie ernst zu nehmen.

So ähnlich sieht das auch der Marburger Werner Etling. Das Tragen der Maske demonstriere das Gefühl, dass einem die Gefahr bewusst ist. Er hat sich schon auf Montag vorbereitet und bereits seit einigen Tagen eine Maske Marke Eigenbau in der Öffentlichkeit aufgesetzt. „Das geht ganz gut. Es ist besser als gar nichts“, sagt Etling.

Ein wenig anders hingegen fühlte sich eine Passantin in der Oberstadt, die gerade in Vorbereitung des Montags eine FFP2-Maske in der Apotheke gekauft hatte. „Ich komme mir ein bisschen vor wie ein Hund mit Maulkorb“, sagte sie der OP. Genauso wie ihr Partner sieht sie aber die Notwendigkeit der Maskenpflicht ein. „Die Ansage hätte von der Politik eigentlich noch früher kommen müssen“, sagt ihr Partner.

„Aus Respekt vor den anderen“ trägt Sybille Korber bereits jetzt schon, immer wenn sie einkaufen geht, eine selbstgemachte Alltagsmaske, die im Prinzip aus einem roten Tuch besteht, das mit Haargummi gehalten wird. Ein wenig skeptisch ist sie allerdings, ob das wirklich etwas nützt. Aber wie alle anderen wird sie sich, zumindest auf absehbare Zeit, auf ein völlig neues „Gesichtsgefühl“ einstellen müssen.

von Manfred Hitzeroth

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