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Marburg Publikum hält zum Konzertverein
Marburg Publikum hält zum Konzertverein
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17:33 30.03.2020
Das hr-Sinfonieorchester gastierte im November vergangenen Jahres in Marburg. Quelle: Foto: Melanie Weiershäuser
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Marburg

Ihr Verstand sagt ihr aber, dass das Gastspiel der Vogtland Philharmonie und der Liederabend der Sopranistin Sybilla Rubens genauso dem Coronavirus-Ausnahmezustand zum Opfer fallen werden wie zuvor schon das Programm des Klavierduos Tal & Groethuysen am 14. März und der Auftritt des Cellisten Jakob Spahn in Begleitung der Sächsischen Bläserphilharmonie, der am gestrigen Freitag geplant war.

Erklingen sollte dort unter anderem das Cellokonzert des im Jahr 2000 gestorbenen Meisterpianisten Friedrich Gulda, der bei seinem einzigen Auftritt in Marburg in den 70er-Jahren vom Publikum mit Tomaten und Eiern beworfen wurde, weil er es gewagt hatte, statt Beethoven ein experimentelles Programm zwischen Jazz und Avantgarde zu spielen. „Wir wollen aber für alle vier Konzerte Ersatztermine finden“, betont Hensel im Gespräch mit der OP. Und kann schon ein Datum nennen: Am Samstag, 22. August, wollen Yaara Tal und Andreas Groethuysen nach Marburg kommen. Ob sie dann genau dasselbe Programm spielen werden, das für den 14. März vorgesehen war, ist noch nicht geklärt, sagt Hensel und lobt das Team des Erwin-Piscator-Hauses, das sich bei der Findung von Ausweichterminen „sehr kooperativ“ zeige. „Diese Ersatztermine sind wir aber auch unserem treuen Publikum schuldig“, erklärt die Vorsitzende des Konzertvereins, denn das habe überwiegend darauf verzichtet, seine bereits gebuchten Karten zu stornieren.

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In erster Linie aber ginge es um die Musiker. Denn diese sowie ihre Agenturen erhielten Honorare erst nach dem Auftritt, litten also am stärksten, oft existenzbedrohend, unter dem kompletten Stillstand des Kulturlebens. „Wir wollen auch so weit wie möglich selbstständig aus dieser Krise herauskommen“, antwortet Hensel auf die Frage, ob der Verein auf die vom Magistrat für Vereine und Kulturveranstalter in Aussicht gestellte Zusatzförderung zurückgreifen wolle. „Dabei hilft uns auch, dass wir derzeit finanziell solide aufgestellt sind“, berichtet Hensel. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren hart daran gearbeitet.“ Ergebnisse seien: steigende Zuschauerzahlen, ein stabiler Abonnentenstamm und ein größer gewordener Kreis von Mitgliedern. „Ein Rückschlag wie dieser hätte uns vor drei Jahren deutlich härter getroffen“, sagt Hensel.

Erfreulich sei auch, dass sich zunehmend mehr junge Menschen für das Angebot des Konzertvereins begeistern. „Das führen wir zurück auf unsere Präsenz im Internet und in sozialen Medien wie Facebook und Instagram“, sagt Hensel. Zudem werde auch das Angebot, online Karten zu kaufen, rege genutzt. Dadurch habe sich auch das Einzugsgebiet vergrößert – „oft auf ganz Hessen“. Einen Ausweichtermin für den Liederabend am 10. Mai zu finden, in dem unter anderem der in Marburg wirkende einzige Brahms-Schüler Gustav Jenner aus Anlass seines 100. Todestages gewürdigt werden sollte, dürfte dem Konzertverein-Vorstand deutlich leichter fallen als für die beiden Orchesterkonzerte, da in diesen Fällen weit mehr Beteiligte unter einen Hut zu bringen sind.

Möglicherweise werden die Sächsische Bläserphilharmonie und der Cellist Jakob Spahn sowie die Vogtland Philharmonie und der Pianist Chi Ho Han, der im Beethoven-Jahr das 1. Klavierkonzert des Jubilars spielen wollte, auch erst in der kommenden Saison ins Erwin-Piscator-Haus kommen, deutet Hensel an. Die Spielzeit 2020/2021 solle, wie es beim Marburger Konzertverein Tradition ist, nach den Herbstferien beginnen, also in der zweiten Oktoberhälfte.

Weitere Informationen: www.marburger-konzertverein.de

Von Michael Arndt

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