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Marburg Noa – die Retterin der sieben Geißlein
Marburg Noa – die Retterin der sieben Geißlein
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13:00 21.12.2019
OP-Praktikantin Noa Pötter hat bei der virtuellen Schnitzeljagd durch Marburg nicht nur die sieben Geißlein gerettet, sondern auch viel über die Universitätsstadt erfahren. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Es ist ein kalter, regnerischer Vormittag in Marburg. Die meisten Leute sind bei diesem Wetter im Warmen oder beeilen sich, möglichst schnell dort hinzukommen. Ich hingegen habe eine Mission: die sieben Geißlein zu retten! Der Masterstudiengang „Strategische Live Kommunikation“ der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) hat eine Stadtrallye mit der App „Actionbound“ entwickelt, in der Geißlein Margie und ihre sechs Geschwister gefunden und vor dem bösen Wolf gerettet werden sollen.

Die Aktion begann bei „Marburg b(u)y Night“ mit einer interaktiven Live-Projektion im Steinweg. Seitdem sind potentielle Retter eingeladen, an der Schnitzeljagd teilzunehmen, die Geißlein zu retten und Preise zu gewinnen. Ziel des Projektes ist neben Unterhaltung auch die Stärkung des Stadtbildes und des lokalen Einzelhandels.

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Bisher sei dieses Angebot, trotz großer Aufmerksamkeit und positiver Rückmeldungen bei „Marburg b(u)y Night“ leider schlecht angenommen worden, berichtet Sebastian Fath, Leiter des Projektes. Woran könnte das liegen? Jan-Bernd Röllmann, Geschäftsführer des Stadtmarketing Marburg, erklärt: „Wir finden das Projekt wirklich toll, um den stationären Handel zu unterstützen.“

So werden Sie zum Geißlein-Retter

Wer Lust hat, Marburg aus einem märchenhaften Blickwinkel zu erleben, Neues zu erfahren und vielleicht auch noch einen Preis zu gewinnen, kann bis zum 23. Dezember mit der App „Actionbound“ an der Rallye teilnehmen. Dazu die App aus dem Google Playstore oder dem Apple Appstore kostenlos downloaden und nach „Rettet die sieben Geißlein“ suchen.

Die Idee sei auch vom Werbekreis Oberstadt sehr gut angenommen worden. Das Stadtmarketing habe die Studenten unterstützt, indem es den Kontakt zwischen ihnen und den Einzelhändlern hergestellt und die Stadtrallye auf Facebook und der eigenen Homepage beworben hat. „Alle weiteren Werbeaktionen hat die Projektgruppe selbst organisiert“, sagt Röllmann.

Die Resonanz der Händler sei positiv gewesen, über die Anzahl der Rallye-Teilnehmer habe er jedoch keine Informationen. Mit Schal und Kapuze ausgerüstet begebe ich mich also auf die Suche. Die Rallye startet an der Elisabethkirche. Hier kann ich, nach Beantwortung einiger Fragen, direkt das erste Geißlein einsammeln. Beschwingt und motiviert mache ich mich auf den Weg in die Oberstadt.

Es dauert nicht lange, bis ich den ersten QR-Code im Schaufenster eines Optikers finde und mit dem Handy einscanne. So komme ich nicht nur den Geißlein näher, sondern sammle auch fleißig Punkte. Es geht weiter, und langsam packt mich der Ehrgeiz. Ich setze meine Suche fort, beantworte Fragen, sehe mir die Umgebung genau an und finde neben QR-Codes und Lösungsworten auch weitere Geißlein. Auf dem Marktplatz gibt es wieder einen Code – in einem Geschäft.

Als ich ihn einscanne, frage ich die Verkäuferin, wie viele Leute bisher wegen der Rallye vorbeigekommen sind. Sie kann sich nur an zwei Personen erinnern. Es scheinen nicht besonders viele Retter nach den Geißlein zu suchen.
Als ich den Laden verlasse und wieder auf dem Marktplatz stehe, erwacht der Weihnachtsmarkt langsam, die Straßen füllen sich. Ich sehe viele Menschen, die mit ihren Handys beschäftigt sind, aber keiner von ihnen hält an, um die Codes an den Geschäften einzuscannen.

Über den Grimm-dich-Pfad hinauf zum Schloss

Mein Weg geht nun weiter in Richtung Schloss. Die App führt mich über viele Stufen, an Aschenputtels Schuh und einem Schweinekopf vorbei, bis zur Aussichtsplattform über der Oberstadt. Ich halte inne, ein wenig atemlos von all den vielen Stufen, und lasse meinen Blick über das neblige Marburg schweifen. Plötzlich beginnt es zu schneien. Schon für diesen Ausblick hat sich die Anstrengung gelohnt! Ich sammle zwei weitere Geißlein ein, dann geht es wieder bergab.

In der Oberstadt riecht es nun nach gebrannten Mandeln, und durch den Schnee kommt bei mir ein wenig Weihnachtsstimmung auf. Nach fast zwei Stunden führt mich die Rallye schließlich zu meiner letzten Station: der Mauer im Steinweg und dem letzten Geißlein.

Nass und eingeschneit stehe ich nun vor dem Wolf und den nur noch sechs Geißlein an der Wand, denn eines wurde kürzlich zerstört (die OP berichtete). Da war ich wohl doch nicht schnell genug, aber vielleicht taucht das letzte wieder auf, wenn sich noch mehr Leute auf die Suche nach ihm machen.

Nach dieser Tour weiß ich nun etwas mehr über Marburg, habe versteckte Ecken kennengelernt und mein Wissen über Grimms Märchen erfolgreich unter Beweis gestellt. Außerdem wurde ich auf Geschäfte aufmerksam, die ich bisher noch nicht kannte. Trotz Regen und Schnee hatte ich viel Spaß bei der Suche nach Margie und ihren Geschwistern.

von Noa Pötter

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