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Marburg Von Goldbergen und Geldfeuerchen
Marburg Von Goldbergen und Geldfeuerchen
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12:57 10.10.2021
Otto Ubbelohde illustrierte auch das Märchen Sterntaler, das die Hoffnung auf Reichtum erzählt.
Otto Ubbelohde illustrierte auch das Märchen Sterntaler, das die Hoffnung auf Reichtum erzählt. Quelle: Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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Marburg

Was heute für eine große Anzahl von Menschen die Aussicht auf den Gewinn von vielen Millionen Euro beim Lottospiel ist, dürfte nicht nur für die Menschen des heutigen Landkreises in grauen Vorzeiten der Traum vom oder gar der Glaube an die Goldberge sein. Es ist noch gar nicht lange her, dass die Zeiten karg und das Leben der ländlichen Bevölkerung kein Zuckerschlecken waren, weil sie eben nicht in einem Land wohnten, wo einem die gebratenen Tauben in den Mund flogen.

Der goldene Berg

Diese märchenhafte Vorstellung des Schlaraffenlandes als einem Land des Überflusses, in dem Milch und Honig fließen und einem gebratene Tauben in den Mund fliegen, blieb in den meisten Fällen ein Traum, nur für einige Mardorfer im 18. Jahrhundert nicht. Denn vom Goldberg bei Amöneburg-Mardorf erzählten sich die Menschen vermutlich seit Jahrhunderten, dass Schätze darin verborgen seien. Denn schon im Jahr 1288 ist der Flurname belegt, und 1722, 1784 und 1842 wurden einzelne Goldmünzen an seinem Hang aufgelesen, mit denen die alten Erzählungen bestätigt schienen – 1880 endlich trat aus dem ausgewaschenen Hang ein keltischer Schatz von sogenannten Regenbogenschüsselchen zutage, gewölbten Goldmünzen mit Prägung, die ihren Namen von der Vorstellung hatten, sie seien von Regentropfen aus einem Regenbogen auf die Erde getragen worden.

Diese Vorstellung liegt vielleicht dem Märchen der Sterntaler zugrunde, auch wenn diese nach einem in der Landgrafschaft Hessen-Kassel 1776 bis 1779 geprägten Stern-Taler benannt waren. Diese waren mit dem Münzbild des hessischen Hausordens vom Goldenen Löwen versehen.

Jacob Grimm nahm das Märchen 1810 in kurzer Notiz unter dem Titel „Armes Mädchen“ auf, wohl von einer Novelle Achim von Arnims inspiriert. Es gehört damit in die frühe Zeit der Sammlung von Märchen durch die Brüder Grimm, die ganz wesentlich vom frühromantischen Kreis ihrer Studienzeit in Marburg, durch Brentano und Arnim vor allem, inspiriert war. Lesen Sie den dazugehörigen Artikel hier: „Auf den Feldern brennt das Geld“

Von Gianfranco Fain und Siegfried Becker

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