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Marburg Vom Praktikanten zum Film-Produzent
Marburg Vom Praktikanten zum Film-Produzent
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17:03 23.11.2020
Der exzentrische Anwalt Falk (Fritz Karl, Mitte) will das TV-Publikum erobern. Ihm zur Seite stehen in der Kanzlei Offergeld & Partner seine Chefin Sophie Offergeld (Mira Bartuschek) und der Kollege Bitz (Moritz Führmann).
Der exzentrische Anwalt Falk (Fritz Karl, Mitte) will das TV-Publikum erobern. Ihm zur Seite stehen in der Kanzlei Offergeld & Partner seine Chefin Sophie Offergeld (Mira Bartuschek) und der Kollege Bitz (Moritz Führmann). Quelle: Foto: ARD/Kai Schulz,
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Marburg/Köln

Der Marburger Peter Güde hat eine steile Karriere beim Fernsehen hingelegt – vom RTL-Praktikanten zum gefragten Drehbuchautor und Filmproduzenten. Güde hat unter anderem die Erfolgsserien „Mord mit Aussicht“ und „Die Rentnercops“ als Produzent und Autor mit verantwortet, für „Pastewka“ geschrieben, „Stromberg – der Film“ und die Serie „Stromberg“ betreut, den Deutschen Comedypreis und den Bayerischen Filmpreis für den Film „Vorsicht vor Leuten“ erhalten und er war dreimal für den Adolf-Grimme-Preis nominiert.

Heute Abend startet um 20.15 Uhr zur besten Sendezeit in der ARD die zweite Staffel der Anwaltsserie „Falk“ mit einer Doppelfolge. Es ist Güdes jüngstes Projekt. Wieder ist er Produzent, zwei der sechs Folgen hat er geschrieben, bei zwei weiteren war er zudem Co-Autor. Doch wie wird man TV-Filmproduzent und Drehbuchautor? Peter Güde ist ein Sonderfall: Er ist Autodidakt, hat sich alles selbst beigebracht.

Peter Güde wurde 1977 in Marburg geboren, ist in Wehrshausen aufgewachsen, hat an der Elisabethschule sein Abitur gemacht und anschließend den Zivildienst absolviert. Filme haben ihn schon damals fasziniert. „Ich gehöre zu einer Generation, bei der das deutsche Kino der 90er Jahre zur Sozialisation beigetragen hat“, sagt er und verweist auf Filme wie „Der bewegte Mann“ oder Regisseure wie Roland Emmerich. „Ich habe festgestellt: Es gibt Leute, die damit Geld verdienen, die da richtig arbeiten.“

Das wollte er auch. Ende der 90er Jahre machte er ein vierwöchiges Praktikum bei RTL in Köln. Er hatte Glück: „Die späten 90er Jahre waren die Goldgräberjahre des Fernsehens. Die privaten Sender entdeckten fiktionale Geschichten, der Markt dafür wurde schlagartig verdoppelt. Und es wurde mit Geld um sich geschmissen“, erinnert er sich an diese Zeit.

Ihm gelang das, was in der TV- und Filmszene als „Kölner Karriere“ bezeichnet wird: ohne Studium und ohne Ausbildung in der Branche Fuß zu fassen. „Ich war zwar an der Uni eingeschrieben, aber dort war ich im Grunde nicht“, sagt er. Stattdessen hat er sich von Praktikum zu Praktikum gehangelt, landete schließlich bei der Firma „Action Concept“, die Serien wie „Alarm für Cobra 11“, „Der Clown“ oder „Die Motorrad-Cops“ produzierte.

„Was willste denn machen?“, wurde er gefragt. „In erster Linie Drehbücher schreiben“, antwortete er. „Gut, ich brauche einen Juniorproducer. Ab morgen – alles klar.“ So oder ähnlich habe man damals Jobs beim Fernsehen in Köln gefunden. „Für einen 20-Jährigen, der keine Ausbildung und keine Ahnung hat, habe ich damals richtig gut Geld verdient“, sagt Peter Güde.

„Die Goldgräberjahre kommen wieder“

Einen solchen Einstieg würde er heute aber keinem anderen jungen Menschen raten. „Das ist riskant“, sagt er. „Es kann sein, dass man sieben Jahre in der Szene rumdümpelt und dann mit leeren Händen da steht.“ Für ihn hat sich das Risiko gelohnt. Nach zwei Jahren bei „Action Concept“ wechselte er als Juniorproducer zur ZDF-Tochter Network-Movie. Fast fünf Jahre blieb er dort, betreute TV-Serien – bis er eines Tages Ralf Husmann von der Produktionsfirma brainpool traf. Mit Comedy-Formaten wie „Stromberg“ oder „Ladykracher“ und Shows wie „Schlag den Raab“ war und ist brainpool eine der erfolgreichsten deutschen Produktionsgesellschaften. Wieder ging es ganz schnell. Er brauche einen Producer für „Dr. Psycho“, sagte Husmann bei einem Mittagessen. Er müsse aber sofort anfangen. Gesagt, getan.

Inzwischen ist Peter Güde freier Produzent und richtig gut im Geschäft. Als Produzent ist er verantwortlich für den Erfolg des Projekts: Von der Drehbuchentwicklung über die Kalkulation und Finanzierung bis hin zur Fertigstellung. Güde hat die 2. und 3. Staffel der ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ und den Abschlussfilm „Ein Mord mit Aussicht“ produziert, die „Die Rentnercops“ und nun die zweite Staffel der ARD-Serie um den exzentrischen Anwalt Falk. Es sind durchweg TV-Erfolge. Und er hat eine ganze Reihe von Projekten in Arbeit und in Vorbereitung.

Was rät er jungen Leuten, die zum Film oder zum Fernsehen wollen? „Die Wege sind im Wesentlichen gleich geblieben“, sagt Peter Güde. „Man kann es autodidaktisch schaffen, ich würde aber dennoch raten, zusätzlich eine Berufsausbildung zu machen. Denn der Umgang mit jungen Autodidakten beim Film ist einigermaßen ausbeuterisch. Es wird in einer merkwürdigen Währung bezahlt, die heißt: Wir sind die Coolen.“ Geld gibt es also kaum, dafür aber eine „coole“ Haltung. Güde glaubt aber auch: „Die Goldgräberjahre kommen gerade wieder – durch die Streamingdienste.“

Von Uwe Badouin

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