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Marburg Vom Optimismus in schwierigen Zeiten
Marburg Vom Optimismus in schwierigen Zeiten
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16:59 03.07.2022
Dr. Florian Langenscheidt war Gastredner beim Gesprächsforum der Sparkasse.
Dr. Florian Langenscheidt war Gastredner beim Gesprächsforum der Sparkasse. Quelle: Andreas Schmidt
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Dem Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Andreas Bartsch war die Freude anzusehen, dass es „endlich wieder losgeht“, wie er zur Eröffnung des Gesprächsforums am Donnerstagabend im Erwin-Piscator-Haus sagte – nach nahezu drei Jahren konnte er wieder Gäste zu diesem Format begrüßen. Die Zeiten seien – vor allem aktuell durch den Krieg in der Ukraine – alles andere als leicht. „In solchen Zeiten brauchen wir Optimismus“, so Bartsch. Aus diesem könne man die Kraft schöpfen, „schwierige Zeiten zu meistern und entschlossen und selbstbewusst nach vorne zu schauen“.

Ohne Optimismus kann man nicht existieren

Aus diesem Grund hatte die Sparkasse Dr. Florian Langenscheidt als Redner verpflichtet: Der Verleger, Buchautor, Redner und Wagniskapitalgeber beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit den Themen „Glück“ und „Optimismus“, hat zahlreiche Bücher dazu geschrieben.

Trotz aller Krisen steht für Langenscheidt fest: „Die Welt besteht aus beidem – wir können nicht immer nur auf das Negative fokussieren.“ Auch wenn das derzeit durch den Ukraine-Krieg omnipräsent sei. Manche Menschen würden fragen, wie man angesichts des Elends und der Not in der Welt Optimismus entwickeln könne. „Ich frage eher, wie man ohne Optimismus existieren kann. Hätte ich nicht das Gefühl, irgend etwas zum Positiven ändern zu können – wie könnte ich leben in der Ungerechtigkeit?“

Für Langenscheidt steht fest, dass Optimismus „der Treibstoff des Motors unserer Existenz“ ist. Und auch wenn Situationen manchmal auswegslos erschienen, so formuliert er: „Glück ist meine eigene Entscheidung“ – also alles eine Einstellungssache. Als Beispiel nannte er Sportler bei den Paralympics. Diese hätten durch tiefe Einschnitte in ihre Gesundheit ein Handicap erlitten. Doch statt sich davon unterkriegen zu lassen, hätten sie die vermeintliche Schwäche durch Willenskraft in etwas Positives gewandelt.

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Mit zwölf Taktiken den Optimismus erhalten

Langenscheidt gab den Besuchern zwölf kleine und große Taktiken und Strategien an die Hand, „wie man sich den Optimismus immer wieder holt und wie man ihn erhält“.

Für den ersten Tipp bemühte er Albert Einstein, der gesagt hat: „Es gibt viele Wege zum Glück – einer davon ist, aufhören zu jammern.“ Für den Referenten steht fest: „Ich kann immer klagen – aber dadurch verändert sich nichts.“

Jeder habe auch große Traumata von Ereignissen, „die uns den Boden unter den Füßen weggezogen haben, die Teil unserer Geschichte sind. Sie sind da. Aber ich muss selbst bestimmen, wie viel Macht ich ihnen im Alltag gebe.“ Er selbst habe diese Dinge zwar im Kopf, betrete diese Räume dann und wann – „aber irgendwann mache ich diese Türe auch zu. Es gehört zu mir, aber ich gebe den Dingen nicht die Macht über mein Leben.“

Wenn einem selbst die eigenen Probleme immens groß erschienen, dann helfe es, zu sehen, „dass es so viele Menschen gibt, denen es wesentlich schlechter geht“ – Langenscheidt nannte dies seine „Klein-mit-Hut-Taktik“.

Eine weitere Taktik sei es, Dankbarkeit statt Neid zu entwickeln – „das hilft enorm bei Optimismus und dem Behalten desselben“. Wer keine Dankbarkeit empfinde, „der hat es spürbar schwerer auf dem Weg zum Glück und zum Optimismus“.

Langenscheidt gab dem Publikum noch einige weitere dieser Tipps mit auf den Weg – und verdeutlichte: „Optimismus ist die größte erneuerbare Energie, die wir besitzen. Er ist kostenlos und wir können ihn letztlich jeden Tag und jede Stunde neu in uns generieren. Wenn wir das schaffen, dann mache ich mir relativ wenige Sorgen um diese Welt.“

Von Andreas Schmidt