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Marburg Vom Hype ist im Kreis wenig zu spüren
Marburg Vom Hype ist im Kreis wenig zu spüren
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18:58 20.03.2021
Mallorca ist kein Corona-Risikogebiet mehr. Dennoch ist es an der Playa de Palma noch ruhig. Fluggesellschaften planen zu den Osterferien aber weitere Flüge aus Deutschland nach Mallorca. Doch im Landkreis Marburg-Biedenkopf wird keine starke Nachfrage verzeichnet.
Mallorca ist kein Corona-Risikogebiet mehr. Dennoch ist es an der Playa de Palma noch ruhig. Fluggesellschaften planen zu den Osterferien aber weitere Flüge aus Deutschland nach Mallorca. Doch im Landkreis Marburg-Biedenkopf wird keine starke Nachfrage verzeichnet. Quelle: John-Patrick Morarescu
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Marburg

Kaum ist Mallorca, die Lieblingsinsel der Deutschen, kein Corona-Risikogebiet mehr, da ordern Reiseveranstalter zusätzliche Flugkapazitäten. Dem Vernehmen nach gehen die Mallorca-Buchungszahlen hoch. Auf manchen Portalen ist von einem Hype die Rede.

Nach einem Jahr Corona-Pandemie mit erheblichen Reisebeschränkungen wollten die Deutschen an Ostern wieder in die Sonne, heißt es. Doch wie viele Touristen über Ostern tatsächlich auf Malle sein werden, ist noch nicht absehbar.

Wieder Urlauber auf Mallorca

„Am Wochenende ist es am Ballermann schon ziemlich voll“, zitiert die Deutsche Presseagentur Beatrice Ciccardini, die Wirtin der Bar „Zur Krone“. Mittlerweile würden sogar die Parkplätze rar, „alles steht mit den Mietwagen der Urlauber voll.“ Ob das Wunschdenken der Gastronomen auf einer Insel ist, die extrem vom Tourismus abhängig ist, oder ob es der Realität entspricht, ist nicht ganz klar.

Der größte deutsche Reiseanbieter Tui meldet zumindest anhaltend starke Buchungen. Es gebe eine deutliche Nachfrage für die neu aufgelegten Reisen.

Tui: Doppelt so viele Mallorca-Buchungen wie vor Corona

Tui erklärte, man habe bisher etwa doppelt so viele Mallorca-Buchungen in den Systemen wie vor den Osterferien im Jahr 2019, also dem Vergleichszeitraum vor der Corona-Krise. So mehren sich inzwischen in Deutschland auch die Warnungen von Virologen und Politikern vor einem zweiten Ischgl auf der Trauminsel im Mittelmeer.

Die Bundesregierung hatte vor einer Woche entschieden, Mallorca und andere Regionen in Spanien wegen niedriger Infektionszahlen von der Liste der Corona-Risikogebiete zu streichen und damit auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufzuheben. Damit ist – Stand jetzt – Urlaub auf der Lieblingsinsel der Deutschen wieder ohne Quarantäne und Testpflicht bei der Rückkehr möglich.

Sorge um Reisesaison wie im Vorjahr

Genaue Zahlen, wie viele Urlauber aus Deutschland und anderswo derzeit auf Mallorca und den anderen Baleareninseln sind, hat das örtliche Tourismusministerium nicht. Der Hotelierverband FEHM nennt eine Auslastung der 49 geöffneten Hotels von 10 bis 15 Prozent. Das ist nicht viel. Insgesamt gibt es auf Mallorca rund 1000 Hotels mit etwa 200.000 Betten. Vom Mallorca-Osterferien-Hype ist bei heimischen Reisebüros aktuell jedenfalls wenig zu spüren. „Mallorca spielt in unseren Filialen in Wetter und Cappel derzeit so gut wie keine Rolle“, sagt Alexandra Stingel vom Reisebüro in Wetter.

„Vom Mallorca-Boom kriegen wir nichts mit.“ Wenn, gebe es derzeit vereinzelt Anfragen für die Zeit ab Juni und den Herbst. Sie fürchtet vielmehr, dass die Reisesaison eher wie im Vorjahr läuft. Das heißt: 0,0 Einnahmen. „Hier geht es schon ans Eingemachte“, sagt sie und hofft auf das Überbrückungsgeld. Das größte Problem aus ihrer Sicht sei die schleppende Impfung. „Hier hat die Regierung komplett versagt.“ Und wenn man in diesem Jahr noch reisen kann, dann wird dies teurer. „Die Preise sind zum Teil exorbitant angezogen.“

Peil: Menschen sind verunsichert

Auch Matthias Lesch von Eriks Reisebüro in Marburg registriert keinen Mallorca-Osterboom. Es gebe „ein paar wenige Anfragen“. Eventuell sehe es im Herbst besser aus, vielleicht seien sogar Fernreisen denkbar. „Aber so, wie sich das hinzieht mit den Impfungen“, wage er derzeit keine Prognose. Auch er meint: „Reisen wird teurer – auf jeden Fall.“

Gabi Peil vom Marburger Reisebüro meint: „Die Menschen sind immer noch verunsichert.“ Ein paar Buchungen habe es gegeben, ein Boom sei das nicht. „Es ist alles noch ganz zäh. Impfungen sind der Schlüssel, sonst wird es wieder ein schweres Jahr für die Branche“, fürchtet sie. Zu den Preissteigerungen meint sie: „Viele Reisen sind früher verramscht worden. Man muss auch sehen, dass die gesamte Tourismusbranche und auch das Gastgewerbe erhebliche Einbrüche bei hohen Investitionen in die Corona-Hygienemaßnahmen hatte.“

Von Uwe Badouin

20.03.2021
20.03.2021