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Marburg Vom Brüderhaus zur Lebensgemeinschaft
Marburg Vom Brüderhaus zur Lebensgemeinschaft
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08:58 01.05.2021
Links auf dem Bild sieht man das erste kleine Gebäude (Haus Zora), der Tabor-Brüder am Ortenberg.
Links auf dem Bild sieht man das erste kleine Gebäude (Haus Zora), der Tabor-Brüder am Ortenberg. Quelle: Tabor
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Marburg

​Die Jubiläumsfeier, die zumindest in diesem Jahr eigentlich in Präsenz stattfinden sollte, soll nun wenigstens digital steigen.

„Mit dieser digitalen Veranstaltung wollen wir die Geschichte Gottes mit Tabor feiern“, sagt Direktor Matthias Frey. „Seit der Gründung hat Gott durch viele Wunder die Entwicklung Tabors gelenkt und bestätigt. Darüber sind wir sehr dankbar”.

Die Geschichte der Vereinigung skizziert Professor Frank Lüdke nach. Man habe die Taborleute in den ersten Jahren „Die Blauen“ genannt, weil sie zum einen blaue Arbeitsschürzen trugen und zum anderen Anstecknadel des Blaukreuzvereins bei ihnen zu sehen waren, erläutert Lüdke. Im Jahr 1920 seien diese „Blauen“ dann erstmals am Ortenberg aufgetaucht, als hier vom „Brüderhaus Tabor“ einer Ausbildungsstätte für evangelische Diakone, 10 Hektar Land erworben wurden.

Diese Einrichtung war bereits elf Jahre vorher, – am 1. Mai 1909 – im Marburger Stadtteil Wehrda als „kleiner Bruder“ des dortigen Diakonissen-Mutterhauses Hebron gegründet worden. „Tabor“ wurde es genannt nach einem Berg in Israel, auf dem nach einem biblischen Bericht Jesus einmal in besonderer Weise von den Jüngern erkannt worden war. Dieses erhoffte man sich auch für die „Taborbrüder“, erklärt Lüdke. Nach dem Ersten Weltkrieg sollte dieses Diakonen-Ausbildungszentrum mit einem eigenen großen Gelände neuen Raum zur Entfaltung bekommen – und das fand man auf dem damals noch fast menschenleeren Ortenberg.

Am Ortenberg wurde zunächst ein Wirtschaftshof gebaut, um die Versorgung sicherzustellen. 1925 kam ein Brüderhaus hinzu, das heute als Alten- und Pflegeheim genutzt wird. Auf dem Tabor-Gelände befinden sich heute außerdem ein Kindergarten, ein Gästehaus, ein Konferenz- und Tagungszentrum sowie die Evangelische Hochschule Tabor mit einem Studentenwohnheim.

Im März 1923 fanden erstmals die Tabor-Karfreitagsfeier in den Stadtsälen Marburgs sowie die Passions- und Osterkonferenz in Tabor statt. 1925 erfolgte die Einweihung des neuen Brüderhauses, das Platz für 60 Brüder bot.

Nach dem Entschluss, Brüder als Missionare in die Welt zu schicken, reisten Johannes Dietrich und Eugen Wilhauck im Dezember 1929 als erste Taborbrüder nach China. Im Jahr 1932 nahmen die ersten Brüder ihren missionarischen Dienst in Brasilien auf.

Auch im Zweiten Weltkrieg zwischen 1939 und 1945 wurden fast alle Mitglieder der Bruderschaft zum Militär eingezogen und der Seminarbetrieb kam zum Erliegen. Tabor wurde zum Lazarett und es gab Bombentreffer im Brüderhaus. Nach der Wiederaufnahme des Seminarbetriebs im Jahr 1946 wurde auch das Altenheim Tabor mit 50 Bewohnern eröffnet. In den 60er- und 70er-Jahren erfolgten auch aufgrund des hohen Zuspruchs zu Jugendtreffen der Neubau eines Konferenzhauses und eines Seminargebäudes.

1998 nahmen die ersten Frauen ihr  Studium am Theologischen Seminar auf. 1999 erfolgte schließlich auch folgerichtig die Umbenennung der bisherigen Bruderschaft in ‚Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor’. Im Jahr 2009 bekam die Marburger Organisation die staatliche Genehmigung als „Evangelische Hochschule Tabor“ und der Bachelor-Studiengang Evangelische Theologie sowie die Masterstudiengänge Evangelische Theologie und Evangelische Gemeindepraxis wurden gestartet.

Der Jubiläumsfahrplan

Die Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor feiert am Samstag, 1. Mai, nun ganz offiziell ihr 100-jähriges Bestehen am Ortenberg in Marburg mit einer digitalen Geburtstagsfeier. 

Ab 10.30 Uhr streamt Tabor die sechsstündige Live-Veranstaltung mit bunten Geburtstagsprogramm inklusive Festgottesdienst mit Abendmahl über den Tabor-„YouTube“- Kanal. 

Und das ist das Programm: 

9.30 Uhr: Pre-Show via YouTube

10 bis 12.30 Uhr: Festgottesdienst via YouTube (inklusive kurzer Pause und Abendmahl)
13.30 bis 15 Uhr: Online Begegnung & Video-Empfehlungen

Online Begegnung

Nach dem Festgottesdienst gibt es die Möglichkeit, sich in Zoom-Räumen zu begegnen.

    • Begegnung & Austausch mit Matthias Frey via Zoom (jeweils um 13.30 und 14.00 Uhr)
    • Begegnungsorte auf Zoom
    • TABOR Streiche (extra Raum der Begegnungsorte) mit Elisa Knierim (jeweils um 13.30 und 14.00 Uhr)

Außerdem gibt es Video-Empfehlungen auf dem „YouTube Kanal“. 

Dazu zählen folgende Videos:

    • Einblick in das Leben der Studierenden im Wohnheim
    • „TABOR Geschichtsstunde“ mit Professor Frank Lüdke
    • Grüße befreundeter Werke, Kirchen und Organisationen
    • Grüße aus der Lebensgemeinschaft
    • Grüße aus dem Kindergarten, Altenpflegeheim und der Hochschule
    • Berichte aus der Geschichte mit Harry Wollmann & Günther Hopp

Von Manfred Hitzeroth