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Marburg Volatile Baustoffpreise erschweren Betrieben die Arbeit
Marburg Volatile Baustoffpreise erschweren Betrieben die Arbeit
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11:00 13.07.2021
Während der Jahreshauptversammlung der Zimmerer-Innung zeichnete Obermeister Hartmut Pfeiffer (Mitte) Thomas Würz (links) zu dessen 25-jährigem Meisterjubiläum aus und ernannte Gerhard Heuser zum Ehrenmeister der Innung.
Während der Jahreshauptversammlung der Zimmerer-Innung zeichnete Obermeister Hartmut Pfeiffer (Mitte) Thomas Würz (links) zu dessen 25-jährigem Meisterjubiläum aus und ernannte Gerhard Heuser zum Ehrenmeister der Innung. Quelle: Andreas Schmidt
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Stadtallendorf

Es ist eine skurrile Situation, in der sich auch die Mitgliedsbetriebe der Zimmerer-Innung Marburg derzeit befinden: Die Auftragsbücher sind voll – und doch fällt es den Handwerkern mitunter schwer, die Aufträge so, wie geplant, abzuarbeiten. Denn, so erläuterte es Hartmut Pfeiffer, Kreishandwerksmeister und Obermeister der Zimmerer-Innung jüngst während der Jahreshauptversammlung: „Wir haben eine erhebliche Materialpreissteigerung zu verzeichnen“, so Pfeiffer – und das nicht nur bei Holz, „sondern auch bei allen anderen Produkten. Entsprechend schwierig wird es, längerfristig gültige Angebote abzugeben“, so Pfeiffer. Für Unternehmen, die entsprechend langfristige Verträge bereits abgeschlossen hätten, sei die Situation sehr schwierig.

Viele Container voll mit Borkenkäfer-Holz seien nach China verschifft worden, „aber auch auf dem amerikanischen Markt herrscht eine große Nachfrage“, sagt Pfeiffer. Dort werde „ein viel höherer Einstandspreis“ gezahlt – das führe auch vor Ort zu den bekannten Auswirkungen.

In den Außenhandel mit Zöllen einzugreifen ist aus Sicht des Obermeisters „zu kurzfristig gedacht“, denn damit riskiere man letztlich Verwerfungen im Welthandel, der ja nicht auf das Produkt Holz isoliert sei. „Diese Verwerfungen müssten wir vielleicht dann in einer viel größeren Katastrophe aushalten“, gab Pfeiffer zu bedenken.

Preis hat sich auf hohem Niveau gefestigt

„Insofern müssen wir die gestiegenen Preise annehmen und sie letztlich auch verkaufen – da kommen wir nicht drum herum.“ Die sprunghaften Preissteigerungen seien offenbar vorbei, „der Preis hat sich auf hohem Niveau gefestigt“, sagt Pfeiffer. Und das nicht nur bei Bau- und Konstruktionsholz, sondern auch bei Hobelware. Aus diesem Grund hatte Mitte Mai auch ein „Runder Tisch“ mit Vertretern aus Bauhandwerk, Bauwirtschaft, Holzwirtschaft und dem Bundeswirtschaftsministerium stattgefunden – dort wurde ein ganzes Maßnahmenbündel besprochen. So beispielsweise, dass die Einschlagbegrenzung für Fichtenholz ausgesetzt werden soll, die öffentliche Hand eine Vorbildrolle bei Bauaufträgen hinsichtlich des Umgangs mit den steigenden, volatilen Rohstoffpreisen und den Rohstoffengpässen einnehmen soll – und weitere Punkte.

Die Pandemie hat der Branche zumindest nicht über die Maßen geschadet, „die Auftragslage ist gut, weil Kunden ihr Geld nicht mit Urlaub ins Ausland getragen haben, sondern sie doch eher in die Terrasse, den Carport oder andere Vorhaben investiert haben“, verdeutlicht der Obermeister.

Thema Fachkräfte treibt das Handwerk weiter um

Getrübt wird die Auftragslage aber nicht nur durch die Rohstoff-Problematik: Auch das Thema Fachkräfte treibt die Handwerker weiter um. „Zwar gibt es durch die Industriebetriebe in der Region noch nicht die größte Konkurrenz. Aber dennoch fehlen uns bereits Fachkräfte – jedenfalls spüre ich das in meinem Betrieb so.“ Er regte an, sich gegenseitig auch mit Personal auszuhelfen, „sodass man die Betriebe über kollegiales Zusammenarbeiten schlagkräftiger macht“. Der Vorteil: „Wir rücken dadurch für die Kunden näher zusammen und ersetzen den ganz harten Wettbewerb, der teilweise seit den 90er-Jahren gefahren wurde.“

Auch sei es weiterhin schwierig, neue Auszubildende zu gewinnen. Da war es für die Zimmerer auch nicht hilfreich, dass die Aktionswoche Handwerk aufgrund der Pandemie im vergangenen Jahr nicht mit praxisnahen Übungen auf dem Gelände der Kreishandwerkerschaft stattfinden konnte, sondern ins „Virtuelle“ abwandern musste. Und: Das werde auch dieses Jahr so sein. „Wir sind Handwerker, Handwerk ist haptisch – das ist natürlich schwierig, online zu transportieren“, gab Pfeiffer zu bedenken. Doch er weiß auch: „Wir haben bei jeder Aktionswoche Handwerk dazugelernt und uns weiterentwickelt – das wird auch jetzt klappen.“

Einig waren sich die Mitglieder darin, dass sie die Vorbereitungen zur Landesverbandstagung unterstützen, die im Herbst in Stadtallendorf stattfinden soll. Dazu regte Hartmut Pfeiffer an, für den „Zunftabend“ neben Musik und Programm auch Meisterschüler einzuladen – auch vor dem Hintergrund, diese vielleicht für die Betriebe vor Ort zu begeistern.

Auf Vorschlag von Hartmut Pfeiffer wählten die Mitgliedsbetriebe Zimmerermeister Gerhard Heuser aus Altenvers einstimmig zum Ehrenmeister der Innung. Heuser war von 1990 bis 2013 Vorstandsmitglied der Zimmerer-Innung; zunächst sechs Jahre als Lehrlingswart und anschließend als stellvertretender Obermeister. Seit 2013 ist er weiterhin als Kassenprüfer für die Innung tätig.

Katrin Sultan (Ebsdorf) wurde zudem als dritte Kassenprüferin nachgewählt.

Zudem ehrte Pfeiffer seinen Stellvertreter Thomas Würz aus Rauschenberg für sein 25-jähriges Meisterjubiläum. Das hatte er zwar bereits vergangenes Jahr – doch aufgrund der Pandemie gab es die Urkunde erst jetzt.

Von Andreas Schmidt

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