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Marburg „Wir müssen innovativer denken“
Marburg „Wir müssen innovativer denken“
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10:00 28.06.2022
Daniela Blüder, Bereichsleiterin der Agentur für Arbeit Marburg.
Daniela Blüder, Bereichsleiterin der Agentur für Arbeit Marburg. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Ihr erster öffentlicher Auftritt in „verantwortungsvoller Position“ – also als stellvertretende Leiterin der Agentur für Arbeit Marburg – liegt für Daniela Blüder schon etwas zurück: Im März leitete die 45-Jährige erstmals die Pressekonferenz zu den Arbeitsmarktdaten im Landkreis. „Ich war schon ziemlich aufgeregt“, sagt sie lachend in der Rückschau. Mittlerweile sei sie jedoch „in Marburg und den Marburger Themen angekommen“.

Marburg war für sie zwar schon längst kein Neuland mehr – schon seit 2017 arbeitete Daniela Blüder als Teamleiterin in der Eingangszone der Marburger Arbeitsagentur. „Aber in der Öffentlichkeit stand ich dabei nie so sehr, da bin ich auch nicht der Typ für“, sagt sie im Gespräch mit der OP. Das komme nun mit dem Job „und ist daher eine der Sachen, die ich noch lernen muss“.

In „große Fußstapfen“ getreten

Zum 1. Februar trat Blüder die Nachfolge des „Agentur-Urgesteins“ Gerhard Wenz an. „Er hat große Fußstapfen hinterlassen – vor dem, was er hier geleistet hat, habe ich großen Respekt“, sagt Blüder. Vor allem habe Wenz es verstanden, „ein hervorragendes Netzwerk aufzubauen“ – das will seine Nachfolgerin nicht nur erhalten, „sondern weiter ausbauen“.

Doch wie kam sie überhaupt zur Arbeitsagentur? „Vor dem Abitur war ich beim Arbeitsamt zur Berufsberatung. Und bekam unter anderem den Vorschlag, beim Arbeitsamt ein Duales Studium zu absolvieren.“ Blüder, die als erste in ihrer Familie überhaupt Abitur gemacht hatte, reizte das Thema sehr – nicht nur wegen des Berufs, „sondern zusätzlich, weil so die Finanzierung des Studiums gleich gesichert war“. Schon sehr früh „hatte ich ein Faible dafür, zu schauen, welche Möglichkeiten die Menschen haben, um sich weiterzubilden, sich zu qualifizieren – eben was aus sich zu machen“, sagt Daniela Blüder. Das nun zum Beruf zu machen, „das war eine tolle Gelegenheit“.

Sie absolvierte das Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin, arbeitete im Anschluss von 1999 bis 2017 als Arbeitsvermittlerin bei den Arbeitsagenturen Wetzlar und Dillenburg – davon in den vergangenen drei Jahren auch parallel als stellvertretende Teamleiterin. „Dabei ist es für mich von jeher wichtig gewesen, den direkten Draht zu den Menschen zu haben.“ Kunden – gerade im Reha-Bereich – in Arbeit zu vermitteln „oder auf andere Weise zu helfen, indem man die Fördermöglichkeiten auslotet – das ist genau mein Ding“.

Das Wort „Führung“ mag sie eigentlich nicht

Durch die Arbeit als stellvertretende Teamleiterin kam eine Erkenntnis hinzu: Daniela Blüder wollte künftig nicht nur mit den Kunden der Agentur arbeiten. „Auch mit Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe zu kommunizieren und so einen gewissen Führungsstil zu etablieren, das ist schon toll.“ Auch, wenn Blüder „das Wort Führung eigentlich nicht so mag“. Sie wolle viel mehr Ansprechpartnerin sein „und sie unterstützen. Sicher muss man auch einen Rahmen setzen und Dinge vorgeben. Aber der Umgang dabei ist entscheidend.“

Die Stellvertretung habe ihr viel Spaß gemacht. „Dadurch reifte dann auch die Überlegung, die Hauptverantwortung zu übernehmen und über den Tellerrand hinauszuschauen.“ Sie bewarb sich nach Marburg, arbeitete zunächst in der Eingangszone und trat dann die Nachfolge von Gerhard Wenz an. Bei allem Wunsch nach Augenhöhe mit dem Kollegenkreis: Zum Chefin-Sein gehört aber auch, klare Ansagen zu machen. Ist das ein Problem? „Das bekomme ich hin – welche Mutter schafft das nicht?“, fragt Daniela Blüder lachend. Wichtig sei dabei jedoch, „nicht einfach auf den Tisch zu hauen – sondern mit welchem Respekt ich meinem Gegenüber entgegentrete. Und: Nachhaltigkeit ist wichtig, an Themen dranbleiben und nach einiger Zeit nachhaken. Eine klare Kommunikation ist dabei wichtig.“

Als große Herausforderung sieht sie die Themen Qualifizierung und Weiterbildung – „das wird an Fahrt zunehmen, denn der Fachkräftemangel ist da und real“. Dabei müsse die Arbeitsagentur nicht nur Arbeitslose im Blick haben, „sondern auch die Betriebe beim Thema Qualifikation und Transformation begleiten“. Auch jungen Leuten Ausbildung schmackhaft zu machen, sei eine große Herausforderung, „der wir uns stellen müssen. Dabei können wir im Netzwerk Ideen entwickeln“, so ihr Ansatz. „Wir müssen innovativer denken“, sagt Daniela Blüder. „Es gibt immer Grenzen. Aber an diese müssen wir, so weit es geht, herantreten, um wirklich alles auszuloten – und letztendlich auch auszuschöpfen. Unpragmatisches Vorgehen, so gut es geht, kann da sehr hilfreich sein.“

Von Andreas Schmidt

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