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Marburg Er macht Drachen lebendig
Marburg Er macht Drachen lebendig
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16:59 23.10.2021
Vom Laptop auf die große Kinoleinwand: Jan Stoltz ist der Herr der Tricks.
Vom Laptop auf die große Kinoleinwand: Jan Stoltz ist der Herr der Tricks. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Ein Raunen geht durchs Publikum. Gekicher. Heiseres Lachen. Der kleine Drache Nepomuk ist der absolute Liebling bei den Kindern, die gestern im Kinosaal 5 Platz genommen haben. Es läuft: „Jim Knopf und die Wilde 13“.

„Das ist einfach der schönste Moment, wenn ich merke, wie viele Emotionen der Nepomuk auslöst. Da geht mir das Herz auf“, sagt Jan Stoltz und lächelt. Der 48-Jährige war es, der dafür gesorgt hat, dass der kleine, pummelige Drache mit seiner grünschimmernden Haut und den lieben Augen so echt aussieht. Jan Stoltz ist sogenannter Visual Effects Supervisor. Das bedeutet: Er macht Drachen lebendig. Und Kängurus. Und vieles, vieles mehr. Für seine Arbeit als VFX Supervisor bei den „Känguru-Chroniken“ gewann er 2020 den deutschen Filmpreis Lola.

„Naja, das ist schon immer eine Teamleistung“, sagt er schmunzelnd. Rund 80 Menschen seien allein bei „Jim Knopf und die Wilde 13“ gut acht Monate mit den Animationen beschäftigt gewesen. „2 000 Menschen haben insgesamt an dem Film mitgewirkt“, erläutert Stoltz seinem jungen Publikum, nachdem der gut anderthalbstündige Kinderfilm zu Ende ist.

Stoltz, der auch an „Hexe Lilly“, „Fast and Furious 8“ und vielen anderen Filmen mitgewirkt hat, war gestern zu Gast im Cineplex im Rahmen des Marburger Kinder- & Jugendfilmfestivals „Final Cut“, das noch bis zum 30. Oktober viele spannende Kinder- und Jugendfilme präsentiert.

Das junge Publikum lässt es sich nicht nehmen, den Filmemacher mit Fragen zu löchern: War das Gold in der Schatzkammer eine Animation? Wie macht man es, dass der gleiche Pirat 13 Mal da ist, waren das wirklich Dreizehnlinge? Wie kann die Meerjungfrau so lange unter Wasser bleiben?

Es ist nicht so, wie es scheint

„Vieles im Film ist nicht so, wie es scheint. Das sind alles Tricks und das ist ja das Schöne am Film, dass man ein bisschen schummeln darf“, so Stoltz, der dann auch ein paar seiner Tricks verrät. Zum Beispiel, dass nicht das ganze Gold in der Schatzkammer eine Animation war. Dass der Pirat nicht zwölf Geschwister hat, sondern gedoubled wurde. Dass die Meerjungfrau in Wahrheit drei Mal aufgetaucht ist und gar nicht so lange unter Wasser bleiben kann. Und: Wie man es hinbekommt, dass ein echter Mensch dem kleinen Drachen Nepomuk die Hand schüttelt. „Da versteckt sich ein Mensch und hält eine grüne Stange ins Bild, die der Schauspieler dann schüttelt, und die Stange wird dann am Computer weggemacht“, so Stoltz, der bereits als Jugendlicher von Animationen fasziniert war. Als „Computerkid der 80er“ habe er früh einen Commodore 64 besessen und schließlich bei Jurassic Park eine Art „Erweckungserlebnis“ gehabt. „Das fand ich so cool, dass ich bei der Filmfirma in Hollywood angerufen und nach einem Praktikum gefragt habe“, erinnert sich Stoltz im Gespräch mit der OP an die Courage, die er als 16-Jähriger hatte.

Heute ist der Münchner einer der erfolgreichsten Visual Supervisor Deutschlands. An Kinderfilmen zu arbeiten mache ihm besonders Spaß, gibt er zu. „Wenn man so aus einem leblosen Haufen Pixel eine Figur erschafft, die das Herz berührt, ist das schon toll“, verrät der dreifache Familienvater.

Und er verrät noch etwas, das vor allem die mit anwesenden Eltern aufhorchen lässt. Derzeit arbeite er an der Verfilmung des Bestsellers „Der Schwarm“ von Frank Schätzing. Der Science-Fiction-Thriller werde aber nicht in die Kinos kommen, sondern als Serie fürs Fernsehen produziert, so Stoltz. Man darf also gespannt sein.

Wer sich für das Marburger Kinder- und Jugendfilmfestival interessiert, findet Infos unter: www.filmfestival-marburg.de

Von Nadine Weigel

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