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Marburg Dutzende Menschen stehen virtuell zusammen
Marburg Dutzende Menschen stehen virtuell zusammen
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21:00 25.04.2021
Virtuelles Ramadanzelt in der Moschee.
Virtuelles Ramadanzelt in der Moschee. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

„Worauf sollen wir denn noch verzichten?“, fragt Professor Bilal El-Zayat beim 13. Marburger Ramadan-Zelt, das zum wiederholten Male virtuell stattfinden musste. Ja, der Ramadan ist der Monat des Verzichts und der Entbehrungen – seit dem 13. April verzichten Musliminnen und Muslime auf körperliche Bedürfnisse wie Essen und Trinken bis zum Sonnenuntergang. „Wir verzichten doch schon auf so vieles.“ 

Doch wie der Vorsitzende der Marburger Islamischen Gemeinde im Livestream am Samstag weiter erklärt, sei Verzicht im Fastenmonat Ramadan nur eine Seite der Medaille: „In Wirklichkeit kommt der Ramadan zu uns.“ Man lebe doch alle in Wohlstand, Frieden und Sicherheit, und: „Das ist doch gigantisch viel wert!“ 

Auch die Kinder der Islamischen Gemeinde in Marburg fassten in einer Video-Botschaft zusammen, worauf sie sich im Ramadan am meisten freuen: „Wir mögen am liebsten, dass alle immer zusammen kommen. Wir mögen, dass man sich Allah näher fühlt und dass man sich seelisch besser fühlt, das Fasten, das Beten und das Fastenbrechen.“ Gerade Besinnung und Reflexion, Stärkung der Beziehungen zu Schwächeren, zu Gott und zu sich selbst ist es, was den muslimischen Fastenmonat ausmacht. 

Gut 60 Zuhörer konstant dabei

Diese Idee blieb beim Livestream des Ramadan-Zelts, den konstant gut 60 Menschen anschauten, hörbar wach. Die Vorsitzende des Ausländerbeirats Goarik Gareyan hatte dabei auch ein ernstes Anliegen: „Ich weiß, dass in unserer märchenhaften Stadt einige Märchen verwirklicht werden können.“ Sie denke an all jene Menschen, die hier keine Familie haben, die in diesen Zeiten kaum Freundschaften aufbauen können. 

Kürzlich habe sie die Nachricht einer ägyptischen Studentin, die hierzulande Suizid begangen habe, tief bestürzt und zu dieser Idee bewegt: „Ich kann es nicht mehr hören zu sagen: ’In der Pandemie ist es normal, dass man sich allein gelassen fühlt.’ So etwas ist nicht normal!“ 

Menschen, gerade solche, die nicht in Gemeinden eingebunden seien, bräuchten Seelsorge. Das sei ein großer Traum für viele Leute. „Was können wir als Stadt, als Ausländerbeirat, als Islamische Gemeinde tun, damit sich jede und jeder zugehörig fühlt und Marburg als eine zweite Heimat wahrnimmt?“ 

Und so schließt Gareyan mit den Worten: „Es kann nicht schlimmer werden, wir erwarten bessere Zeiten. Alles wird gut! Ramadan Kareem!“, „Habt einen großzügigen Ramadan!“ Viele Dankesworte richtete Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies an die hiesige Islamische Gemeinde. Denn gerade jetzt, in Zeiten der Not, müsse man zusammen halten, gegen jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, gegen Feinde der Offenheit für ein freundliches Miteinander. „Das ist unser Stil in Marburg. Und ich bin froh und dankbar, dass ich da die Islamische Gemeinde immer an meiner Seite weiß. Assalamu alaikum! Ramadan Mubarak!“ – „Der Friede Gottes sei mit Ihnen! Einen gesegneten Ramadan!“

Auch Thorsten Schmermund von der Jüdischen Gemeinde, Probst Hellmut Wöllenstein und der katholische Pfarrer Franz Langstein schickten Grußworte für das virtuelle Ramadan-Zelt. 

Fazit: „Im Umgang mit schwierigen Bedingungen zeigt sich, wie stark unser Glaube ist. Wir sind eng verbunden und wünschen, dass Sie in diesem Ramadan Stärkung erfahren. Ramadan Mubarak!“

von Beatrix Achinger

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