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Marburg Bundesweit kein Favorit für vierte Stelle in Sicht
Marburg Bundesweit kein Favorit für vierte Stelle in Sicht
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10:00 11.05.2022
Wer besetzt die vierte Stelle im Marburger Magistrat? Die Stelle ist bundesweit ausgeschrieben.
Wer besetzt die vierte Stelle im Marburger Magistrat? Die Stelle ist bundesweit ausgeschrieben. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Was ist eigentlich aus der politisch umstrittenen Stelle des vierten hauptamtlichen Beigeordneten geworden? Die Ausschreibungsfrist für die Stelle läuft, Bewerbungsschluss ist der kommende Freitag (20. Mai). Laut Koalitionsvereinbarung sollten Klimaliste und Marburger Linke gemeinsam den ersten Zugriff auf die Stelle haben – nachdem die Marburger Linke aus dem Magistrat ausgeschieden ist, bliebe die Klimaliste.

Aus dieser Richtung war auch am Dienstag (10. Mai) nichts zu hören. Fraktionsmitglied Maik Schöniger sagte der OP, die Fraktion habe sich für ein „offenes Verfahren“ entschieden und habe intern keine personellen Vorgaben.

Auch gewöhnlich gut unterrichtete Kreise haben laut OP-Recherchen nichts davon gehört, welche Namen im Spiel sind. Das ist ungewöhnlich, auch wenn die Mitglieder des Wahlvorbereitungsausschusses und der Stadtverwaltung zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.

Wahlausschuss will Bewerbungen sichten

Nur so viel: Die Stelle ist bundesweit ausgeschrieben. Laut Ausschreibung sucht die Stadt eigentlich die eierlegende Wollmilchsau: Sie sucht „eine Person mit hoher Fachkompetenz in den Bereichen Klimastrukturwandel, klimagerechtes Bauen, Stadtplanung und Mobilität ausgewiesen durch einschlägige Berufserfahrung aus Wissenschaft und/oder Verwaltung, mit kommunalpolitischer Erfahrung, Führungserfahrung, Kommunikationsstärke, Durchsetzungsfähigkeit und Verhandlungserfahrung“. Dem oder der neuen Dezernentin biete sich die Chance, die „Arbeit in wichtigen und zukunftsweisenden Handlungsfeldern voranzubringen, die vor uns liegenden Herausforderungen zu bewältigen und künftigen Generationen ein lebenswertes Umfeld zu erhalten.“

In seiner nächsten Sitzung will der Wahlausschuss die Bewerbungen sichten und dann entscheiden, welche/r Bewerber/in zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Für das Vorhaben, den/die neue Dezernentin noch vor den Sommerferien zu wählen, wird es damit zeitlich eng, obwohl noch zwei Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung (im Juni und im Juli) zur Verfügung stünden.

Viel Streit im Vorfeld

Um die Einrichtung der vierten Dezernentenstelle hatte es im Vorfeld massiven politischen Streit zwischen der Klimakoalition (Grüne, SPD, Klimaliste) und der CDU gegeben. Die CDU lehnt die Erweiterung des Magistrats ab und hat sogar (vergeblich) ein Bürgerbegehren dagegen auf den Weg gebracht, das nur knapp gescheitert war. Fraktionsvorsitzender Jens Seipp sagte am Dienstag der OP, seine Fraktion werde in jedem Fall gegen die kandidierende Person stimmen, die Haltung der Christdemokraten sei nach wie vor, die Arbeit auch für ein klimaneutrales Marburg sei von drei hauptamtlichen Magistratsmitgliedern zu stemmen.

Steffen Rink, Vorsitzender der SPD-Fraktion, bestätigte, dass seine Partei erst einmal abwarte. Sie werde nicht mit einem eigenen Vorschlag ins Verfahren eingreifen.

Derweil steigt die Spannung, wie viele geeignete Bewerber sich um die Dezernentenstelle bemühen werden. Bundesweit ist es so, dass viele andere Städte den Umwelt- und Klimaschutz als Handlungsfeld erkannt haben und auch auf politischer Ebene Stellen schaffen. Die Konkurrenz um einen geeigneten Bewerber wird also größer.

Umso wichtiger für die Stadt, dass sie ein Trumpfass im Ärmel hält: ihre finanzielle Situation. Dank der zusätzlichen Steuereinnahmen von Biontech kann sie zumindest einige Vorhaben finanzieren. Der neue Mensch im Magistrat muss also nicht fürchten, dass er seine Projekte aus Geldgründen nicht umsetzen kann.

Von Till Conrad

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