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Marburg Vier Fragen an Mariele Diehl von der Klimaliste
Marburg Vier Fragen an Mariele Diehl von der Klimaliste
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11:58 19.02.2021
Die 20-jährige Studentin Mariele Diehl kandidiert bei der Oberbürgermeister-Wahl in Marburg für die Klimaliste.
Die 20-jährige Studentin Mariele Diehl kandidiert bei der Oberbürgermeister-Wahl in Marburg für die Klimaliste. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Die 20-jährige Studentin kandidiert für die Klimaliste.

Sie sind 20 Jahre jung und treten bei der Oberbürgermeister-Wahl in Marburg als OB-Kandidatin für die junge Klimaliste an. Wie kommt es dazu?

Mariele Diehl: Als Klimaaktivistin habe ich in den letzten Jahren, vor allem ab 2018, mit dazu beigetragen, auf den Straßen durch Bildungsarbeit und vielfältige Aktionen auf die Wichtigkeit von konsequenten Klimaschutz aufmerksam zu machen. Doch das große politische Umdenken blieb aus, oder kommt nur langsam in Gang. Zu langsam, denn die nächsten Jahre sind ausschlaggebend, ob wir es schaffen, das 1,5-Grad-Ziel und damit einen starken globalen Temperaturanstieg, das unbewohnbar werden großer Teile unseres Planeten und die Flucht von Millionen Menschen, die dadurch ihre Heimat verlieren, zu verhindern. Also habe ich (und auch die anderen Mitglieder der Klimaliste) mich entschlossen, nicht nur indirekt Einfluss auf die Politik zu nehmen, durch Aktivismus und das aktive Wahlrecht, sondern selber politisch aktiv zu werden. Denn das Klima braucht die Spitzenposition im Rathaus!

Für welche Politik stehen Sie und die Klimaliste?

Für konsequenten Klimaschutz auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dafür sehen wir Zusammenarbeit als eines der wichtigsten Mittel: Mit anderen Parteien und Listen im Parlament, die ebenso wie wir das Ziel verfolgen, Marburg bis 2030 klimaneutral zu machen, mit Expert*innen und Wissenschaftler*innen und vor allem mit den Bürger*innen durch direkte Bürger*innenbeteiligung. Die Klimaliste Marburg ist eine „Graswurzelbewegung“. Wir sind ein Zusammenspiel von Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen – Studierende, Angestellte, Wissenschaftler*innen, Azubis, Eltern, Selbstständige. In unserer Zusammenarbeit setzen wir auf flache Hierarchien und konsensuale Meinungsfindung sowie den engen Austausch mit BIs und Expert*innen.

Die Grünen und die SPD, selbst die CDU und die FDP, haben Klimapolitik in ihre Agenda aufgenommen. Glauben Sie den etablierten Parteien nicht, sind deren Klima-Ziele aus Ihrer Sicht nur Worthülsen, weil man damit Punkte sammeln will?

Ich begrüße es sehr, dass die etablierten Parteien auch Klimapolitik in ihre Agenda aufgenommen haben. Klimaneutralität ist nämlich ein Ziel, das wir nur gemeinsam erreichen können und für das wir jede Stimme in den Parlamenten brauchen. Jedoch dürfen Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht leere Mode-Worte bleiben, sondern müssen mit Inhalten gefüllt werden. Nicht nur mit kleinen Zugeständnissen, sondern einem konsequenten Systemwandel. Unsere Mobilität, unser Konsum, unsere Energieversorgung, unser Umgang mit Wäldern und Böden, das alles und mehr muss sich grundlegend ändern. Es ist Zeit, dass Klimaschutz – und damit eine lebenswerte Zukunft und globale Gerechtigkeit – zu unserer Top-Priorität wird. Und uns vereint, über Parteigrenzen und Ländergrenzen hinaus.

Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Wird das Leben auf der Erde in 20 oder 30 Jahren noch lebenswert sein?

Ich sehe quasi Doppelbilder. Auf dem einen Auge eine Welt, zerrüttet von Dürren und Naturkatastrophen, die große Teile unseres Planeten immer unbewohnbarer machen. Millionen Menschen bleibt keine andere Wahl mehr als die Flucht. Wirtschaftskrisen und wachsende soziale sowie globale Ungleichheit führen zu politischen Unruhen, und die Gräben zwischen den Menschen werden immer größer.

Und auf dem anderen Auge sehe ich eine, sicherlich auch nicht perfekte, aber sozial gerechtere Welt, in der die Herausforderungen des Klimaschutzes die Menschen global sowie in den einzelnen Dörfern und Kommunen zusammengeschweißt haben und man dem Klimawandel mit einem Strukturwandel entgegenwirkt: Konsumiert werden hauptsächlich regionale Produkte, die auch vor Ort weiterverarbeitet werden, das Wirtschaften strebt nicht nur nach Gewinnmaximierung, sondern nach dem Gemeinwohl, soziale Ungleichheit wird geringer, denn das Bildungssystem ist besser, die Verkehrswende bietet jedem eine höchstmöglichste Mobilität, die nicht vom eigenen Auto abhängig ist und innerhalb der Kommunen muss mehr zusammengearbeitet werden: Mit Menschen aus allen möglichen Hintergründen, Berufen und Lebensentwürfen.

In welche dieser beiden Richtungen es auf unserem gemeinsamen Weg eher geht, das entscheiden wir – nicht morgen, nicht nach Corona, nicht in 5 Jahren. Sondern jetzt. Deshalb meine Bitte an alle Leser*innen: Wählen Sie Klimaschutz. Bei der Kommunalwahl, bei der Bundestagswahl. Das muss nicht Klimaliste bedeuten. Aber informieren Sie sich in den Wahlprogrammen der Parteien und Listen über die geplanten Vorhaben im Klimaschutz, oder benutzen Sie die digitale Wahlhilfe „Voto“. Hinterfragen Sie, packen Sie mit an! Wir brauchen Ihre Stimme für den Klimaschutz.

Von Uwe Badouin

19.02.2021
19.02.2021