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Marburg Vier Bewerber wollen Katharina Krause an Uni-Spitze nachfolgen
Marburg Vier Bewerber wollen Katharina Krause an Uni-Spitze nachfolgen
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09:58 22.06.2021
An der Uni Marburg begann das Schaulaufen um das Präsidentenamt: Vier Kandidaten stehen am 6. Juli zur Wahl.
An der Uni Marburg begann das Schaulaufen um das Präsidentenamt: Vier Kandidaten stehen am 6. Juli zur Wahl. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Marburg

Das Rennen um die Uni-Präsidentschaft in Marburg geht jetzt in die heiße Phase. Mehr als 150 Zuhörer verfolgten das „Schaulaufen“ der verbliebenen vier Bewerber, die zur öffentlichen Anhörung eingeladen waren. Die Kandidaten kamen nacheinander in den Senatssitzungssaal. Von dort wurden ihre Auftritte für die Öffentlichkeit live gestreamt.

Bewerber stellen sich vor

Jeder der vier Bewerber um die Nachfolge von Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause hatte eine Viertelstunde Zeit, um seine Person und sein Konzept zu präsentieren, dann hatten die 34 Mitglieder der Wahlversammlung die Chance, ihre Fragen zu stellen. Der Losentscheid bestimmte, dass die beiden männlichen Bewerber den Vortritt hatten, danach folgten die beiden Bewerberinnen.

Heimspiel für Nauss

Den Auftakt machte der Kandidat mit „Heimvorteil“, Professor Thomas Nauss, seit zwei Jahren Marburger Uni-Vizepräsident für Informationsmanagement. Die Vielfalt der Fächer und vielfältige Forschungsmethoden sieht der Umweltinformatiker Nauss als essenziell für die weitere Entwicklung der Marburger Universität an. Als Symbolbild dafür wählte er das Bild einer Streuobstwiese. Die wichtigsten Elemente der universitären Obstwiese seien eine „vielfältige neugierige Forschung“ und „begeisterte Lehre“. Als Uni-Präsident wolle er einen gemeinschaftlichen Führungsstil pflegen, aber auch Raum für Diskussionen geben.

Nauss gestand Entwicklungspotenzial in Sachen Forschungstransfer ein. Der grundsätzlich attraktive Lernort der Uni Marburg müsse angesichts sinkender Studierendenzahlen nach außen hin noch sichtbarer gemacht werden. Für das am Ende der Amtszeit liegende Jahr 2027, in dem die Uni 500 Jahre Bestehen feiert, hatte Nauss noch einen kleinen Traum parat: einen Merchandising-Shop der Uni Marburg gleich am Frankfurter Flughafen.

Van Dick vermisst Marburg

Das Uni-Jubiläum im Jahr 2027 beflügelte auch die Phantasie von Professor Rolf van Dick (Uni Frankfurt), der seine Präsentation mit einem Foto des Jubiläumsbandes von 1927 startete. „Das Buch muss neu geschrieben werden“, meinte Dick. So ein Jubiläum könne wichtige Impulse setzen beispielsweise in Sachen Fundraising und beim Kümmern um die Uni-Ehemaligen (Alumni).

Van Dick ist selbst ein Absolvent der Marburger Universität. „Ich habe einerseits Verständnis für die Universität und eine Kenntnis der Stadt und bringe andererseits frischen Wind“, warb der Sozialpsychologe für sich, der zuletzt an der Uni Frankfurt drei Jahre lang Vizepräsident war.

Van Dick vermisst an der Uni Marburg klare Forschungsschwerpunkte. Die vorhandenen Forschungsstärken der Uni wie beispielsweise die Konfliktforschung seien in den offiziellen Dokumentationen bisher „gut versteckt“. Nachhaltigkeit, Diversity oder Klimawandel: All dies könnten künftige Themenschwerpunkte der Universität sei. Die Rolle des Präsidenten sei es aber nicht, Themen vorzugeben, sondern zunächst Diskussionen darüber anzuschieben, sagte van Dick.

Schreiber: Uni für alle

Die Medizin-Physikerin Professorin Laura Schreiber (Würzburg) begann ihre Präsentation mit einer Bestandsaufnahme der Uni Marburg aus der Außensicht. Dabei entdeckte sie vieles, was ihr gefiel, beispielsweise das neue geisteswissenschaftliche Marburger Zentrum für digitale Kultur und Infrastruktur.

Allerdings machte sie auch Schwachstellen aus, wie etwa in der Internationalisierungs-Strategie. So zeigte sich Schreiber verwundert, dass die Marburger Hochschule nur drei strategische Partner-Hochschulen vorzuweisen habe. Und sie sieht noch Nachholbedarf beim Bekanntheitsgrad der Uni Marburg in den überregionalen Medien, wo fast nur die Virologie präsent sei.

Als künftige Präsidentin wolle sie auf einen „partizipativen Führungsstil“ setzen und und lege Wert auf „eine Universität, an der sich alle wohlfühlen und beteiligen“. Zudem würde sie unter anderem eine Vizepräsidenten-Stelle für Nachhaltigkeit installieren.

Koch redet Klartext

Vierte im Kandidaten-Reigen war die Bildungsforscherin Professorin Katja Koch (TU Braunschweig), zuletzt Interims-Präsidentin an ihrer Hochschule. Sie zeigte sich stolz, für die Anhörung wieder an ihre ehemalige und erste Universität zurückzukehren. Als Handlungsfelder für die Uni-Politik der Zukunft hat sie Bildung, Forschung, Internationalisierung, Transfer und Digitalisierung ausgemacht.

Universitäre Weiterbildungs-Angebote in Sachen Digitalisierung für kleine und mittlere Unternehmen oder die Nutzung des Potenzials von Museen und wissenschaftlichen Sammlungen beim Wissenschaftstransfer sind zwei von Kochs Ideen. „Ich rede gerne mit Menschen und erfahre gerne Neues“, meint Katja Koch, die in der Rolle als Präsidentin auch den Kontakt zu Abgeordneten der Region und Politikern der Landesregierung suchen würde. Bei der Befragung redete sie Klartext: Wenn Probleme zu lösen seien, dann scheue sie nicht vor Konflikten zurück, wenn sie mit allen Akteuren geredet habe.

Von Manfred Hitzeroth