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Marburg Von Hutmode bis zu Wurzelwerk
Marburg Von Hutmode bis zu Wurzelwerk
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18:00 08.11.2021
Zwei Besucherinnen bewundern die selbstgemachten Ketten von Barbara Melnyk (rechts).
Zwei Besucherinnen bewundern die selbstgemachten Ketten von Barbara Melnyk (rechts). Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Nach einem Jahr Corona-Zwangspause öffnete der Marburger Kunsthandwerkermarkt am Wochenende wieder seine Pforten. In der Stadthalle und auf dem Vorplatz waren insgesamt mehr als 100 Stände von Kunsthandwerkern aus dem gesamten Bundesgebiet aufgebaut, etwas weniger als sonst. In Vor-Corona-Zeiten hatten sich üblicherweise rund 120 Aussteller für den traditionellen Markt angemeldet. Doch Organisatorin Martina Klinge von der Marburger Stadtverwaltung freute sich vor allem darüber, dass das Marktgeschehen in diesem Jahr überhaupt stattfinden konnte, nachdem der Kunsthandwerkermarkt vor einem Jahr kurzfristig abgesagt werden musste.

Das in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und dem Regierungspräsidium erarbeitete Corona-Konzept sah unter anderem Maskenpflicht und 3G-Vorgaben sowie breitere Gänge vor. „Wir freuen uns sehr, dass es genügend Platz gibt“, sagte Helga Garscha, die zusammen mit ihrer Bekannten Petra Schreiber als Besucherin unterwegs war. Beide Frauen sind Stammgäste des Kunsthandwerkermarktes und waren sehr froh, dass sie auch bei den Ausstellern einige „alte Bekannte“ entdeckten.

Handgefertigte Seifen

Das galt beispielsweise für Silvia Schöck aus Bischoffen. Unter ihren handgefertigten Seifen befand sich auch wieder ein absoluter Verkaufsschlager: die Bierseife. Die Idee dazu hatte sie vor allem von ihrer Großmutter. Das Bier, das in der speziellen Seife enthalten ist, beinhaltet jedoch keinen Alkohol. Es wurde zuvor ausgekocht. Es steuert aber die bräunliche Farbe bei und fügt einige zusätzliche Wirkkomponenten hinzu. „Früher wurde Bier auch als Haarfestiger verwendet“, verrät Silvia Schöck.

Von Seidenschals oder nassgefilzten Hausschuhen bis hin zu Lederwaren, Keramik und Haarspangen sowie handgefertigten kleinen Kunstwerken aus Naturmaterialien gab es ein breites Angebot zu bestaunen und zu kaufen. Dicht umlagert war der Stand von Hut- und Mützenmacherin Maren Kuchta, die aus Dänemark angereist war. Bunte und kunstvoll gefertigte Kopfbedeckungen aus einer Vielzahl von Materialien wie Filz oder Wolle hatte sie mitgebracht. Besucherin Christa Peltzer war spontan begeistert. „Das ist etwas ganz Originelles“, sagte sie, während die Modistin letzte Hand anlegte, damit der Hut auch richtig saß.

Bücherlampen mit LED-Birnen

Einen Stand weiter gab es filigrane Kunsthandwerks-Arbeit zu bewundern. Der pensionierte Elektromeister Rolf Loose führte dort vor, wie er mit Hilfe von Lötkolben und viel Geschick und Geduld aus einem Hufnagel einen kleinen Kletterer anfertigte. All seine kleinen Figuren sind liebevoll ausgeführte Eigenkreationen, bei denen er auch auf Vorschläge der Kunden eingeht und dazu noch Accessoires Marke Eigenbau hinzufügt. So hat er ein ganzes „Mini-Orchester“ kreiert. Seine Figuren spielen auch Billard oder Tischtennis. Aus Wurzeln von Bonsai-Bäumen oder Eichenbalken gestaltet Jörg Scherer aus Niederweimar raffinierte Skulpturen, in denen man mit ein wenig Fantasie zum Beispiel Tiere wie Vögel oder Seepferdchen erkennen kann. Aus der Natur bedient sich auch Antje Hirche aus Cölbe für ihre Unikate: Sie sammelt Treibgut aus der Lahn und zaubert aus Materialien wie Holz, Steinen oder Gräsern kleine Landschaften oder Mini-Städte.

Ebenfalls durch ungewöhnliche Mischungen bestechen die speziellen Lampen von Dieter Müller. Der Frankfurter kombiniert alte Bücher oder Zigarrenkisten mit modernen LED-Birnen zu „Bücherlampen“.

Obwohl die Besucherinnen deutlich in der Überzahl waren, kamen auch Männer an einigen Ständen auf ihre Kosten. Das beste Beispiel dafür lieferte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der beim Markt-Rundgang spontan eine knallbunte Fliege für sich entdeckte und kaufte.

Von Manfred Hitzeroth

08.11.2021
08.11.2021