Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Viel Gewusel unter warmer „Decke“
Marburg Viel Gewusel unter warmer „Decke“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:58 25.01.2020
Einer Invasion von „Schädlingen“, wie Schnecken und Blattläusen, die im Frühjahr an Nutz- und Zierpflanzen ihren Hunger stillen, kann man leicht vorbeugen.Fotos: Thorsten Richter, Florian Schuh
Einer Invasion von „Schädlingen“, wie Schnecken und Blattläusen, die im Frühjahr an Nutz- und Zierpflanzen ihren Hunger stillen, kann man leicht vorbeugen. Quelle: Privatfoto
Anzeige
Marburg

Von den derzeit leichten Nachtfrösten abgesehen, war der Januar viel zu mild. Pflanzenbau-Experten warnen allenthalben, dass es an Schnee, Regen und Frost mangelt. Der regnerische Dezember konnte das Niederschlagsdefizit der vergangenen zwei trockenen Jahre bei Weitem nicht wettmachen.

Darüber hinaus benötigt das Wintergetreide einen Kältereiz, der das Wachstum im Frühjahr anregt. Eine geschlossene Schneeschicht ist der ideale Frostschutz für die Pflanzen auf den Feldern. Selbst eine lange Frostperiode würde ihnen nichts ausmachen. Anhaltende Minusgrade sind aber die beste Vorsorge gegen Schädlingsbefall. Laut Deutschem Wetterdienst deutet derzeit nichts auf einen richtigen Winter hin. Den wünschen sich neben den Landwirten auch die Kleingärtner.

Sie haben Sträucher und Gehölze und im Boden gebliebene Stauden und Zwiebeln mit schützenden Abdeckungen vor starken Frösten geschützt. Frostgefährdete Pflanzen werden beispielsweise mit Reisig, Laub, Schilfmatten, Kompost und Rindenmulch abgedeckt. Schädlinge finden schnell heraus, dass es darunter warm und geschützt ist.

Frühzeitig Winterschutz entfernen

Läuse und Mäuse, Schnecken und Milben, Insekten und andere Tiere finden dort Unterschlupf und Nahrung. Die oftmals zu beobachtende Folge: Der Frost kann der geschützten Pflanze nichts anhaben, aber die Schädlinge machen ihr den Garaus. Man kann jedoch den Schaden in Grenzen halten. Informationen darüber gibt es unter anderem bei den örtlichen Vereinen, die im Kreisverband Biedenkopf zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und Landschaftspflege­ und dem Kreisverband Marburg für Obstbau, Garten und Landschaft organisiert sind sowie den Naturschutzverbänden ­NABU und BUND.

Schnecken ziehen sich gern unter jede Art von Abdeckung zurück und legen dort sogar noch im späten Herbst ihre­ ­Eier ab. Sie fressen grüne Teile­ und Wurzelspitzen. Die jungen Schnecken schlüpfen früh aus den Eiern und finden dann reichlich Nahrung unter der warmen Decke. Gegen Schnecken hilft: Man bringt die Winterabdeckung erst sehr spät an, am besten erst Ende Dezember. Dann sind die meisten Schnecken schon in anderen Verstecken untergeschlüpft.

Wenn man zu einem möglichst frühen Zeitpunkt den Winterschutz wieder entfernt und dann Senfsaat streut, vernichtet man die Eier der Schnecken. Blattläuse, Schildläuse,­ Spinnmilben und Rote Spinne fühlen sich unter den ­Schutzabdeckungen ausgesprochen wohl und vermehren sich fleißig. Viel kann man gegen diese Schädlinge nicht unternehmen. Jede Spritzung würde auch die dort untergeschlüpften Nützlinge vernichten. Hat man Glück, räumen die Larven der Nützlinge, die unter der Winterabdeckung ebenfalls sehr ­lebendig bleiben, mit den Schädlingen auf.

Kein Gifteinsatz gegen kleine, graue Nager

Man überprüft nach dem ­Abräumen des Winterschutzes Sträucher, Stauden und Gehölze sehr genau auf diese Schädlinge hin und schneidet befallene Triebe weit zurück. In einem intakten Garten werden die Nützlinge mit dem Rest der Schädlinge schnell fertig. Maulwurfsgrillen ziehen sich unter die Schutzdecken von Sträuchern. Bäumen und Stauden zurück. Man fängt sie während des Winters mit eingegrabenen Gläsern oder Büchsen, die Fallen sollte man einmal in der Woche kontrollieren.

Wühlmäuse fühlen sich besonders in der Abdeckung von Baumscheiben wohl, ernähren sich von den Wurzeln hauptsächlich neu gepflanzter und junger Bäume. Man kann sie mit Fallen fangen. Gift darf man auf keinen Fall legen, weil davon im Winter die Vögel fressen.
Asseln verstecken sich im Winter gern in der Nähe des Hauses unter der Abdeckung von Stauden und Gehölzen.

Sie fressen in der kalten Jahreszeit Wurzel- und Triebspitzen ab und können so ganze Staudenrabatten vernichten. Darum muss immer wieder kontrolliert werden. Findet man eine Assel-Kolonie, deckt man sie auf. Asseln mögen kein Licht, sie flüchten. An frostfreien Tagen bleibt die Abdeckung den ganzen Tag über vom Beet, damit die Schädlinge nicht sofort wieder an ihren angestammten Winterplatz zurückkehren.

Pilzbefall kann unter dem Winterschutz sehr gefährlich werden. Man vermeidet ihn, wenn man so spät wie möglich abdeckt, denn Pflanzen werden nur dann von Schadpilzen befallen, wenn man krautige oder noch nicht ganz verholzte Pflanzenteile eingepackt oder eingebunden hat und wenn die Schutzfolien nicht luftdurchlässig sind.

Schon manches Rosenbäumchen, gut in Plastik verpackt, ging nicht am Frost, sondern am Pilz zugrunde. Man kann den Befall mit Schädlingen und Pilzen vermindern wenn man Folgendes beachtet:

  • Decken Sie so spät wie möglich ab, frühestens Ende Dezember, vorher gibt es selten sehr tiefe Temperaturen.
  • Decken Sie auch so früh wie möglich wieder auf, notfalls nur vorübergehend.
  • Verwenden Sie luftdurchlässiges Verpackungsmaterial für die Pflanzen.
  • Kontrollieren Sie den Winterschutz laufend. Auch dicke Mulchschichten sollten mit einer Heugabel angehoben und kurz durchgelüftet werden, das stört die Schädlinge.
  • Packen Sie nicht unbesehen alles ein, die meisten Pflanzen überstehen auch einen extrem kalten Winter gut. Nur besonders gefährdete Pflanzen brauchen Winterschutz.

von Hartmut Berge