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Marburg Livemusik aus Marburg für die Welt
Marburg Livemusik aus Marburg für die Welt
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16:59 28.11.2012
Die Visualisierung zeigt, wie das Hilfszentrum in Toronto einmal aussehen soll.
Die Visualisierung zeigt, wie das Hilfszentrum in Toronto einmal aussehen soll. Quelle: foto: NAK Design Strategies & Stantec
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Marburg

Wenn am Samstag, 4. Dezember, zum mittlerweile vierten Mal in Marburg der „Sieg über den Krieg“ erklärt wird, richtet sich der Blick bei dem Festival „Victory Over War“ erstmals auf ein Projekt jenseits des Atlantiks: Neben lokalen Initiativen profitiert die im kanadischen Toronto ansässige Organisation „Anishnawbe Health“ von der Spendenbereitschaft der Zuschauerinnen und Zuschauer des zweistündigen, live gestreamten Musikprogramms, das Festivalorganisator Michal Bandac zusammengestellt hat. „Bevor ich 2005 nach Marburg kam, habe ich bei ,Anishnawbe’ als ehrenamtlicher Helfer gearbeitet“, erzählt der selbst aus Kanada stammende Musiker, Songschreiber und Produzent.

Damals habe die Organisation eine ähnliche Struktur wie die Tafeln in Deutschland gehabt, mittlerweile sei die von kanadischen Ureinwohnern betriebene Hilfseinrichtung breiter aufgestellt. Die kanadische Regierung hat „Anishnawbe“ im Rahmen eines Wiedergutmachungsprogramms Finanzmittel und ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Auf dem soll Bandac zufolge ein Gebäudekomplex entstehen, in dem neben der Lebensmittelausgabe für Bedürftige ein medizinisches Versorgungszentrum ebenso Platz finden soll wie Räume für kulturelle, spirituelle und pädagogische Angebote. „Das alles finanziert sich nur zum Teil über öffentliche Mittel und kann nur mit ausreichendem Spendenaufkommen geschultert werden“, sagt Bandac, der das Festival „Victory Over War“ in diesem Jahr pandemiebedingt zum zweiten Mal in Folge als Livestream anbietet. Aber er ist aufgrund der Erfahrungen aus dem Vorjahr zuversichtlich, dass auch bei „VOW 2021“ viele Menschen den Spenden-Button drücken werden, während aus Marburg Livemusik um die ganze Welt gesendet wird. Bandacs Optimismus hat auch noch einen anderen Grund: „Die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, sind wunderbar: Wenn sich in dieser komplizierten Welt mal wieder die Situation ändert, passt sich jeder den neuen Herausforderungen an und arbeitet an Lösungen, anstatt nur Hindernisse zu sehen.“

Das Programm

Den Auftakt des Festivals bestreitet am 4. Dezember Paul Hilger mit seinen „Kingpins“, die für intelligenten und kernigen Bluesrock stehen. „Genetic Blueprint“ ist die zweite Band des Abends, die Dillenburger Formation liefert Independent- und Alternative Rock. Den dritten Musikpart teilen sich MoGlo und Bloody Merry, die beiden Formationen Michal Bandacs. Zu guter Letzt steht „Captain Overdrive“ auf der Bühne, die Gießener haben sich komplett dem Funk verschrieben und dürften so manches angeschlossene Wohnzimmer zum Dancefloor machen.

Neben der kanadischen Hilfsorganisation werden mit dem Spendenerlös des Festivals eine Reihe weiterer in Marburg ansässiger Institutionen wie etwa die Marburger Tafel unterstützt. „Das klingt fast schon so wie die ,üblichen Verdächtigen’“, meint Bandac, dessen Veranstaltung auch solidarisch mit dem Verein „Gemeinsam e.V.“, Amnesty International und „Black Lives Matter“ ist.

Die Schirmherrschaft hat wieder Kirsten Fründt, Landrätin des Kreises Marburg-Biedenkopf, übernommen, unterstützt wird das Festival von der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, der Universitätsstadt Marburg und der Oberhessischen Presse. Für den umtriebigen Organisator ist die Formel für sein Engagement ganz einfach: „Wenn es dir gut genug geht, um helfen zu können, ohne dir selbst zu schaden, bist du in meinen Augen kein Idiot, wenn du es nicht tust – ich würde es einfach nur nicht verstehen.“ Und Bandac hat noch einen anderen schwergewichtigen Grund, sich für weltanschauliche, kulturelle und religiöse Toleranz einzusetzen: „Ich hatte einen palästinensischen und einen jüdischen Großvater – und am Wohnzimmertisch diskutierte meine Großmutter bisweilen mit Leuten wie Muhammad Ali. Das hat mich von klein auf so geprägt, dass ich gar nicht anders kann, als solche Events zu veranstalten.“

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Der Livestream „Victory Over War 2021“ ist am Samstag, 4. Dezember, über die Website zu sehen. Konzertbeginn ist um 17 Uhr, Spenden sind schon jetzt möglich.

Von Carsten Beckmann

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