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Marburg Toller Start mit „Versengold“
Marburg Toller Start mit „Versengold“
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13:51 17.07.2022
Die „Marburger Sommernächte 2022“ wurden am 14. Juli von der Band VERSENGOLD auf der Schlossparkbühne eröffnet.
Die „Marburger Sommernächte 2022“ wurden am 14. Juli von der Band VERSENGOLD auf der Schlossparkbühne eröffnet. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Als der Gießener Konzertveranstalter Dennis Bahl im Dezember 2019 die 1. Marburger Sommernächte in der Freilichtbühne im Schlosspark für 2020 vorstellte, war es noch ein Testballon. Funktioniert ein kleines Musikfestival hoch über der Stadt? Kommt das Publikum zu „Versengold“, den „Hooters“ und Jan Josef Liefers?

Dann kam erstmal Corona. Zwei Jahre später als geplant eröffnete am Donnerstagabend die Bremer Folkrockband „Versengold“ nun doch noch die Marburger Sommernächte vor 1 300 begeisterten Fans in der restlos ausverkauften Freilichtbühne. Auf der Bühne und vor der Bühne sah man nur glückliche Gesichter. Publikum und Musiker haben eine lange Durststrecke hinter sich.

„Bock mit uns zu feiern?“

„Hallo Marburg, habt ihr Bock mit uns zu feiern?“, ruft Sänger Malte Hoyer ins Publikum. „Jaaa!“, schallte es aus 1 300 Kehlen zurück. „Versengold“ legt gleich los wie die Feuerwehr und die Fans gehen von Beginn an mit. Hier gibt es kein Abtasten, nur gemeinsame Freude. Die Fans, weil sie endlich wieder große Open-Air-Konzerte ihrer Lieblingsbands besuchen können. Die Band, weil sie froh ist, „endlich wieder eure Gesichter zu sehen“, ruft Frontmann Hoyer und verspricht: „Wir werden gemeinsam ein schönes, langes Konzert haben.“ „Versengold“ macht Party – zwei Stunden lang. Eingestreut in Trink- und Partylieder sind einige ruhige, ernste Balladen. Die Fans sind textsicher, singen fast jedes Lied mit.

Die Band „Versengold“ gibt es seit 20 Jahren. Damals war die von Malte Hoyer und Carolin Fährmann gegründete Gruppe ein Hobby-Projekt. „Versengold“ spielte auf Mittelalter-Märkten. Die Bandmitglieder nannten sich Szene-gemäß Swolle Taugenichts, Svente Fertig oder Sirkka von Ungefähr. Nach und nach wurde die Band immer professioneller, änderte die Besetzung, legte das Mittelalter-Image ab, ohne es zu verleugnen, baute keltische Folk-Elemente in ihre Musik ein und wurde zunehmend rockiger. Mit Erfolg.

Bunt gefächerte Fanbasis

Der lange Atem zahlt sich aus. Inzwischen hat „Versengold“ eine große und bunt gefächerte Fanbasis. Auf der Freilichtbühne sind alle möglichen Gruppen vertreten. Familien mit Kindern, Männer mit Irokesen-Haarschnitt, Frauen mit weiten, indischen Hosen, Rentner mit Strohhut und Sonnenbrille. Rockfans und Folkfans. Und alle sind gut gelaunt, haben Spaß an der Musik. Viele sind von weither angereist zu dem Konzert – aus ganz Hessen, aus dem Raum Düsseldorf, aus dem Ruhrgebiet, um ihre Band zu sehen: Neben Sänger Malte Hoyer ist seit 2008 Alexander Wilms mit seiner mittelalterlichen Nyckelharpa dabei. Der mitreißende Geiger Florian Janoske und der Gitarrist Daniel Gregory stießen 2011 zur Band. Und Bassist Eike Otten und Schlagzeuger Sean Lang komplettierten die aktuelle Besetzung 2015.

„Wir wollen keine Nazis“

„Wir sind stolz, dass wir die ersten Marburger Sommernächte vor ausverkauftem Haus eröffnen dürfen“, sagt Sänger Hoyer „Jedes Konzert ist für uns etwas Besonderes. Wer weiß, was kommt“, ergänzt er mit Blick auf den drohenden Corona-Herbst. „Aber wir sind Optimisten.“ Kein Wunder bei Songs wie „Thekenmädchen“, „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“, „Kobold im Kopp“ oder „Hoch die Krüge“.

Politisch macht die Band auch klar, wo sie steht: „Wir heißen alle Menschen dieser Welt auf unseren Konzerten willkommen. Mit einer Ausnahme: Wir wollen keine Nazis“, kündigt Hoyer das Lied „Wir tanzen nicht nach braunen Pfeifen“ an. Jubel im Publikum. Ein toller Auftakt für eine neue Reihe.

Von Uwe Badouin

16.07.2022
15.07.2022