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Marburg Festliche Verleihung trotz Corona
Marburg Festliche Verleihung trotz Corona
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17:13 20.09.2020
Willi Schmidt (vorne von links), Hilde Genz und der Polizei-Motorsportclub Marburg 1990, vertreten durch den Vorsitzenden Eberhard Dersch wurden vom 1. Kreisbeigeordneten Marian Zachow (hinten links) und dem Kreistagsvorsitzenden Detlef Ruffert (rechts) mit dem Otto-Ubbelohde-Preis 2020 ausgezeichnet. Mit auf dem Foto ist der Organisator des Preises, Dr. Markus Morr (hinten Mitte). Quelle: Foto: Uwe Badouin
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Marburg

Vor dem Landratsamt stand einer der heimlichen Stars des diesjährigen Otto-Ubbelohde-Preises. Ein BMW 501 aus dem Jahr 1962. Aus sechs Zylindern holt der TV-Star aus der alten Fernsehserie Isar 12 satte 72 Pferdestärken, die ihn auf immerhin 142 Stundenkilometer beschleunigen konnten. Der hochglanzpolierte dunkelgrüne Oldtimer war ein begehrtes Fotomodell der Preiseverleihung. Mitgebracht hatten ihn Vertreter des Polizei-Motorsportclubs Marburg 1990, der am Donnerstagabend vom Landkreis Marburg-Biedenkopf gemeinsam mit der Künstlerin Hilde Genz und dem Autor und Theatermacher Willi Schmidt mit dem Otto-Ubbelohde-Preis 2020 ausgezeichnet wurde. Die begehrte und höchste Kultur-Auszeichnung des Landkreises ist mit einem Preisgeld von je 1000 Euro verbunden.

Preisverleihung wegen Corona im Kreishaus

Diesmal war vieles anders als sonst. Normalerweise vergibt der Landkreis den Otto-Ubbelohde-Preis in seinem Schloss Biedenkopf. In diesem Jahr ist er wegen der Corona-Hygiene- und Abstandsbedingungen in einen zwar weniger hübschen, dafür aber deutlich größeren Saal im Landratsamt ausgewichen. Und die erkrankte Landrätin Kirsten Fründt wurde vom Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow vertreten. „Es ist ein besonderer Ubbelohde-Preis“, sagte Marian Zachow. Er freue sich angesichts der Corona-Beschränkungen, „dass wir den Preis überhaupt verleihen können, eine echte, richtige Preisverleihung veranstalten – und sie nicht im virtuellen Raum abhalten“.

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Künstlerin, Autor und Verein geehrt

Die Keramik-Künstlerin Hilde Genz aus Biedenkopf wird für ihre künstlerische Leistung und ihre kritische Auseinandersetzung mit Themen der Zeit ausgezeichnet. Mit Hilde Genz würdigt der Landkreis eine Keramik-Künstlerin, die seit vielen Jahren sehr aktiv und innovativ arbeitet. Mit ihren Arbeiten treffe sie immer wieder den Nerv der Zeit, betonte Marian Zachow. Mit zeitkritischen Ton-Arbeiten rege sie die Betrachter zum Nachdenken an und erfülle damit eine sehr wichtige Aufgabe der Kunst.

„Der Preis ist eine Ehre, die Sie mir erweisen. Es war eine richtige Überraschung für mich“, sagte Hilde Genz. Sie betonte in ihrer Dankesrede die enge und sehr positive Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Kultur des Landkreises, der Künstlerinnen und Künstler stets sehr wohlwollend, warmherzig und kompetent begleite.

Geschichte neu erzählen

Willi Schmidt aus dem Ebsdorfer Grund wird für seine Veröffentlichungen und seine Theaterstücke, die sich vor allem mit den schwierigen Lebensbedingungen der Dorfbevölkerung in früheren Zeiten im Landkreis befassen, geehrt. Mit ihm zeichnet der Landkreis einen Autor und Theatermacher aus, „der sich intensiv mit Themen aus dem Landkreis beschäftigt“, so Marian Zachow. Die Geschichten seiner von ihm verfassten Theaterstücke wie etwa „Unterm Eschbann“, „In die neue Welt“, „Wirtshaus an der Lahn 1-3“, „Affenfelsen“ oder wie aktuell seine Trilogie „Unter dem Fluss“, deren erster Teil „Blutmond“ am Mittwoch in der Waggonhalle Premiere feierte, seien tief in der regionalen Geschichte des Landkreises angesiedelt. Schmidt behandle das bäuerlich geprägte Landleben, in vielen Stücken werde Dialekt gesprochen, um die größtmögliche Authentizität zu erzielen. Alle Theateraufführungen seien jenseits einer verklärenden Idylle gebaut.

„Der Preis bedeutet mit sehr viel“, sagte Willi Schmidt in seiner Dankesrede. „Das Erzählen von Geschichten ist mein Lebenswerk. Ich fühle mich aber noch nicht so alt, aufzuhören.“ Er dankte den Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich „darauf eingelassen haben, alte Geschichten neu zu erzählen“.

Mehr als 90 historische Polizeifahrzeuge

Der Polizei-Motorsport-Club (PMC) 1990 Marburg erhält die Auszeichnung für seine herausragende Arbeit im „Ersten deutschen Polizei-Oldtimer-Museum Marburg“. Offiziell eingeweiht wurde das Museum im Marburger Stadtteil Cyriaxweimar am 12. Juli 2003. Präsentiert werden dort inzwischen mehr als 90 historische Polizeifahrzeuge – von Motorrädern und gepanzerten Sonderwagen über Wasserwerfer bis hin zu einem Schwimmwagen. Die Sammlung sei in dieser Größe einmalig in Deutschland, wenn nicht sogar weltweit, erläuterte Marian Zachow in seiner Laudatio. Viele Fahrzeuge des Polizei-Oldtimer-Museums kamen in Film- und Fernsehproduktionen zum Einsatz, etwa in „Der Baader-Meinhof Komplex” oder in „Das Wunder von Bern“. „Sie geben der Demokratie mit ihrer Arbeit ein Gesicht“, so Zachow. „Wir fühlen uns sehr geehrt“, sagte der Vorsitzende des PMC, Eberhard Dersch, im Namen der 145 Mitglieder des Vereins. Das beliebte Sommerfest sei wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. „Das wäre unser 30-jähriges Jubiläum gewesen“, so Dersch, zu dem vermutlich wieder tausende Besucher ins Museum gekommen wären.

Festvortrag und tolles Musikprogramm

Den Festvortrag mit dem Titel „Auf hessischen Spuren durch die Welt – Geschichte erfahren“ hielt Ulrich Weigel von den Hinterländer Mountainbikern, die 2016 für ihre spannenden historischen Recherchen verbunden mit abenteuerlichen Reisen ausgezeichnet wurden.

Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von Marie Sans (E-Piano) und dem preisgekrönten Marburger Tenor Daniel Sans. Das Ehepaar begeisterte mit Liedern von Franz Schubert, Hans May und dem Song „What a wonderful world“ von George David Weiss und George Douglas, den Louis Armstrong zu einem Welthit machte. Die Vorträge waren so gekonnt, dass Marian Zachow am liebsten Zugabe gerufen hätte.

Hintergrund

Der Otto-Ubbelohde-Preis wird seit 1987 vergeben. Benannt ist er nach dem Maler und Grafiker Otto Ubbelohde, der insbesondere durch seine Illustrationen der Märchen der Brüder Grimm weltbekannt wurde. Eingeführt wurde er vom damaligen Landrat Kurt Kliem. Es ist der wichtigste Kulturpreis des Landkreises. Bis 1998 wurden jeweils fünf, seit 1999 drei Preisträger pro Jahr geehrt. Bislang wurden 38 Vereine, 57 Männer, 28 Frauen und drei Ehepaare ausgezeichnet. Der Preis ist mit jeweils 1000 Euro dotiert.

Von Uwe Badouin

20.09.2020
20.09.2020