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Marburg Verkehrswende in der Diskussion
Marburg Verkehrswende in der Diskussion
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15:00 06.12.2020
Die Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig und der Landesvorsitzende Jan Schalauske (Die Linke) sprachen gestern mit weiteren Menschen über Verkehrsalternativen in Mittelhessen. Quelle: Foto: Carsten Beckmann
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Marburg

Um die „Notwendigkeit der Verkehrswende in die Diskussion zu tragen“, reiste Jan Schalauske, hessischer Landesvorsitzender der Linken, mit den beiden Abgeordneten der Linken-Fraktion im Bundestag, Sabine Leidig und Jörg Cezanne, gestern von Kirchhain über Marburg nach Gießen. Dabei ging es im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern lokaler Verkehrsinitiativen um Projekte wie die Reaktivierung der Ohmtal-Bahn, die Lumdatal-Bahn oder ein Regiotram-Netz für den gesamten mittelhessischen Raum.

Diese Projekte sind bereits länger in der Diskussion, werden derzeit allerdings durch hoch strittige Themen wie den Lückenschluss der Autobahn 49 zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung überlagert. „Der Protest gegen den Ausbau der A 49 ist eigentlich ein guter Ausgangspunkt für eine Diskussion über Bahnprojekte“, sagte Sabine Leidig, die verkehrspolitische Sprecherin ihrer Fraktion mit dem Schwerpunkt Bahn ist. Auch Schalauske stellte diesen Zusammenhang her, als er sagte: „Die Industrie in Stadtallendorf muss sich fragen lassen, warum sie nach dem Ausbau von Straßen, nicht aber nach dem Ausbau des Schienennetzes ruft.“

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Die Idee eines Regiotram-Verbundes bezeichnete Schalauske als „tolles Projekt, verkehrspolitische Gemeinsamkeiten voranzubringen“. Reinhard Ahrens vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) Marburg-Biedenkopf skizzierte ein Tram-Schienennetz für Marburg und über die Grenzen der Universitätsstadt hinaus.

Die Kosten für eine solche Bahn im Stadtgebiet bezifferte Ahrens grob auf einen „höheren dreistelligen Millionenbetrag“ Liege dafür erst einmal Baurecht vor, sei die Realisierung innerhalb von zwei bis drei Jahren möglich, glaubt der VCD-Sprecher im Hinblick auf die Tram, die dem vorliegenden Konzept zufolge von den Lahnbergen durchs Zentrum bis in die westlichen Stadtteile und weiter über Lahntal und Biedenkopf bis nach Breidenbach führen könnte. Unter Einbeziehung vorhandener und dem Bau neuer Strecken reicht die Regiotram-Vision von Marburg über Gießen bis ins entfernte Wetzlar.

Manfred Lotz, Vorsitzender der Initiative Lumdatalbahn, begleitete die Politikerinnen und Politiker der Linken ebenfalls. „Klimaschutz und Mobilität gehören zusammen“, sagte er. Zwischen Gießen und Grünberg verlief ursprünglich die Strecke, die heute nur noch in Teilen von Güterzügen befahren wird und nach Einschätzung des Vereins für den Personenverkehr reaktiviert werden sollte. Die Rede ist davon, dass ab 2023 zumindest zwischen Gießen und Londorf ein Pendelverkehr im Stundentakt aufgenommen werden könnte. Zukunftsmusik also – ebenso wie die Reaktivierung der Ohmtalbahn.

Der Vogelsbergkreis und der Kreis Marburg-Biedenkopf finanzieren eine Vorstudie zu dieser Strecke – nach Aussage von Jan Schalauske erstellt diese Studie das gleiche Gutachterbüro, das auch für das Regionalnetz der in Kassel ansässigen Kurhessenbahn gearbeitet hat. Gerechnet wird für die Erstellung der Ohmtalbahn-Vorstudie mit einem Zeitraum von sechs Monaten, sodass im Frühsommer 2021 hier mit neuen Erkenntnissen zu rechnen sein dürfte. Schalauske sagte gestern abschließend: „Für den Lückenschluss der A 49 werden 1,4 Milliarden Euro ausgegeben – damit könnte man sowohl die Ohmtal- als auch die Lumdatalbahn reaktivieren und aufs Gleis setzen.“

Von Carsten Beckmann

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