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Marburg Schöner neuer Afföller-Parkplatz?
Marburg Schöner neuer Afföller-Parkplatz?
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00:20 07.04.2019
Wenn die Stadt das Grundstück verkauft, könnte auf dem Parkplatz am Afföller ein Seniorenheim mit Parkhaus entstehen. Foto: Thorsten Richter
Wenn die Stadt das Grundstück verkauft, könnte auf dem Parkplatz am Afföller ein Seniorenheim mit Parkhaus entstehen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Ob der Verkauf des Areals am Afföller ein Glücksfall oder eine ganz falsche Entscheidung wäre, darüber waren sich die Mitglieder des Verkehrsausschusses noch uneins.

Jonathan Schwarz (Linke) äußerte große Bedenken in Hinblick auf den Kaufinteressenten, die Marburger Gesellschaft für Projektförderung, ­
eine Tochtergesellschaft der ­Anneliese und Dr. Reinfried Pohl Stiftung.

„Das Gelände stellt für sie ein Renditeobjekt dar, die machen das nicht aus sozialen Gründen“, so Schwarz. Mit so einem Investor solle man daher noch nicht einmal das Gespräch ­aufnehmen. Oberbürgermeister­ Dr. Thomas Spies (SPD) sagte dazu, es sei wichtig, dass der Magistrat mit allen rede, die etwas zur Entwicklung der Stadt beitragen wollten.

Zahl der Parkplätze soll erhalten bleiben

Auf dem Gelände sind ein Seniorenheim sowie ein Parkhaus geplant, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Café Trauma und dem Theater neben dem Turm. „Der Kulturstandort ist kostbar und soll in keiner Weise beeinträchtigt werden“, sagte Thorsten Büchner (SPD). Das war ­einer der Punkte, den die drei Fraktionen des Regierungsbündnisses – SPD, CDU, BfM – in einem Antrag formuliert hatten, als Voraussetzungen für ­einen Verkauf. Büchner zufolge sollen auch Fuß- und Radwege nicht beeinflusst werden. Es solle mindestens genauso viele Parkplätze wie jetzt geben und es sei anzustreben, dass das geplante Parkhaus von den Stadtwerken bewirtschaftet werde.

Der Antrag wurde mehrheitlich zur Annahme empfohlen, bei Gegenstimmen von FDP/MBL, den Grünen sowie den Linken. „Die SPD will das Ganze mit dem Antrag mehrheitsfähig machen“, kritisierte Jonathan Schwarz (Linke).

Bokelmann: Parkplätze in ­erbärmlichem Zustand

Hans-Werner Seitz (Grüne) sagte, er finde es traurig, dass die Stadt die Fläche aufgeben wolle. Seit Jahren stelle man immer wieder fest, dass es für Vorhaben an öffentlichen Flächen mangelt. Und auch um die Nachbarschaft mache er sich Sorgen: Bis zum Theater neben dem Turm bleibe nach der Bebauung nur ein Abstand von acht Metern. Da seien Konflikte programmiert – und er könne sich jetzt schon denken, wer gewinnen werde.

Hanke Bokelmann (FDP/MBL) sagte: „Die Parkplätze sind in ­einem erbärmlichen Zustand“. Daher sei es gut, wenn etwas passiere. „Es ist nicht wirklich ein Sahnestück, das brach liegt“, sagte Andrea Suntheim-Pichler (BfM) über das Grundstück. Aber der Investor wolle etwas entwickeln, das zukunftsträchtig sei: ein Pflegeheim im gehobenen Segment.

Antrag der Linken wird abgelehnt

„Die Stadt braucht auch Flächen, die nicht so aufgepeppt sind bis ins Letzte“, kritisierte hingegen Henning Köster (Linke). Die Fläche weitere 40 Jahre genau so zu lassen, wie sie ist, könne nicht das Ziel sein, entgegnete Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU). Seit 15 Jahren rede man über ein Parkhaus an der Stelle. Das Kaufangebot sei „ein Glücksfall für Marburg“. „Alles ist besser als die Situation im Moment“, so Stötzel.

Auch die Linken hatten einen Antrag zum Thema eingereicht, der mehrheitlich abgelehnt wurde. Kein Verkauf, keine zusätzlichen Parkplätze, kein Seniorenheim, hieß es darin. Stattdessen: „Ich erwarte vom Magistrat, dass er die Stadtentwicklung selbst in die Hand nimmt, statt zu sagen: Schön, dass das einer macht“, sagte Henning Köster. Er schlug vor, die ­Afföller- und die Waldtalgemeinde nach ihren Bedarfen zu fragen, beispielsweise könne die Fläche für Sport oder Kultur genutzt werden.

von Freya Altmüller