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Marburg Fahrrad-Vorrang im Campusviertel
Marburg Fahrrad-Vorrang im Campusviertel
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17:58 08.10.2020
Radfahrer in der Uferstraße Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Radwege-Offensive in der Universitätsstadt: Ein Kernbereich des Campusviertels wird nun zur Fahrradzone, Autos sollen möglichst draußen bleiben. Zwischen der Wolff-, über die Uferstraße bis in Richtung Firmaneiplatz hat künftig der Radverkehr Vorrang, müssen sich Autofahrer sodann nach Velos richten. Vorgaben: Maximaltempo 30, Radler dürfen dabei auch nebeneinander fahren, nur Anlieger-Verkehr soll noch passieren dürfen.

„Die Entwicklung hin zum Rad ist unübersehbar, wir müssen für das Verkehrsmittel mehr Platz und Sicherheit schaffen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD). Die Strecke im Campusviertel sei nicht zuletzt wegen der Nähe zur Mensa als Achse für Studenten auf ihren Wegen zu Uni-Fachbereichen sehr stark frequentiert, das Unfall-Risiko steige. Es gehe darum, „ein ausgewogeneres Verhältnis“ zwischen Rad- und Autofahrern herzustellen. „Angstfrei fahren zu können muss doch die Mindestanforderung sein.“ Gerade in Bereichen, wo über den Tag gerechnet mehr Räder als Autos fahren. Nach der Neu-Radspur etwa in der Universitätsstraße und dem Lahnberge-Direktweg über den Alten Kirchhainer Weg steht noch in diesem Jahr die Radstreifen-Markierung sowohl in der Großseelheimer Straße – letztlich von der Panoramastraße bis zum Uni-Klinikum, über die Lahnberge-Hauptstraße bis zur Zeppelinstraße – als auch entlang der Frauenbergstraße an.

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Radverbindung zuBehringwerken soll kommen

Ebenfalls in den nächsten Wochen startklar: Eine Ampel, sodass Radfahrer entgegen der Einbahnstraßen-Richtung von der Gutenberg- auf die Universitätsstraße abbiegen können. In Richtung Görzhäuser Hof, dem Behringwerke-Standort, gibt es laut Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) auch Radstrecken-Planungen; sowohl über den Rotenberg als auch durch die Marbach. Gerade eine Route durch den Stadtteil, speziell über den Marbacher Weg und die Emil-von-Behring-Straße, galt dabei angesichts der Straßenbreite in den vergangenen Jahren als kaum möglich. Eine einst vorgeschlagene Alternativ-Route durch die Hausstatt galt als zu kompliziert. Die genaue Wegführung soll in Kürze ausgearbeitet sein.

Klar ist für Spies und Stötzel: Die andernorts während der Corona-Pandemie aufgebauten Pop-Up-Radwege, deren Weiternutzung in einigen Städten kontrovers diskutiert werden, sind der falsche Weg. „Man muss genau hinschauen was, wo und wie man es macht. Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll“, sagt Spies.

Stadtspitze hofft, im ADFC-Ranking zu klettern

Neben dem Gratis-Radleih-System Nextbike, der Ausstattung von mittlerweile 17 Anlagen mit dem Grün-Ampel-System Sibike und Dutzenden neuen Abstellanlagen etwa im Campusviertel, soll auch die E-Bike-Kaufprämie der Marburger Infrastruktur dienen. So, wie zuletzt schon Grünpfeile am Wilhelmsplatz und – dieser nur für Radfahrer – Am Grün: „Die bewähren sich“, wie Michael Hagenbring von der Straßenverkehrsbehörde sagt.

Hoffnung des Magistrats angesichts der vielen, mitunter kleinteiligen Radverkehrs-Neuerungen: Beim laufenden Radklima-Test des ADFC besser abzuschneiden, von Rang 24 binnen der nächsten fünf Jahre in die Top-Ten Deutschlands vorzustoßen.

Abstimmung für den Radklima-Test bis 30. November unter www.fahrradklima-test.adfc.de

Von Björn Wisker