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Marburg Werbekreis hat Ideen für Nadelöhr Nordstadt
Marburg Werbekreis hat Ideen für Nadelöhr Nordstadt
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00:17 29.01.2019
Mittlerweile ein gewohntes Bild in der Nordstadt: Vor allem in der Bahnhofstraße staut sich zu den Stoßzeiten der Verkehr – derzeit vor allem wegen der Sperrung der Weidenhäuser Brücke.  Foto: Tobias Kunz Quelle: Mittlerweile ein gewohntes Bild in der Nordstadt: Vor allem in der Bahnhofstraße staut sich zu den Stoßzeiten der Verkehr – derzeit vor allem wegen der Sperrung der Weidenhäuser Brücke. Foto: Tobias Kunz
Marburg

Der Regionalausschuss Marburg der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg hatte sich jüngst dafür ausgesprochen, dass sowohl der seit den 80er-Jahren immer wieder hervorgeholte „Behring­tunnel“ als auch das jüngst von der SPD formulierte Konzept eines „Allnatalwegs“ als Westumfahrung nicht nur geplant, sondern auch umgesetzt werden. Denn die Region benötige eine leistungsstarke Infrastruktur – vor allem vor dem Hintergrund des wachsenden Pharma-Standorts in Görzhausen wie auch des geplanten Wohnungsneubaus am Hasenkopf. 

Entlastet werden solle damit auch das „Nadelöhr Nordstadt“, wie Peter Lather, Vorsitzender des Regionalausschusses, verdeutlichte. In der Tat, die Nordstadt ist spätestens seit der Sperrung der Weidenhäuser Brücke nicht zu beneiden: Stau gehört mittlerweile vor allem während der Stoßzeiten zum Tagesgeschäft. Da kommt die Ankündigung von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) während des Neujahrsempfangs der Stadt, dass die Bauarbeiten der Brücke bereits in den Sommerferien beendet würden, genau richtig.

Christian Großmann sieht "Riesenprobleme"

Christian Großmann, Geschäftsmann in der Bahnhofstraße und Vorsitzender des Werbekreises Nordstadt, schließt sich der Forderung der IHK prinzipiell an. Doch stellt er klar: „Wir haben jetzt im Moment und in der nahen Zukunft Riesenprobleme hier – ich ­warne davor, eine Debatte zu führen, die eine Alibi-Funktion dafür hat, dass die Verantwortlichen sagen können, sie tun doch was – und derweil ertrinken wir hier gerade im Verkehr.“

Es wäre schön gewesen, den Behringtunnel damals, „als das Thema aufgeploppt ist, auch zu realisieren – dann hätten wir die Probleme nicht“, ist sich Großmann sicher. Jetzt darüber „heiß und innig zu diskutieren“ sei ­jedoch nicht sein Thema; es ­gehe darum, schnelle Abhilfe für die derzeitigen Probleme zu schaffen.

Parkplatz am Afföller gleicht einer Buckelpiste

„Ich würde gerne mit allen Verantwortlichen wieder zu einer Diskussion und letztlich zu einer Umsetzung von Lösungen kommen, die möglichst kurzfristig – also noch in diesem Jahr – greifen und zu einer spürbaren Veränderung führen“, sagt der Händler.

Bestes Beispiel sei die letzte Ferienwoche gewesen, „da gab es keine Rückstaus, der Verkehr floss ganz normal – und am ersten Schultag brach der Verkehr dann plötzlich zusammen.“ Das wolle er gerne verstehen, „um dort eventuell Hebel zu finden, was diesen extremen Umschwung bewirkt – auch vor dem Hintergrund, dass derzeit noch nicht wieder alle Studierenden in der Stadt sind“.

Für Christian Großmann ist klar, dass Wirtschaft und Einzelhandel dafür sorgten, dass Stadt oder Kommune lebenswert seien. Eine perfekte Lösung habe er natürlich auch nicht, um die Probleme zu reduzieren, aber Großmann legt den Finger in ­einige Wunden. So sei zum Beispiel der Parkplatz am Afföller immer noch genau so mit Schlaglöchern übersät wie schon vor Jahren – vor allem bei Regen sei dies „ein dreckiger Schotterhaufen“. Eine vernünftige Anbindung und eine Sanierung seien für alle in der Nordstadt ein immenser Gewinn.

Die weitere Umgestaltung des Verkehrs in der Nordstadt sei ja bereits konkret in Planung. „Die Auf­wertung der Elisabethstraße mit einem reduzierten Gesamt­fahrzeugaufkommen für mehr Aufenthaltsqualität und einem verbesserten Radweg ist gut und richtig“, sagt Großmann – der „Rennstreckencharakter stadteinwärts“ müsse abgestellt werden. 

Echte Radwege könnten Attraktivität steigern

Gleichwohl müsse die Menge des Verkehrs, der durchfließen könnte, beibehalten werden – „der Verkehr wird aber dennoch abnehmen, weil mehr Autofahrer in die Robert-Koch-Straße einbiegen werden“, ist Großmann sicher.
Immerhin kündigte der Oberbürgermeister in seiner ­Rede an, im Herbst an die Umsetzung der Verkehrspläne in der Nordstadt zu gehen, um „erstmal mit Pinsel und Farbe“ den „Boulevard von Kirche und Ketzerbach bis zum Hauptbahnhof so freundlich zu gestalten wie möglich“.

Die Idee findet Großmann nicht schlecht, „wenn die Parksituation und die Gestaltung in der westlichen Bahnhofstraße mit einem vernünftigen Radweg realisiert wird, sind das Dinge, die das Nadelöhr Nordstadt zumindest attraktiver machen“, sagt er im Gespräch mit der OP. Insgesamt müsse auch der Verkehr um die Nordstadt herum attraktiver werden – dann nehme er in der Nordstadt selbst automatisch ab.

Insgesamt sehe er auch eine vernünftige Radweggestaltung als wertvoll an, „der Radverkehr funktioniert dann besser, wenn es privilegierte Fahrradstraßen gibt. Das ist im engen Marburg eine durchaus Herausforderung – aber wir haben an der Lahn ­eigentlich eine schnelle Radweg-Achse, die man aktiv wie eine Verteiler-Autobahn ausbauen könnte, wenn man die Eng­stellen beseitigt.“

von Andreas Schmidt