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Marburg Radfahrer fordern Überhol-Stopp
Marburg Radfahrer fordern Überhol-Stopp
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10:00 03.07.2020
Eine Protest-Aktion der BI Verkehrswende fand in der Marburger Ketzerbach statt. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Autos sollen in engen Straßen hinter Fahrrädern bleiben – die Aktivisten der Bürgerinitiative Verkehrswende haben mit einer Aktion auf der Ketzerbach eine konsequente Umsetzung des faktisch geltenden Rad-Überholverbots gefordert. Das ganze mit einem breiten Banner, das sie über eine Fahrspur spannten und so kurz den Verkehr stoppten. „So ist sichtbar: Fahrräder sind jetzt breit wie ein Traktor“, sagt Dr. Ulrich Schu, Initiator der Aktion. Der in der Straßenverkehrsordnung nun festgeschriebene Mindestabstand von 1,50 Meter bei Überholmanövern von Fahrrädern werde in vielen Teilen Marburgs nicht eingehalten, weshalb Autofahrer sich nun auch per Gesetz „nicht mehr vorbeizwängen dürfen“, wie er sagt. Nicht nur für die Sicherheit, auch für die Attraktivität des Radverkehrs sei das ein entscheidender Punkt. „Nur wenn Menschen sorgenfrei und komfortabel fahren können, werden sie umsteigen und mit anderen Fortbewegungsmitteln als Autos unterwegs sein“, sagt er. „Niemand fühlt sich als Verkehrshindernis wohl.“

Schmale Radstreifen, Quasi-Radwege wie etwa in der Ketzerbach trügen laut Rad-Aktivist Hans-Horst Althaus ohnehin nur zu einer „Schein-Sicherheit“ bei, die Abgrenzung der Spuren werde als Platz-Zuweisung wahrgenommen: „Hier die Autos, da die Fahrräder – so soll es aber nicht sein“, sagt er und plädiert dafür, stattdessen sichtbar große Fahrrad-Piktogramme auf die Straßen zu zeichnen. Radfahrer sollten gerade in zu engen Straßen in der Mitte fahren dürfen, um ein Überholen faktisch zu verhindern.

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Oberbürgermeister: „Mehr Blech bedeutet nicht mehr Rechte“

Wenn es zu eng und unübersichtlich an einer Stelle auf der Straße wird, kann die Stadt nun auch ein neues Verkehrszeichen aufstellen – und so ein Überholverbot von Fahrrädern sichtbar anordnen. Das sieht die neue bundesweit geltende Straßenverkehrsordnung (StVO) vor. Und genau das fordert die Linksfraktion im Stadtparlament, das nach der Sommerpause im August über einen entsprechenden Antrag beraten wird.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), der zu der symbolischen Aktion ebenso erschien wie mehrere Stadtverwaltungs-Fachabteilungen, will Polizei und Land Hessen stärker in die Pflicht nehmen, um verstärkte Verkehrs-Kontrollen und Kampagnen zu gewährleisten. Aber: „Wir müssen anerkennen, dass viele Menschen auf ein Auto angewiesen sind und wir in Marburg nicht genug Platz haben, um die Verkehre strikt voneinander zu trennen. Klar ist, dass mehr Blech nicht mehr Rechte bedeuten kann.“ Das Platzproblem droht sich speziell in der Universitätsstadt auch eher zu verschärfen: denn laut Neu-StVO müssen Radfahrer nun auch nicht mehr hinter-, sondern dürfen nebeneinander fahren. Die Verkehrswende-BI beließ es aber nicht bei einer kurzen Banner-Blockade, die Teilnehmer klemmten sich bei ihrem Weg durch die Stadt auch breite Gummirollen auf die Gepäckträger, die so weit überstanden um Autos den nötigen Abstand anzuzeigen.

von Björn Wisker

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