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Marburg Fehlende Beweise gegen Ladendieb
Marburg Fehlende Beweise gegen Ladendieb
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15:00 11.08.2019
Das Verfahren eines 45-jährigen mutmaßlichen Ladendiebs dauert an. Fehlende Beweise und nicht erschienene Zeugen sind die genannten Gründe. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Verurteilt wurde der 45 Jahre alte Mann aus Frankfurt jedoch nicht. Ein nicht erschienener Zeuge, fehlende Beweismittel – so lauten die Gründe dafür, dass die Verhandlung letztlich auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wurde. Dem gelernten Koch wird von der Staatsanwaltschaft Marburg vorgeworfen, im Juli 2017 Waren im Wert von 3.049 Euro aus dem Kaufhaus Ahrens gestohlen zu haben.

Dabei handelte es sich um Parfum, Taschen, Sonnenbrillen und Geldbörsen. „Überführt“ wurde der mutmaßliche Ladendieb aufgrund von Videos, die ihn beim Einstecken einiger der Waren zeigen sollen. Eines der zwei Videos war jedoch gestern nicht zu aufzufinden.

Kaufhausdetektivin soll noch vernommen werden

Der Verteidigung war das Fehlen des Beweisstücks aufgefallen – die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte die Akte überhaupt noch nie gesehen. Bis zum nächsten, noch nicht benannten Termin soll das Video nun ausfindig gemacht werden – ebenso soll dann die Kaufhausdetektivin vernommen werden. Gestern erschien lediglich eine Verwaltungsangestellte der Marburger Polizei, die den Angeklagten im Dezember 2017 in Wetter zufällig wiedererkannt hatte.

Sie war zuvor mit der Sichtung der Videos betraut gewesen. Die dürftige Beweislage sowie die fragwürdige Organisation sorgten aufseiten der Verteidigung zunächst für „Erstaunen“. Dieses schlug jedoch schnell in Empörung um, als die Staatsanwaltschaft einen Antrag für ein anthropologisches Gutachten stellte: „Dass die Staatsanwaltschaft das in zwei Jahren nicht schafft, ist eine Unverschämtheit“, schimpfte Rechtsanwalt Till Gutsche im Gerichtssaal.

Verteidiger erbost über wirtschaftliche Folgen

Der Akte sei zu entnehmen, dass die Staatsanwaltschaft ein solches Gutachten, mit dem die Identität des Täters sichergestellt werden soll, bereits verworfen hatte. Die Staatsanwaltschaft habe zudem nicht wie vorgeschrieben sämtliches Aktenmaterial an das Gericht übergeben.

Gutsche verwies auf den enormen Druck, den das seit mittlerweile zwei Jahren laufende Ermittlungsverfahren für seinen Mandanten bedeute. Besonders erboste sich der Verteidiger jedoch über die wirtschaftlichen Folgen des Verfahrens: Im Falle einer Verurteilung müsste sein Mandant nun auch die Kosten für das Gutachten tragen.

von Melchior Bonacker